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Leserbrief

Zum "Erfolgsmodell Bündnerjagd"

Max Oberli,
23. November 2018, 13:34:17

„In den Alpen kommen heute so viele Wildhuftiere vor wie wahrscheinlich nie zuvor“. Diese Behauptung ist nicht haltbar, weil einerseits evolutionsgeschichtlich (z.B. ein Dienstalter eines Wildhüters von 45 Jahren) eine sachliche Beurteilung gar nicht zulässt und andrerseits aus der Zeit von vor 100 Jahren keine gesicherten Grundlagen über Wild und -Bestände existieren. Auch der vom Amt für Jagd und Fischerei als «Beweis» zu hoher Hirschbestände immer wieder angeführte Anstieg der Abschüsse sagt wenig über den tatsächlichen Bestand früher oder heute aus; dies wurde mehrfach untersucht (H.Kalchreuter, B.Hespeler, D.Zimmermann, R.Hofmann) fazit: Es ist generell nicht möglich, die Bestandsdichte aus der Höhe der Jagdstrecke abzuleiten. Auch noch so umfangreiches Datenmatetrial aus Abschussstatistiken taugt nicht zur Jagdplanung!
Vor 40 Jahren verkündeten Forstkreise die bevorstehende ökologische Katastrophe des „Waldsterbens“. Nichts von alledem ist eingetreten. Unsummen von Steuergeldern wurden für sinnlose Gegenmassnahmen und meist ergebnislose Forschungsprojekte vergeudet. Heute gibt’s mehr Wald bzw. Holzvorrat als je zuvor – seit es die Forstwirtschaft gibt – das heisst seit 250 Jahren. Anpassung an das natürliche Äsungsvolumen und die Lebensraumkapazität durch Verminderung des Wildbestandes taugt nicht, um angeblich akut gefährdete Schutzwälder zu retten. Die heutigen Wildbestände erreichen bei weitem nicht die kritische Besiedlungsdichte, bei deren Überschreitung es zur existentiellen Gefährdung der Wälder kommen könnte.
Regierungsrat Cavigelli mit seinen Beratern und Gutachtern, die Amtsvorsteher der Bereiche Jagd und Fischerei, Wald- und Naturgefahren, Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit, die Wildhüter, die erfolgreich indoktrinierten Jäger und Förster – sie alle haben Gemeinsamkeiten:
• Sie geloben zwar, das Tierwohl und die Ansprüche der Wildtiere zu respektieren, die Realität ist aber eine andere.
• Sie sind der Wahrheit nicht sehr verpflichtet und kämpfen mit Unwahrheiten um ihre primären Interessen money, money, money first.
• Sie sind betriebsblind, auffällig Medien geil und stellen jeglichen Anstand, Achtung und Respekt vor Wild und Natur hinten an. Als Beispiel sei der abartigste aller Jagdplanungsentscheide, das totale Fütterungsverbot für Wild mit wiederholt praktizierter Verweigerung der Notfütterung erwähnt.
• Sie haben ihre Glaubwürdigkeit und damit jegliches Vertrauen verspielt.
Das künstlich hochgejubelte «Erfolgsmodell Bündnerjagd» kann man nicht ernst nehmen, RR Cavigelli und seine Lobbyisten sind untragbar geworden.

Zum Artikel: Keine Jagd polarisiert so stark wie die Sonderjagd, Ausgabe GR, 23.11.18

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Schön zu lesen, dass der Oberli schlauer ist als alle Wildhüter, Wildbiologen, Waldfachleute, Förster und Hegespezialisten zusammen! Dass er auch nicht begreift, weshalb die Schalenwildfütterung nicht zielführend ist, zeugt nicht gerade von grossem Fachwissen.