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Leserbrief

Tourismusfinanzierung in Vals

Christian Ruef,
30. Mai 2018, 08:32:40

Anleitung zur Vertreibung der Zweitwohnungsbesitzer aus Vals
Vor wenigen Jahren proklamierte ein Stein-reicher Valser den Tod des Tourismus in Vals. Der Tourismus sei an die Wand gefahren. Danach wurde der Hoteltourismus richtig an die Wand gefahren, sodass die Logiernächte in den Hotels sich auf knapp über 40‘000 pro Jahr halbierten. In den nächsten Jahren geht es dem Ferienwohnungstourismus in Vals an den Kragen, sollte die Finanzierung des Bergbahnbetriebs und des Tourismusbüros über eine neue Pauschalkurtaxe und die Verdoppelung der Liegenschaftssteuer realisiert werden. Das von den Gemeindebehörden favorisierte Modell 1 führt zu einem 5-fachen Anstieg der Tourismusabgaben pro Zweitwohnung, sodass der Besitzer einer Wohnung mit vier Betten und einem Wert von 400‘000 pro Jahr 2‘400 Franken an Taxen und zusätzlichen Steuern bezahlen müsste. Um diesen Betrag durch Vermietung zu erwirtschaften, müsste die Wohnung bei einer in diesem Modell vorgesehenen Logiernachtgebühr von 12 Franken 50 Mal pro Jahr vermietet werden können. Dies ist nicht realisierbar. Aktuell werden die meisten Wohnungen maximal während zwei bis vier Wochen pro Jahr vermietet.
Im Unterschied zu den Hotels, die ihre Betten viel häufiger ‚verkaufen‘ können, führt das Modell 1 zu einer hohen Zusatzbelastung für die Zweitwohnungsbesitzer. Diese Zusatzbelastung wird insbesondere von denjenigen als unfair betrachtet, die keinen Wintersport betreiben und somit vom in diesem Modell frei zugänglichen Skigebiet nicht profitieren können.
Aus vielen Reaktionen von Zweitwohnern wird klar, dass die Umsetzung des Modells 1 nichts anderes ist als eine Anleitung zur Vertreibung der Zweitwohnungsbesitzer in Vals. Statt an den Zweitwohnungstourismus in Vals zu glauben und deshalb in die Renovation der Wohnung durch das lokale Gewerbe zu investieren, damit diese in einem guten Zustand der nächsten Generation übergeben werden kann, tragen sich viele Zweitwohnungsbesitzer mit dem Gedanken, Vals den Rücken zu kehren, bevor die oben erwähnten Finanzierungspläne umgesetzt werden. Ob sich Käufer für die Wohnungen finden werden, ist eine berechtigte Frage. Wer will in einem Ort eine Wohnung kaufen, in dem die Grundkosten derart angehoben werden und allenfalls noch weiter angehoben werden, falls es dann doch nicht aufgeht mit dem neuen Finanzierungskonzept?
Leider treibt das Modell 1 auch einen Keil zwischen die Valser Bevölkerung und die treuesten Gäste von Vals. Die Zweitwohner realisieren die Notwendigkeit, die touristische Infrastruktur zu erhalten und sind auch bereit, einen fairen Beitrag zu leisten. Sie verstehen aber nicht, dass einzelne Hoteliers, die jährlich dank den Zweitwohnern tausende von Franken Umsatz in ihren Restaurants und Hotels praktisch garantiert haben, das Eigeninteresse über das Gesamtwohl stellen und sich trotz den bekannten Nachteilen für die Zweitwohner für das Modell 1 stark machen.
Die Interessengruppe der Zweitwohner in Vals hat das Gespräch mit den Behörden, der Bergbahn, Visit Vals und der Beratungsfirma aufgenommen und zur Entwicklung weiterer Modelle beigetragen. Es gibt Alternativen zum Modell 1, die besser und fairer sind, die sowohl für die Sicherstellung des Betriebs der Bergbahn als auch für die Zukunft des Zweitwohnungstourismus in Vals geeignet sind. Zusätzlich stellen die Modelle 2 (Gondelbahn inbegriffen) und 3 (Defizitgarantie) für den Haushalt der Gemeinde eine deutlich geringere Belastung als Modell 1 – jährlich 415‘000 Franken aus der Gemeindekasse zu entnehmen – dar. Modell 1 ist keine gute Lösung für Vals, denn dadurch werden die Stammgäste von heute die Ex-Gäste von morgen. Die Beteiligten sollten deshalb im Interesse des Tourismus in Vals das Modell 1 fallen lassen und sich auf die Weiterentwicklung der Modelle 2 oder 3 fokussieren. Wir bieten nach wie vor Hand zur Zusammenarbeit in diese Richtung.

Christian Ruef
Präsident der Interessengemeinschaft der Zweitwohnungsbesitzer in Vals
30.5.18

Zum Artikel: Die Zukunft der Sportbahnen in Vals, Südostschweiz GR 28.5.18

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Das klingt unglaubwürdig. Sie als Zweitwohnungsbesitzer wollen doch einfach nicht bezahlen. Der Valser Bürger muss entscheiden, nicht die Zweitwohnungsbesitzer, die sich in Vals ausbreiten und selten investieren. Anders als der Tourist isst der Zweitwohnungsbesitzer meistens Zuhause. Da hat nicht mal die Gastronomie was davon. Der Valser Souverän stemmt den Löwenanteil der Kosten. Zweitwohnungsbesitzer und Hoteliers sind Nebenschauplätze, rufen aber seltsamerweise am lautetesten aus, obwohl genau diese Interessengruppen als grösste Profiteure gelten. Das ist Paradox, nicht?

Finde es schade, wenn "spaltend" und nicht konstruktiv argumentiert wird.
Ich persönlich bin begeistert von Vals und versuche, wo es nur geht, in Vals und Umgebung das lokale Gewerbe zu berücksichtigen. Kürzlich habe ich bei einem grossartigen Malergeschäft in Vals mein kleines Studio neu streichen lassen. Auch Einkäufe werden lokal getätigt und die verschiedenen Vor-Ort-Angebote genutzt.
Ich glaube, dass die touristische Zukunft für so ein grossartiges Bergdorf wie Vals nur gemeinsam, mit einer auffallenden und kommunizierten "Qualitäts-Strategie" langfristig, mit Einbezug aller Ansprechgruppen erreicht werden kann.
Und Vals hat so zahlreiche Alleinstellungsmerkmale, die es aufzubauen und zu kommunizieren gilt.

Ich kenne kein so grossartiger, Qualitäts-Rückzugsort in der Schweiz wie Vals, wo man so mit Begeisterung via Natur, Kultur, Architektur, Sport und Gastronomie auftanken kann.

Ich wage zu bezweifeln, dass die 4 vorgeschlagenen Finanzierungsmodelle etwas taugen.
Was heisst da 4 Modelle, ich sehe nur ein Finanzierungsmodell der Rest = «Zahlenschwindelei».

Will eine Gemeinde Touristik betreiben, muss sie primär die notwendigen Infrastrukturen stellen, für Wintersport sind die Bergbahnen unerlässlich. Die Gästehäuser können auch keine leeren Zimmer anbieten.
Ticketpreise erhöhen, R. Stoffel lebt es längst mit dem Zumthor-Bad Eintritten vor, Steuererhöhung kommt früher oder später, das verhindert das sogenannten «Golfclub-Modell» auch nicht, nur könnte es noch teurer werden. Ausser dem «Golfclub-Modell», gäbe es noch Investoren zu suchen, das sind realistische und gangbare Wege, alles andere ist Augenwischerei! Auch der Bauer weiss, dass er zuerst sähen muss, bevor er ernten kann.

Es ist unverständlich, dass die Gemeinde mit solchen Vorschlägen kommt, anstatt dass sie mit einem cleveren und kompetenten Wirtschaftsberater versuchen zu eruieren, wie die Bergbahnen mit zeit- und kostensparenden Technologien und Prozesse betrieben werden könnten. Die jetzigen Berater kennen offenbar nur das «Kuhmelksystem», das sind Vorschläge die den Steuerzahler auch Geld kosten, aber keine nachhaltige Lösung bringen werden.

Zu den Vorschlägen und Argumenten der 4 Finanzierungsmodellen;
primär wählt der Feriensuchende die Destination, nach den Kriterien, welche ihm das zu bieten hat, wonach ihm gerade ist, sei es Sportmöglichkeiten, schöne Wellnessangebote, Faulenzen an Gewässern, Orte mit hübschen Strassencafés, Boutiquen, Clubs etc.!
Ganz bestimmt sind für die Wahl nicht entscheidend, was der Ferienort alles gratis zu bieten hat, oder wieviel in seinem «All included» Angebot enthalten ist. Gratis gibt es schlussendlich gar nichts, zudem hat ein «GRATIS-Angebot» keine Wertschätzung! Die «All included» Angebote erinnern erst mal an Kafi-Car-Fahrten, oder an ein 2-Sterne-Haus im Süden, das farbige «Arm-Bändeli» ist dann auch im «All included» Angebot enthalten.

Wird über die Zukunft der Sportbahnen abgestimmt, bleibt nur zu hoffen, dass die Valser-Wähler sich erst im Klaren sein müssen, ob sie weiterhin Vals als Touristendorf verstehen und pflegen wollen. Nicht vergessen - es gibt viele Existenzen, die von dieser Entscheidung abhängig sind.
Die 4 Finanzierungsmodelle sind reine Augenwischerei, lösen die Geldprobleme nicht, ist weder nachhaltig, noch kann damit je die notwendige Bahnsanierung finanziert werden.
Es bleibt zu hoffen, dass die Stimmbürger aus Fehlern gelernt haben. Drohgebärden, wie Schliessung der Bergbahnen, sind wohl nicht ernst zu nehmen, immerhin gibt es Aktionäre, die einst ihr Geld darin investierten!

Daher möchte ich auch daran erinnern, dass die Gemeindefinanzierung, beim Bau des Zumthor-Bades unumgänglich war, kostete den Steuerzahler Millionen, doch es war der grösste Gewinn und die beste Investition in den Valser Tourismus!

Ja, Christian Ruef, ist es in unserer Gesellschaft nicht immer dasselbe: Eine kleine Oberschicht melkt die Kühe bzw. ein Zirkusdompteur dirigiert alle Rössli bzw. wie es in Western prosaisch heisst: einige Grosse scheren die Hammelherde.
https://www.suedostschweiz.ch/leserbriefe/2017-08-27/masterplan-mundaun…
"Golfclub-Modell", ist das eine andere Formulierung für "Verluste sozialisieren, Gewinne privatisieren"? Oder wie es der "unmögliche" Schawinski im Zischtigsclub (auch ein Club) sagte: "Gewinne primatisieren", worauf Gesprächsleiter Ueli Heiniger murmelte: "Das muss ich mir merken."
Die Gretchenfrage lautet also stets:
Lässt sich die Mehrheit von der Minderheit (Randgruppe der Millionäre) majorisieren?
https://www.youtube.com/watch?v=BGHlFIJCoMU

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