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Leserbrief

Alternative Fakten zum Pauschaltourismus in Vals

Christian Ruef,
31. Januar 2018, 18:25:59

Leser des Artikels ‚Valser wollen den Pauschaltourismus‘ von Gian Andrea Accola in der Südostschweiz vom 30. Januar 2018 erhalten den Eindruck, dass am Finanzierungsmodell zum Erhalt der Bergbahnen in Vals nur noch kleinere Retuschen (‚Schwächen überprüfen) angebracht werden müssen, bevor das Konzept des ‚Pauschaltourismus‘ umgesetzt werden kann.

Dem ist nicht so. Seit der Durchführung der Umfrage hat sich die Meinungsbildung unter den Einheimischen und sogenannten Zweitheimischen weiter entwickelt. Viele Zweitwohnungsbesitzer lehnen das Modell ab und formieren ihren Widerstand in einer Interessengemeinschaft. Gleichzeitig lehnt die überwiegende Mehrzahl der Hotelbesitzer und Beherberger das Modell, dessen finanzielle Auswirkungen für kleinere Hotels teilweise Existenz bedrohend wären, ebenfalls ab.

Für die Zweitwohnungsbesitzer würde das vorgeschlagene Modell die Kurtaxen mehr als vervierfachen, beispielsweise für eine Wohnung mit sechs Betten von 720 Franken auf 3‘000 Franken im Jahr. Die ebenfalls im Finanzierungsmodell enthaltene Verdoppelung der Liegenschaftssteuer würde das Budget der Zweitwohnungsbesitzer zusätzlich um mehrere hundert Franken belasten.

Diese zusätzlichen Kosten von mehreren tausend Franken lassen sich durch Vermietung der Zweitwohnungen nicht kompensieren. Eine Erhöhung der Mietpreise kommt im kompetitiven Umfeld, in dem der Gast online das ihm passende Angebot im gesamten Alpenraum auswählt, nicht in Frage. Hinzu kommt, dass die Mehrzahl der Zweitwohnungsbesitzer in Vals ihre Wohnungen entweder gar nicht (gegen 200 der 388 antwortenden Zweitwohnungsbesitzer) oder höchstens während 14 Tagen vermieten. Der Mietpreis müsste somit massiv erhöht werden, wollte man die vorgeschlagene neue Pauschale ohne erhebliche finanzielle Zusatzbelastung der Wohnungsbesitzer durch Vermietung der Zweitwohnungen kompensieren – eine illusorische Option!

Das Finanzierungsmodell resultiert deshalb in einer substantiellen Wertverminderung der Immobilien von Zweitwohnungsbesitzern. Potentielle Käufer werden sich hüten, in Vals eine Ferienwohnung zu kaufen, nachdem sie erfahren, wie hoch die Zusatzbelastung durch die Kurtaxenpauschale ist. Die Wohnungen werden schwieriger zu verkaufen sein.

Das Finanzierungsmodell verschlechtert somit die Bedingungen für ein weiteres wichtiges Segment des Tourismus in Vals. Bereits im Laufe der letzten Jahre gingen viele Gästebetten durch den Verkauf von Appartements verloren. Die Appartements werden nun für das Hotelpersonal genutzt. In Vals fehlen stattdessen viele dieser Zweitwohnungsbesitzer, welche Ski fuhren, badeten, die Restaurants besuchten, weitere Gäste in Hotels unterbrachten, Kurse organisierten, Lebensmittel einkauften und den Handwerkern Arbeit gaben. Das Finanzierungsmodell schreckt verbleibende Zweitwohnungsbesitzer auf. Ein weiterer Exodus ist absehbar.

Nachdem der Hoteltourismus in Vals deutlich rückläufige Uebernachtungszahlen aufweist – gähnende Leere auf dem Parkplatz des grössten Hotels in Vals an einem strahlenden Dienstag im Januar – dürfte es somit mit dem neuen Finanzierungsmodell ‚Pauschaltourismus‘ den Zweitwohnungsbesitzern und den kleineren Hotels an den Kragen gehen.

Gegen dieses für Vals desaströse Szenario wehren sich sowohl die Zweitwohnungsbesitzer als auch die Hoteliers. Dabei geht es nicht um alternativlose Ablehnung sondern um konstruktive Mitwirkung, damit ein für den Tourismus gesamtheitlich förderliches Konzept entsteht, welches die Bedürfnisse der Hoteliers und der Zweitwohnungsbesitzer derart berücksichtigt, dass diese wichtigen Segmente des Tourismus in Vals weiterhin eine Zukunft haben. Dazu gehört auch die Regelung eines fairen Zutritts zur Therme. Entsprechende Gespräche haben mit den Verantwortlichen des Finanzierungsmodells stattgefunden – zuletzt am 27. Januar. Hoteliers und Vertreter der Interessengemeinschaft der Zweitwohnungsbesitzer haben wiederholt den Antrag gestellt, in der Arbeitsgruppe mitwirken zu können, welche das Finanzierungsmodell weiter entwickeln soll. Dieser Antrag wurde abgelehnt.

Dies sind die alternativen Fakten als Ergänzung zum Artikel über den Pauschaltourismus in Vals.

Christian Ruef
Präsident
Interessengemeinschaft der Zweitwohnungsbesitzer in Vals
8450 Andelfingen

Zum Artikel: www.suedostschweiz.ch/tourismus/2018-01-30/valser-wollen-den-pauschaltourismus

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