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Bald nur noch ein freiwilliger Spass

Wie verhalten sich Hündeler richtig, wenn sie mit ihren Tieren auf Velofahrer oder Jogger stossen? Was ist bei Leinenkonflikten oder einer Reise mit dem Hund ins Ausland zu machen? Fragen, die bisher in den obligatorischen Hundekursen beantwortet wurden - nun werden sie abgeschafft.

Südostschweiz
Dienstag, 27. September 2016, 20:00 Uhr Hundekurse
Kein Kurszwang mehr: Hundetrainerin Jeannette Beer – hier mit Hund Sugar auf dem Platz der Hundeschule Mollis – ist enttäuscht vom Parlaments-entscheid. Denn die obligatorischen Hundekurse würden Sicherheit geben und Mensch und Tier Spass machen. Bild Lisa Leonardy

Das Gesetz war da, bevor es überhaupt ausreichend Hundetrainer gab. Und jetzt, wo es endlich genügend Kursleiter gibt, soll es auch schon wieder abgeschafft werden. «Das Ganze ist im Jahr 2008 völlig unüberlegt auf die Beine gestellt worden», sagt Jeannette Beer, Hundekurs-Leiterin aus Schwändi. Daher wundert sie sich nicht, dass es jetzt ähnlich ad hoc wieder abgeschafft wird. Doch ärgern tut es sie schon. Und das nicht nur, weil die Pöstlerin in den vergangenen Jahren für über 10 000 Franken Fort- und Weiterbildungen gemacht hat. «Ich befürchte, dass uns jetzt genau die Hundehalter durch die Lappen gehen, die dringend einen Kurs brauchen würden», sagt die 33-Jährige.

Eingeführt wurden die so genannten Sachkundenachweise (SKN) schweizweit im Jahr 2005, nachdem ein kleiner Junge im Kanton Zürich von einem Pitbull zu Tode gebissen worden war. Jetzt – rund acht Jahre später – hat das Parlament entschieden, die obligatorischen Hundekurse wieder abzuschaffen. Die Begründung: Jeder fünfte Hundehalter besuche den Kurs nicht. Auch sei nicht nachweisbar, dass die Kurse bei Haltern oder Hund etwas bewirken.
Jeannette Beer sieht das komplett anders. «Im Glarnerland wurde das Gesetz sehr streng umgesetzt. Auch das Kontrollsystem funktionierte einwandfrei.» Sie befürchtet, dass ohne Obligatorium nur noch die Hälfte der Hundehalter oder sogar noch weniger einen Kurs belegen. Immerhin koste dieser rund 300 Franken.

«Ätsch, bätsch – ist nicht mehr»

Auch der Glarner Nationalrat Martin Landolt sagt zum Entscheid: «Das war keine gute Sache vom Parlament. Wenig verbindlich und nicht verlässlich.» Zwar sei auch er nie ein grosser Verfechter des Hundekursobligatoriums gewesen, aber man habe es damals nun einmal eingeführt. Von den Kantonen wurde verlangt, ihre kantonale Gesetzgebung anzupassen, und daraufhin sei eine entsprechende Kursinfrastruktur aufgebaut worden. «Jetzt zu sagen ‘ätsch, bätsch – ist nicht mehr’, finde ich nicht in Ordnung.»
Statt alles wieder über Bord zu werfen, wäre es nach all der Aufbauarbeit besser gewesen, das Gesetz abzuändern. Die Hundekurs-Pflicht beispielsweise nur für jene Halter beizubehalten, die sich zum ersten Mal einen Hund anschaffen.

Wann und wie der Beschluss des Parlaments im Kanton Glarus umgesetzt wird, ist noch völlig offen. «Für uns kam er völlig überraschend», sagt Rolf Hanimann vom Amt für Lebensmittel-sicherheit und Tiergesundheit Graubünden und Glarus. «Wir müssen überlegen, was im Fall von Glarus Sinn macht.» Eigentlich habe man nämlich gute Erfahrungen mit den obligatorischen Kursen gemacht.
Zwar liesse es sich nicht in absoluten Zahlen festhalten, aber «wir hatten den Eindruck, dass die Kurse effektiv und in der Bevölkerung auch akzeptiert waren», so Hanimann. Er betont: «Seit der Einführung der Kurspflicht hatten wir deutlich weniger schwere Bissvorfälle mit Hunden.»(leo)

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