Pro Jahr schiessen Bündner 3000 bis 6000 Murmeltiere
Eine ganze Seite widmete die «NZZ am Sonntag» dem «Mungg». Die Geschichte: In Zermatt richten Murmeltiere grosse Schäden an. Und darum wird ihre Population von Menschenhand dezimiert. Rund 600 Tiere werden pro Jahr im Wallis geschossen, heisst es im Artikel. Dagegen laufen Touristen Sturm. Interessant: In Graubünden werden in «schlechten» Jahren 3000 Murmeltiere geschossen. In «guten» Jahren 6000 Tiere – also zehn Mal mehr. Früher waren es auch mal doppelt so viele. Ein Problem gibt es damit aber nicht.
Doch der Reihe nach: Lämmer fallen auf der Weide in Bauten von Murmeltieren und verletzen sich. Auch Bauern straucheln und verunfallen dabei. Dagegen gehen Landwirte im Wallis vor. Zwei räucherten Murmeltierbauten aus und schütteten deren Zugänge zu. Ein Wildhüter klagte die beiden an. Daraufhin wurden sie schuldig gesprochen.
«Mungga» lieben Graubünden
Schweifen wir mit dem Blick nach Graubünden. Hier werden in «schlechten» Jahren 3000, in «mittleren» Jahren 4000 bis 5000 und in «guten» Jahren rund 6000 Murmeltiere geschossen, sagt Hannes Jenny vom Amt für Jagd und Fischerei Graubünden. In Kriegszeiten waren es sogar bis zu 12‘000 Murmeltiere. Fälle von Tierquälerei sind ihm keine bekannt.
«Bei uns hat die Murmeltierjagd eine grosse Tradition», so Jenny. Sie werden während der ganzen Hochjagd 21 Tage lang gejagt. Jeder Jäger darf acht Tiere erlegen, und mit einer Spezialbewilligung zusätzliche 20 Tiere. Solche Bewilligungen werden von Nordbünden bis ins Engadin lokal ausgestellt, wenn der Bestand hoch sei, so Jenny. Auch die Wildhut schiesst pro Jahr 500 Tiere. So werden in Graubünden pro Jahr 4500 Murmeltiere aus dem undefinierten Bestand geschossen.
Guter Lebensraum
In Graubünden gibt es 3000 Quadratkilometer alpine Rasenfläche, die den Lebensraum für die Murmeltiere bildet und dementsprechend auch viel mehr Fläche die an landwirtschaftlich genutzte Flächen grenzt.
Die Quintessenz der Geschichte: (Auch) Murmeltiere leben demnach lieber in Graubünden als im Wallis. Zwar ist es heute weniger ein Nahrungsmittel als früher und insbesondere in Kriegszeiten. Dennoch gibt es in Graubünden nach wie vor Leute die wissen, wie ein «Mungg» vorbereitet und gekocht werden muss, damit er geniessbar ist.