×
Leserbrief

Jägerlatein

Carl Sonnthal,
10. Januar 2018, 11:58:58

Es immer wieder beängstigend, wie ungebildet die Hobby-Jäger sind. Bei vielen sind sogar für einen Laien fortgeschrittene pathologische Störungen auszumachen, wenn man im Wald und Flur mit einem Hobby-Jäger in Kontakt kommt.

Es ist auf wissenschaftlicher Ebene immer noch so, dass es mindestens 18 wildbiologische Studien gibt, die den Sinn der Fuchsjagd in Abrede stellen, auch bei Krankheiten wie der Räude, Tollwut, Fuchsbandwurm usw. In Luxemburg, Kanton Genf, Nationalpark usw. ist die Fuchsjagd sogar verboten. Der Kanton Genf hat heute jedoch die grössten Feldhasenbestände.

Kürzlich wurde sogar wieder in einer Studie bewiesen: wer Angst vor Krankheiten wie der Lyme-Borreliose oder dem sogenannten Fuchsbandwurm hat, sollte sich mit aller Deutlichkeit gegen die Jagd aussprechen.

Interessanterweise liegt in Europa der Verbreitungsschwerpunkt zum Beispiel des Fuchsbandwurms in Mitteleuropa, genauer, in der Ostschweiz, dort wo Hobby-Jäger wie Christian Zingg in der Natur rumwursteln.

Und nein, Herr Christian Zingg, der Fuchs wird nicht überhandnehmen, dies sind einfach Lügengeschichten ihrerseits. Aber als Hobby-Jäger hat man ja auch keine Ahnung von Wildbiologie. Herr Christian Zingg muss sich auch nicht als Retter der Hasen und Rehe aufspielen, denn, denen schiesst er ja etwas später selber auch noch mit einem lachenden Gesicht in den Rücken. Herr Zingg geht ganz sicher auch nicht auf die Pass-Jagd, weil er nur kranke Füchse, Füchse welche enorm wichtig für ein funktionierendes Ökosystem sind, zu massakrieren. Füchse sind als Gesundheitspolizisten und eifrige Mäusevertilger wichtige Mitglieder des Naturhaushalts. Sie sorgen auch für gesunde Wildbestände. Man sollte nicht hinnehmen, dass sie wie Schädlinge behandelt und jedes Jahr rein zum Vergnügen der Pseudo-Jäger getötet werden.

Auch in der Vergangenheit flackerte die Räude und Staupe lokal immer wieder auf und erlosch dann von selbst wieder. Vor allem dort, wo die Räude besonders stark um sich gegriffen hat, scheinen die Füchse eine zunehmende Resistenz gegen Neuinfektionen zu entwickeln. Da die Jagd den eigentlich gegebenen Überlebensvorteil für räuderesistente Füchse jedoch zunichtemacht (ein Jäger sieht einem Fuchs seine Räuderesistenz schliesslich nicht an), dürfte das Töten von Füchsen auch in dieser Hinsicht kontraproduktiv sein. Übrigens hat man bei der Staupe festgestellt, dass Wildtiere bereits Antikörper gebildet haben und die Gefahr somit marginal ist.

Auch ohne Jagd habe es nicht plötzlich zu viele Füchse, Hasen oder Vögel. Die Erfahrung zeige, die Natur könne man sich selber überlassen sagt Heinrich Haller, unser Nationalparkdirektor. Oder, Robert Brunold vom Bündner Patentschlägerverband: Nötig ist die Niederjagd nicht, aber berechtigt. So könne man sich auch fragen, ob es sinnvoll sei, Beeren und Pilze im Wald zu sammeln. Wobei wir wieder bei der eingangs erwähnten Pathologie wären....

Zum Artikel: Stellungnahme zum Leserbrief von Christian Zingg-Oswald aus Trimmis vom 10.1.2018 in der Südostschweiz (print)

Kommentar schreiben

Kommentar senden