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Waschen im Sekundentakt: Ein beeindruckender Besuch in der Zentralwäscherei Chur

Bündner Woche
03.03.25 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
falten
Sorgfältig: Eine Mitarbeiterin faltet die frisch gewaschenen und gebügelten Textilien.
Cindy Ziegler

Von Susanne Turra

Laut trommeln die grossen Waschmaschinen. Die Luft ist warm und feucht. Dunkelblaue Pflegehosen, weisse Polo-Shirts, Kasacks und Ärztekittel, so weit das Auge reicht. Die Berufskleider bewegen sich der Taktwaschstrasse entlang, hoch über den Köpfen der Mitarbeitenden. Es wird gefaltet, gebügelt, eingepackt, bereitgestellt. Maschinell und im Sekundentakt. Es geht geschäftig zu und her, an jenem Dienstagmorgen in der Zentralwäscherei Chur. Die Grosswaschküche läuft auf Hochtouren. Täglich häuft sich hier frühmorgens die Schmutzwäsche aus Gesundheitswesen und Gastronomie. Was hier ankommt, will so rasch wie möglich gewaschen werden. Und das hygienisch rein. «Spitalwäsche muss besonders sauber sein», betont Geschäftsführer Claudio Hauser gleich zu Beginn. Das erklärt sich von selbst. Und daran hält sich auch die Zentralwäscherei. Seit elf Jahren wird hier nach dem Hygienezeugnis RAL-Gütezeichen 2 gewaschen. Dem europäisch gesehen höchsten Hygienezeugnis bezüglich Spitalwäsche. «Wir waschen konsequent nach unserer Bibelformel», verrät Claudio Hauser und lacht. Bibelformel? Das ist der Sinner'sche Kreis. Eine kurze Wäschekunde gefällig? Chemie, Zeit, Temperatur und Mechanik sind die vier Stellhebel beim Waschen. Der Sinner'sche Kreis beschreibt den Zusammenhang dieser vier Quadranten und besagt, dass die Summe immer konstant ist. Das kann temperaturoptimiert oder zeitoptimiert sein.

Alles im Griff: Claudio Hauser mit frischer Wäsche.

Mit 57 Grad gewaschen

Apropos Chemie. Wird denn hier nun gewaschen oder chemisch gereinigt? «Wir sind keine chemische Reinigung», stellt Claudio Hauser sogleich klar. Aber: «Wir waschen mit Chemie.» Allerdings im Niedertemperatur-Waschverfahren mit nur rund 57 Grad. Dabei braucht es eine abgestimmte und klar dosierte Chemie. «Wir können nicht mit Gallenseife 13 000 Kilo Wäsche von Hand auswaschen», sagt der Geschäftsführer und lacht.

Wie im Privathaushalt, nur grösser: Eine Waschmaschine der Zentralwäscherei.

13 Tonnen Wäsche im Tag

13 000 Kilo Wäsche? Da drängen sich doch gleich ein paar Zahlen auf. Rund 52 Prozent der Wäsche kommen aus dem Gesundheitswesen, 29 Prozent stammen aus der Gastronomie. Der Anteil an Kleinkundschaft liegt bei 19 Prozent. Letzterer wird in der Textilreinigung Texclean gewaschen. Doch dazu später. Zurzeit sind 70 Mitarbeitende in der Zentralwäscherei beschäftigt. Gewaschen werden unter anderem rund 6000 Kleidungsstücke täglich. Insgesamt sind es 13 Tonnen Textilien im Tag. Vier Tonnen davon allein für das Kantonsspital. Übrigens liegt der Trend klar auf Mietwäsche und Leasingwäsche. «Der Grossteil der Wäsche gehört uns», bestätigt Claudio Hauser.

Blaue Wäschesäcke: Im Gegensatz zu den gelben Säcken ist diese Wäsche nicht infektiös.

Infektiöse Wäsche in gelben Säcken

Zurück in die Wäscherei. Dort laufen die Maschinen immer noch heiss. In der Abteilung für Schmutzwäsche tragen die Mitarbeitenden dunkelblaue Bekleidung. In der Abteilung für Sauberwäsche tragen sie Weiss. Die beiden Abteilungen sind strikt durch eine Schleuse getrennt. Die Schmutzwäsche kommt jeweils in blauen Plastiksäcken durch ein grosses Tor angeliefert. Fast wie auf einem Flughafengate. Beinahe jedes Textil ist mit einem RFID-Chip versehen. Claudio Hauser zeigt auf einen Gitterwagen voller gelber Plastiksäcke. «Hier drinnen befindet sich infektiöse Wäsche», sagt er. «Beispielsweise, wenn in einem Altersheim das Norovirus ausgebrochen ist.» Gelb heisst also infektiös. Bei dieser Wäsche wird ein spezielles Verfahren angewendet. Sie wird chemisch-thermisch desinfiziert. So oder so. Mit der Wäsche kommen manchmal auch unerwartete Gegenstände mit. Medikation, Kugelschreiber, Skalpell, Spritzen, Scheren. Das alles hat schon den Weg in die Zentralwäscherei gefunden. Deshalb heisst es beim Sortieren erst einmal Handschuhe tragen. Zur Sicherheit. «Zu Hause sagt man den Kindern doch auch immer, Hosensäcke leeren, bevor das Teil in die Wäsche geht», sagt Claudio Hauser und schmunzelt. «Die grosse Masse kommt aber auch hier richtig an.» Zum Glück.

Dunkelblaue Pflegehosen: Das Gesundheitswesen ist eine der grössten Kundengruppen.

Von der Schmutzwäscheabteilung geht es in die Sauberwäscheabteilung. Der Duft nach frisch gewaschener Wäsche breitet sich aus. Es ist wärmer, trockener und lauter. Die Tumbler laufen auf Hochtouren. Die trockene Wäsche wird durch die Mangel genommen, also gebügelt und damit sprichwörtlich platt gemacht. Dann wird sie in dünne Plastikfolie gehüllt und auf die angeschriebenen Wagen verteilt. Fixleintücher werden maschinell zusammengelegt. In der Faltmaschine. Und im Sekundentakt. Sehr präzis. Und sehr hygienisch.

Frisch gewaschen: Weisse Polo-Shirts warten auf den nächsten Arbeitsschritt.

Kleiner und individueller

So zeigt sich auch die angegliederte Textilreinigung Texclean. Die Waschküche für die Privatkundschaft. Hier ist alles kleiner und weniger. Aber auch diverser und individueller. Und auch hier ist die chemische Reinigung nur am Rande ein Thema. «Ob ein Kleidungsstück gewaschen oder chemisch gereinigt werden soll, können unsere Fachleute am besten beurteilen», betont Claudio Hauser. Die chemische Reinigung kann eigentlich nur eine Fleckenart sehr gut entfernen: Fette, Kosmetik und Öle. Und sie wird angewendet bei Textilien, die nicht mit Wasser in Berührung kommen sollten. Teppiche, Vorhänge, Seidenblusen, Daunenjacken, Wollpullover, Abendkleider, Schuhe. Bei Texclean wird vieles gereinigt. «Wir waschen alles», schliesst Claudio Hauser. «Alles, ausser Geld.» Er lacht und verschwindet um die Ecke.

www.zwc.ch

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