Mehr als nur herzige Fellnasen in Mastrils: Darauf muss man bei der Hundezucht achten
«Das hat uns mehr bedeutet, als selbst eine Familie zu gründen.» So beschreibt Gabriela Zuberbühler ihre Leidenschaft für die Hundezucht. Gemeinsam mit Roman Büchel züchtet sie in Mastrils zwei Rassen.
«Das hat uns mehr bedeutet, als selbst eine Familie zu gründen.» So beschreibt Gabriela Zuberbühler ihre Leidenschaft für die Hundezucht. Gemeinsam mit Roman Büchel züchtet sie in Mastrils zwei Rassen.
Von Maria-Catharina Lechmann
Vierbeiner. Fellnase. Wauwau. Der beste Freund des Menschen. Wer versteckt sich hinter all diesen Namen? Der Hund natürlich! Im Jahr 2025 lebten gemäss einer Statistik rund 515'000 Hunde als Haustier in der Schweiz – in Graubünden sind es aktuell 15'067. Insgesamt leben in elf Prozent der Schweizer Haushalte Hunde. Damit sind sie das zweitbeliebteste Haustier der Schweizerinnen und Schweizer, den ersten Platz belegen Katzen.
Auch Gabriela Zuberbühler und ihr Partner, Roman Büchel, sind mit Leib und Seele «Hündeler». Gemeinsam halten sie zwei Hündinnen, mit denen sie Welpen züchten: Paijra, einen Kleinen Münsterländer (KLM), und Woobie, einen Nova Scotia Duck Tolling Retriever (Toller). Die «Büwo» besucht die Familie in ihrem Zuhause in Mastrils, wo sich auch die Zuchtstätte befindet.
Traum der eigenen Hundezucht
«Für uns war immer schon klar, dass wir gerne Hunde züchten möchten. Das hat uns schon immer mehr bedeutet, als selbst eine Familie zu gründen», sagt Gabriela Zuberbühler und blickt unter den Tisch, wo sich Hündin Paijra befindet. Roman Büchel nickt zustimmend. So entschied sich das Paar auch bewusst für den Kauf von Paijra, mit dem Gedanken im Hinterkopf, sie für die Zucht einzusetzen – falls die Hündin gesundheitlich, physisch und psychisch dafür geeignet ist. Die Zuchtzulassung hätten sie schon länger gehabt, doch erst mit dem Umzug in ihr Haus in Mastrils fiel der Startschuss für die Welpenzucht.
Verantwortungsvoll züchten
Wer in der Schweiz einen Hund mit Stammbaum züchten will, muss beim zuständigen Rassenclub eine Zuchtzulassung erlangen – so war es der Fall bei Zuberbühler und Büchel. Diese Rassenclubs gehören zu Dachverbänden wie etwa der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG). Die SKG ist ein kynologischer Landesverband, welcher den Reglementen und Richtlinien der Fédération Cynologique Internationale (FCI) unterstellt ist. Ihre unterschiedlichen Rasseclubs haben ihrerseits rassespezifische Reglemente erarbeitet. Sie enthalten Anforderungen, welche im Tierschutzgesetz nicht klar gefordert werden, jedoch für das Wohlergehen der Welpen sehr wertvoll sind.
Für die Zulassung wird in erster Linie nicht der Mensch geprüft, sondern der Hund. «Der Hund muss gesundheitlich untersucht und vom Wesen her für die Zucht geeignet sein», erklärt Roman Büchel. Zudem beurteilen Zuchtwarte oder -wärtinnen die Haltung: Auslauf, Wurfbereich und die allgemeinen Aufzuchtbedingungen. «Bei den beiden Rassen, die wir züchten, sind diese Bedingungen ziemlich ähnlich», fügt Gabriela Zuberbühler an. Wer sich zusätzlich auszeichnen lassen will, kann freiwillige Weiterbildungen absolvieren oder ein Gütesiegel beantragen. Verpflichtend ist das jedoch nicht. Aber: «Für mich gehört es zu einer verantwortungsvollen Zucht dazu, sich stets weiterzubilden und dazulernen zu wollen», ergänzt sie. Es gäbe nebst etablierten Dachverbänden wie der SKG unzählige weitere Verbände, allerdings ohne denselben Kontroll- und Urkundencharakter und mit weniger Auflagen, die erfüllt werden müssen. «Dort werden Zuchtpausen oder Altersgrenzen oft nicht geregelt», sagt Roman Büchel. Im schlimmsten Fall könne bei jeder Läufigkeit gedeckt werden. Für das Paar ist klar: Die Hundezucht soll keine Massenproduktion sein. «Das oberste Gebot für uns ist, dass es unseren Hündinnen gut geht», betont Gabriela Zuberbühler. «Wäre uns aufgefallen, dass sie die Mutterrolle nicht ausleben können oder wollen, wäre eine weitere Zucht nicht infrage gekommen.» Beide Hündinnen haben bereits erfolgreich einen Wurf aufgezogen. Und es könnte bald wieder Welpen im Hause Zuberbühler/Büchel geben: Im Sommer ist ein Wurf mit Woobie geplant, Ende Jahr einer mit Paijra.
Die Auswahl der künftigen Besitzerinnen und Besitzer ist für das Paar mindestens so wichtig wie die Wahl des passenden Deckrüden. «Jeder kann in einer Bewerbung schreiben, dass er sportlich ist, einen Garten hat und schon immer einen Hund wollte», sagt Gabriela Zuberbühler. Entscheidend sei, was dahinterstecke. Deshalb bleibt es nicht bei einem kurzen Kennenlernen. Interessierte füllen einen Fragebogen aus, danach folgt ein telefonisches Gespräch. Wer in die engere Auswahl kommt, besucht ein Training und lernt die Hunde im Alltag kennen. «Wir sind komplett transparent», so Gabriela Zuberbühler. «Die Leute sehen, wie wir arbeiten, wie die Hunde leben – und wir sehen, wie sie darauf reagieren.» Neben den äusseren Rahmenbedingungen zählt vor allem das Bauchgefühl. Haben sich die Interessierten mit der Rasse auseinandergesetzt? Das sei auch ein Grund, weshalb die Welpen von KLM-Hündin Paijra nur an Interessenten abgegeben werden, welche die Hunde jagdlich fördern. «Es muss jemand sein, der Freude daran hat, sich mit dem Hund zu entwickeln und mit dem Tier zu arbeiten – nicht einfach nur einen hübschen Begleiter sucht. Insbesondere bei den beiden Rassen, die wir züchten», sagt Roman Büchel. Was er mit arbeiten meint, wird sogleich erklärt.
Artgerechtes Arbeiten
Szenenwechsel. Wir befinden uns auf einer weitläufigen Wiese in Fläsch. Die Sonne scheint wärmend. Ein frischer Wind weht durch das Fell der Hündinnen. Gabriela Zuberbühler hat bereits verschiedene Dummys (unter anderem gefüllte Jutesäcke mit unterschiedlichem Gewicht) versteckt, welche die beiden Hundedamen später aufspüren sollen. Dummyarbeit diente ursprünglich dazu, Jagdhunden korrektes Apportieren beizubringen, ohne dabei direkt an Wild üben zu müssen – deswegen werden vor allem jagdähnliche Aufgaben gestellt. Sowohl KLMs als auch Toller sind aktive Hunde, die Arbeitswille zeigen. Daher ist es dem Züchterpaar ein Anliegen, dass die Welpen von ihren zukünftigen Besitzerinnen und Besitzern entsprechend gefördert werden. «Ich vergleiche das gerne so: Ich habe immer wieder unterschiedliche Berufe ausprobiert, bis ich als Pflegefachfrau meine Berufung gefunden habe; das, wofür ich brenne. Und so ist es auch mit den Hunden. Je nach Rasse brennen die Tiere für unterschiedliche Dinge und es soll dementsprechend mit ihnen gearbeitet werden», erzählt sie und blickt ihren beiden Hündinnen nach, die gerade auf der Wiese spielen. Es sei wichtig, die Hunde früh zu prägen. Dabei befolgt das Züchterpaar den sogenannten «Puppy Culture»-Leitfaden, ein wissenschaftlich fundiertes Aufzuchtprogramm für Welpen. Das Programm zielt darauf ab, durch gezielte Frühstimulation, strukturierte Sozialisierung und Vertrauensaufbau zum Menschen wesensfeste, neugierige und sozial kompetente Hunde zu züchten.
Zurück zum Dummytraining: Woobie ist an der Reihe und darf einen Dummy aufsuchen. Gabriela Zuberbühler ruft die Hündin an ihre Seite und weist sie mit einer Handbewegung in Suchrichtung. «Voran!», ruft sie und Woobie, die Toller-Hündin, pirscht los. Nach wenigen Minuten kommt sie mit einem triumphierenden Schwanzwedeln und dem Dummy fest im Maul zurück und wird von Gabriela Zuberbühler fleissig gelobt. Belohnt wird die Hündin mit einem Spielzeugball. Freudig springt sie damit über die Wiese, der Sonne entgegen.
Hundekauf aus der Hundezucht – worauf soll man achten?
Der Kauf eines Hundes sollte gut überlegt erfolgen. Worauf man als potenzieller Hundehalter oder -halterin achten soll, beantwortet Bettina Roffler. Sie ist Leiterin der Fachstelle Tierschutz Heim- und Wildtiere vom kantonalen Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit.
Welche gesetzlichen Anforderungen müssen Züchterinnen und Züchter in der Schweiz erfüllen?
Bettina Roffler: Sie müssen die Tierschutzvorschriften einhalten, was die Haltung und Betreuung der Tiere anbelangt. Ebenfalls müssen die Welpen bei Abgabe gechippt und auf der Datenbank «Amicus» (nationale Datenbank zur Registrierung von Hunden in der Schweiz, Anm. d. Red.) gemeldet sein.
Worauf sollte man bei der Auswahl eines verantwortungsvollen Züchters achten?
Eine Züchterin, die mehr als drei Würfe pro Jahr hat, muss eine Bewilligung des kantonalen Veterinäramtes vorweisen können. Diese erhält man unter anderem nur dann, wenn man eine entsprechende Ausbildung nachweisen kann. Handelt es sich um Rassehunde mit Stammbaum, ist der Züchter bei der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG) aufgeführt und kann einen Stammbaum der beiden Elterntiere nachweisen. Züchter, welche nicht einem Rasseklub angehören, unterliegen keinen speziellen Aufzuchtvorschriften. Hier muss sich der Welpeninteressent selber informieren. Es gibt durchaus «freie» Züchterinnen, welche die Reglemente betreffend der Aufzucht von Welpen des SKG übernehmen.
Welche Merkmale weisen auf gute Zuchtbedingungen hin?
Eine saubere und ordentliche Zuchtstätte sowie gesunde Tiere. Die Aufzuchtbedingungen entsprechen den Vorgaben, welche bei den entsprechenden Rasseklubs gefordert werden. Interessierte sollten zudem die Möglichkeit erhalten, die Aufzucht der Welpen in der Zuchtstätte zu begleiten und ihren zukünftigen Hund kennenzulernen.
Welche Pflichten haben Käuferinnen und Käufer nach dem Erwerb eines Welpen, um dessen Wohl sicherzustellen?
Zunächst muss der Hund bei der Gemeinde und auf der Datenbank «Amicus» angemeldet werden. Ebenfalls müssen die Tierschutzvorschriften gemäss Haltung und Betreuung der individuellen Bedürfnisse des Hundes eingehalten werden. Dies beinhaltet unter anderem eine alters- und rassengerechte Ernährung und Sicherstellen der medizinischen Betreuung. Die Haltung und Gewöhnung von Welpen ist sehr zeitintensiv. Zudem ist es immer empfehlenswert eine Hundeausbildung zu besuchen. So kann das Bedürfnis des Hundes betreffend Sozialkontakt mit anderen Hunden sicherstellen und lernt zudem mehr über die Bedürfnisse seines Hundes.
Weitere Informationen unter www.hundekauf.ch.
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