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Pralle Euter an Viehschauen erfreuen die Bauern – die Kühe weniger

An Viehschauen machen reich gefüllte Euter 40 Prozent der Gesamtnote aus. Recherchen des Schweizerischen Tierschutzverbandes zeigen: Um Prämierungen zu erhalten, lässt manch ein Bauer seine Tiere leiden. Dahingegen gehen Bauern aus dem Linthgebiet vorbildlich mit ihren Kühen um. 

Südostschweiz
Freitag, 30. September 2016, 09:00 Uhr Viehschauen im Linthgebiet
Prall und dick sollen sie sein - die Euter stehen an Viehschauen im Fokus. (Bild: Keystone)

Wer hat die Schönste im Linthgebiet? Ab morgen gehen Bauern und Viehschau-Richter in der Region wieder dieser Frage nach. Aber bloss auf der Weide grasen und abends sich melken lassen, das war einmal. Im jetzigen Zeitverständnis sind Kühe bei einigen Bauern mehr als nur Melktiere. Viel eher gleichen sie Hochleistungsmaschinen.

Zitzen verkleben ist erlaubt

Gewaschen, rasiert und kurz geschoren – so lautet das Ideal. Besonders vorteilhaft ist es, wenn das Euter prall ist. Das ist nämlich ein Zeichen für die Hochleistung des Tieres und macht schliesslich 40 Prozent der Gesamtbewertung aus. Damit dies einfacher erreicht wird, kann man die Zwischenmelkzeiten hinauszögern und das Euter prallvoll an der Viehschau präsentieren. Das Problem dabei: «Wenn man das Melken zu lange hinauszögert, kann das schmerzhaft für die Tiere werden und bakterielle Entzündungen hervorrufen», erklärt Kantonstierarzt Albert Fritsche. Damit die Milch nicht aus den Zitzen tropft, werden die Zitzen mit einem Klebestoff zugeklebt. Der Klebestoff heisst Kollodium und ist an den Viehschauen erlaubt. 

Für das dennoch umstrittene Vorgehen der Bauern hat Fritsche eine simple Erklärung: Die grossen Viehschauen seien wie der Spitzensport, die kleinen ähnelten dem Breitensport. «Erfahrungsgemässsind kleine Viehschauen eher Schaufester der Landwirtschaft. Die Tiere werden da nicht so aufbereitet wie an grossen Viehschauen. Viel eher steht das dörfliche Zusammensein im Fokus.» An grossen Viehschauen geht es um Prämierungen, von denen die Bauern einen wirtschaftlichen Nutzen haben. «Deshalb greift man da wohl zu anderen Mitteln», sagt der Kantonstierarzt.

Gutes Zeugnis für Linthgebiet

Anderer Meinung ist der Maseltranger Michael Bless, Vorstandsmitglied im St. Galler Braunzuchtviehverband. An der Viehschau gehe es darum, die Kuh in einem Sonntagsgewand zu präsentieren. Ein idealer Euterdruck gehöre hier dazu, sagt Bless. «Viel Druck heisst jedoch keinesfalls besseres Euter.»

Und auch das Zukleben von Zitzen werde laut Bless bei Tieren eingesetzt, die einen schlechten Schliessmuskel haben und vor dem Melken bereits Milch laufen lassen. Dass es an grossen Viehschauen immer mal wieder schwarze Schafe geben kann, sei trotz verschiedener Kontrollinstanzen und Ärzte nicht ausnahmslos zu vermeiden, erklärt Bless.

Dem Linthgebiet stellt er aber ein gutes Zeugnis aus. Zwar ist die Region vergleichsweise mit dem Toggenburg oder dem Rheintal nicht bekannt für die grossen Gemeindeschauen, dafür lässt sie sich in Sachen Tierwohl nichts zu Schulden kommen. «Die Bauern im Linthgebiet benehmen sich vorbildlich. Bisher sind uns da keine Unstimmigkeiten bekannt», hält Bless fest.

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