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Samstagabendshows lockten die ganze Familie ins Wohnzimmer

Es war einmal … eine Zeit, da sass die Familie am Samstagabend pünktlich um 20.15 Uhr vor dem Fernseher. Das schafften die kultigen Unterhaltungsshows von Moderatoren wie Kurt Felix oder Rudi Carrell.

Karin
Hobi
22.01.24 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Ein Fernseher pro Wohnung: Das war in vielen Familien damals üblich. 
Ein Fernseher pro Wohnung: Das war in vielen Familien damals üblich. 
Bild Freepik

Damals, als es in den meisten Haushalten nur ein Fernsehgerät gab und Streamingdienste wie Netflix noch nicht existierten, musste man pünktlich vor dem Bildschirm sitzen, um den Start einer Sendung nicht zu verpassen. Das Unterhaltungsprogramm von Samstagabend war für viele Menschen ein Muss und galt es nicht zu verpassen. Die Programmverantwortlichen gingen sogar davon aus, dass sich die gesamte Familie am Samstag um 20.15 Uhr vor den Fernseher begab. Die meist live gesendeten Shows richteten sich denn auch an alle Alterszielgruppen. Mehrere Fernseher pro Haushalt und diverse Unterhaltungsmedien haben dieses Fernsehformat in den vergangenen Jahren zu einem grossen Teil verschwinden lassen.

Wisst ihr noch, welche Shows früher am Samstagabend am Fernseher liefen? Wir machen mit euch eine kleine Zeitreise (Quelle Wikipedia):

1954 – 1955: « 1:0 für Sie»

Die Spielshow «1:0 für Sie» von Peter Frankenfeld war die Urmutter der Samstagabendshows und wurde alle zwei Wochen live ausgestrahlt. Die Show startete jeweils um 20 Uhr mit der Musik eines Orchesters. Danach ging der Moderator auf die Zuschauerpost ein, es folgten Zuschauerspiele und ein 20-Fragen-Quiz. Zwischen den einzelnen Spielblöcken traten Unterhaltungskünstler auf. Die Eintrittskosten betrugen zwei bis sechs Deutsche Mark, und die Plätze waren jeweils kurz nach Verkaufsstart ausverkauft. Am 28. August 1955 wurde die letzte Ausgabe der Sendung in Düsseldorf aufgenommen. Der damalige Fernsehintendant hielt sich nämlich an die Regel, eine Sendereihe auf ihrem Höhepunkt abzubrechen.

1965 – 1973: «Rudi Carrell Show»

Rudi Carrell versuchte bereits einige Jahre zuvor in der Fernsehwelt Fuss zu fassen. Er wurde jedoch erst im Jahr 1960 mit seiner Teilnahme am Eurovision Contest – trotz des vorletzten Platzes – bekannt. Die «Rudi Carrell Show» war die erste Fernsehshow-Reihe des Moderators und wurde ab 1961 im niederländischen Fernsehen ausgestrahlt. Darauf folgten ab 1965 einmal monatlich deutsche Ausgaben. Ab der dritten Ausgabe wurde live aus einem Studio von Radio Bremen gesendet. Jede Sendungsausgabe stellte mit der gesamten Dekoration ein Thema dar, wie beispielsweise ein Marktplatz. Orte also, mit denen die Zuschauerinnen und Zuschauer vertraut waren. 1973 wurde die Show mit der Weihnachtsausgabe beendet und von der neuen Sendung «Am laufenden Band» abgelöst.

1969 – 1996: «Peter Alexander-Show»

Am 9. März 1969 strahlte das ZDF erstmals die Sendung aus, die mit einer Einschaltquote von 71 Prozent zu einem Erfolg wurde. Ab diesem Zeitpunkt produzierte der Sender jedes Jahr eine solche Show. Die Sendereihe wurde zu einer beliebten Familiensendung, in denen Peter Alexander als Moderator, Entertainer, Parodist und Sänger generationenübergreifende Unterhaltung bot. Mit bis zu 38 Millionen Fernsehzuschauern allein in Deutschland wurden Einschaltquoten erzielt, die sonst nur bei Fussballweltmeisterschaften erreicht wurden. Bei den Shows handelte es sich um eine spezielle Form der Fernsehunterhaltung mit viel Musik, vielen Sketchen und Künstlern. Zu seinen Gästen zählten langjährige Weggefährten des Moderators sowie Weltstars. Der Titel der Show variierte im Lauf der Jahre. Die Reihe fand ihren Abschluss im Juni 1996 mit dem Special «Was sind schon 70 Jahre?» anlässlich Alexanders 70. Geburtstag.

1971 – 1986: «Dalli Dalli»

«Dalli Dalli» war eine deutsche Spielshow, die monatlich ausgestrahlt und von Heinz Rosenthal moderiert wurde. Die Show beinhaltete Spiele sowie musikalische Darbietungen. Acht prominente Kandidatinnen und Kandidaten traten in Zweiergruppen gegeneinander an und kämpften mit Wort- und Aktionsspielen um den Sieg. Der Moderator startete jedes Spiel mit den Worten «Dalli Dalli». Die Gewinnsumme wurde zum Schluss einer in Not geratenen Familie gespendet. Im Laufe der Jahre wurden somit Familien mit umgerechnet rund 1,4 Millionen Euro unterstützt, und nach dem Tod des Moderators im Jahr 1987 wurde die Hilfsaktion von der Hans-Rosenthal-Stiftung fortgesetzt.

1974 – 1977: «Teleboy»

Die erste Folge dieser Unterhaltungsshow im Schweizer Fernsehen lief am 23. Februar 1974 über den Äther und wurde von Kurt Felix präsentiert, der das Konzept entwickelt hatte. «Teleboy» war die erfolgreichste Sendung ihrer Art in der Geschichte des Schweizer Fernsehens und erreichte am 13. September 1975 mit 2,073 Millionen Zuschauern die höchste je gemessene Zuschauerzahl in der Schweiz. Beim Spiel traten zwei Ehepaare gegeneinander an und versuchten, Alltagsfragen zu meistern. Dazwischen kamen eingestreute Filme mit einer versteckten Kamera hinzu. In den Showblocks traten vor allem Schweizer Interpreten auf. Dazu kamen Kabaretteinlagen und Sketches mit den immer gleichen Figuren: Tante Elise (Stephanie Glaser), Traugottli, Onkel Fritz (Fredy Lienhard), der «Göre» Ursula (Ursula Schäppi) und «Kliby und Caroline». Als Begleitorchester spielte die Big Band des Schweizer Radios. Die Sendung beinhaltete auch eine Zuschauerfrage, und bei der Bekanntgabe des Einsendeschlusses klebte Kurt Felix jeweils ein grosses Kalenderblatt an eine Wand. Dieses fiel in jeder Sendung – noch während Felix vor der Wand stand – herunter. Zahlreiche Schreiben von Zuschauern mit Vorschlägen zur Verbesserung gingen beim Schweizer Fernsehen ein. Erst später gestand Felix, dass es sich dabei um einen «Running Gag» gehandelt hatte.

1974 – 1979: «Am laufenden Band»

Die nächste Unterhaltungsshow von Rudi Carrell war wiederum ein voller Erfolg. «Am laufenden Band» wurde einmal monatlich mit Sommerpause ausgestrahlt und wurde jeweils mit einem Lied, gesungen von Rudi Carrell selbst, eröffnet. Danach begann das Spiel mit vier Paaren. Die Paare mussten miteinander verwandt und aus unterschiedlichen Generationen sein. Mit Rate- und Erkennungsspielen wurde das Siegerpaar erkürt, welches sich innerhalb von 30 Sekunden Gegenstände auf einem Förderband merken und danach nennen musste. Da die Sendung mit Beteiligung von SRG und ORF stattfand, unterstützte der Schweizer Moderator Kurt Felix die Kandidatensuche in der Schweiz. 1974 wurde Carrell der Preis «Goldener Bildschirm» verliehen und ein Jahr später bekam er die «Goldene Kamera», den Preis einer Fachjury der Zeitschrift «Hörzu». Deren Leser stimmten zudem noch mit einer halben Million eingesandter Postkarten über einen Publikumspreis ab, den Carrell ebenfalls erhielt.

1980 – 1990: «Verstehen Sie Spass»? moderiert von Kurt und Paola Felix 

Kurt Felix entwickelte und moderierte die Samstagabendshow, seine Ehefrau Paola kam später als Co-Moderatorin hinzu. Das wesentliche Element der Sendung waren Kurzfilme mit der versteckten Kamera. Dabei wurden Menschen, auch prominente Personen, durch Lockvögel in unerwartete Situationen gebracht. Publikum und Fernsehzuschauer sollen sich an der daraus entstehenden Situationskomik erfreuen. Zum Konzept der Samstagabendshow gehören neben den Filmen mit der versteckten Kamera auch die Gespräche mit einigen «Opfern», insbesondere mit Prominenten. Und für Belustigung sorgte damals Karl Dall, indem er als chaotischer Assistent die Filme abspielte und in Telefonstreiche involviert war. In dieser Zeit hatte die SDR-Sendung ein Zeichentrick-Maskottchen, den «Spassvogel», der während jeder Sendung einem «Opfer» verliehen wurde. Die musikalische Gestaltung lag damals in Händen von Dieter Reith, der die geladenen Künstler live mit seiner Big-Band vor meist recht aufwendig gestalteten Bühnenbildern begleitete.

Ab 1992 wurden mehrere bekannte Moderatoren eingesetzt, von denen jedoch keiner an die Erfolge von Kurt Felix und seinem Team anknüpfen konnte. Heute wird die Sendung von Barbara Schöneberger moderiert.

1981 – 1987: «Wetten, dass..?» mit Frank Elstner

Am 14. Februar 1981 wurde die Unterhaltungsshow zum ersten Mal ausgestrahlt. Bereits die erste Sendung überzog Moderator Frank Elstner um 43 Minuten, was im Laufe der Zeit zu einem Charakteristikum der Sendung wurde. In Elstners Zeit fallen die Sendungen mit den höchsten Quoten. Während sechs Jahren moderierte er insgesamt 39 Ausgaben der Unterhaltungsshow, bis er am 4. April 1987 von Thomas Gottschalk abgelöst wurde. Das Konzept der Sendung umfasst prominente Gäste und mehrere Wettanbieter. Ein Wettanbieter wettet, dass er etwas Besonderes kann, ein Gast, der ihm als Wettpate zugewiesen wird, tippt das Wettergebnis. Für den Fall, dass der Wettpate daneben liegt, bietet er vorab einen Einsatz an, oder dieser wird vom Moderator auferlegt. Charakteristisch ist der Ausruf «Top, die Wette gilt!» des Moderators nach Verlesen der Wette und als Startsignal für deren Ausführung. Die Sendung lief nach der Erstausstrahlung knapp 34 Jahre lang und wurde zunächst 2014 eingestellt. Im November 2021 kehrte die Show mit dem langjährigen Moderator Thomas Gottschalk zurück, der sie jährlich einmal moderieren sollte. Mit der Ausgabe im November 2023 verabschiedete sich dieser erneut von der Sendung, über deren Zukunft noch entschieden werden soll.

1986 – 1989: «Vier gegen Willi»

«Vier gegen Willi» war eine deutsch-österreichische Fernsehshow und wurde von Mike Krüger moderiert. In der Sendung spielten zwei Familien gegeneinander um einen Geldgewinn. Titelgebend für die Sendung war der Goldhamster Willi, der als Maskottchen der Sendung diente. Es handelte sich dabei sowohl um ein lebendes Tier als auch um eine Zeichentrickfigur. Am Ende der Sendung wurde Willi in ein Labyrinth mit drei Ausgängen gesetzt. Je nachdem durch welchen Ausgang er ging, bekam die Gewinnerfamilie das erspielte Geld in Deutscher Mark, Österreichischem Schilling oder einer geringwertigen, anderen europäischen Währung ausbezahlt. Einige Elemente der Show waren für die damalige Zeit gewagt. So wurde in einer Sendung das Auto eines jungen Kandidaten ohne dessen Wissen verschrottet, in einer anderen wurde die Punkrockband «Die Toten Hosen» zur Sendezeit in die Wohnung einer Kandidatenfamilie gelassen, um dort eine wilde Party zu feiern. Einem Postbeamten wurde ein Irokesen-Schopf frisiert und eine Frau musste über die geölten Körper einer Eishockey-Mannschaft kriechen. Die entsprechenden Kandidaten erhielten in der Sendung zwar eine Entschädigung, dennoch wurde die Sendung während ihrer gesamten Laufzeit häufig als zu anarchisch und zu wenig familientauglich kritisiert. Dies war einer der wesentlichen Gründe dafür, dass sie trotz anhaltend hoher Einschaltquoten nach nur drei Jahren – 13 Ausgaben – abgesetzt wurde.

1988 – 1992: «Die Rudi Carrell Show – Lass Dich überraschen»

Das war die letzte Samstagabend-Unterhaltungsshow von Carrell. Sie wurde monatlich ausgestrahlt und war eine Kombination von Talent- und Überraschungsshow. In jeder Sendung kamen fünf Imitatoren vor. Sie wurden zuerst in ihrem Berufsumfeld gezeigt, indem man eine passende Kulisse nachbaute. Nach einem kurzen Gespräch gab Carrell ihnen ihr Bühnenoutfit, das an einem fahrbaren Kleiderständer bereit hing. Mit dem Kleiderbügel in der Hand sah man dann den Imitator von hinten durch den Gang zur Bühne gehen. Dazu gehörte der Ausspruch von Carrell: «Eben noch in der Apotheke, jetzt auf der Show-Bühne!» In der nächsten Einstellung sah man ihn im Bühnengewand gekleidet von vorne die Bühne betreten. Das Publikum entschied am Ende darüber, welcher der fünf Imitatoren das «Goldene Mikrofon», den Preis der Show, bekam. Die Überraschungen, die während der Show erfüllt wurden, konnten sehr unterschiedlich sein. So fand eine Frau beispielsweise einen bestimmten Titel von Peter Alexander nicht mehr und kannte davon nur eine Zeile. Also lud man den Künstler selbst in die Show ein, der die betreffende Schallplatte persönlich überreichte. Ein besonderer Höhepunkt war immer die Zusammenführung von Menschen, die sich schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatten. Die Show wurde mit bis zu 17 Millionen Zuschauern ein grosser Erfolg. Sie endete vorzeitig, da Carrell als Produzent zu RTL ging und auch dort an einer Sendung arbeitete. In der ARD galt zu der Zeit die Regel, dass man nicht gleichzeitig bei einem öffentlich-rechtlichen und einem privaten Fernsehsender auftreten durfte.

1992 – 2012: «Benissimo»

Der Name «Benissimo» ist ein Wortspiel, das sich auf den Vornamen des Moderators Bernard «Beni» Thurnheer und den Superlativ «bene» aus dem Italienischen (übersetzt «gut») bezieht. Die Sendung war von Anfang an sehr erfolgreich und lockte in etwa eine Million Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Fernseher. In jeder Sendung gab es eine Million Franken zu gewinnen. Acht Lose wurden jeweils gezogen, und deren Besitzerinnen und Besitzer wurden vom Moderator angerufen, um sich für eine der vorliegenden bunten Kugeln zu entscheiden. Sofortpreise wie Reisen und Autos gingen an die Gewinner. Wer sich dagegen entschied, spielte um die Million. Zwischen den Telefonaten wurden die Zuschauerinnen und Zuschauer mit Musik, Comedy und Varieté unterhalten. Am 1. Dezember 2012 erfolgte die 103. und letzte Ausstrahlung.

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