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Ein letzter Check: Bündner Maurerlernende üben unter realen Prüfungsbedingungen

Bei vielen Lernenden rücken die Abschlussprüfungen näher. Dieser Einblick bei Maurerlernenden zeigt, ob sie parat fürs die Lehrabschlussprüfung sind.

Bündner Woche
06.04.26 - 11:00 Uhr
Leben & Freizeit
Mauer gemauert: Neun angehende Maurer posieren mit ihrem Kursleiter fürs Gruppenfoto.
Mauer gemauert: Neun angehende Maurer posieren mit ihrem Kursleiter fürs Gruppenfoto.
Bild: Andri Dürst

von Andri Dürst

Stein auf Stein geht es in die Höhe. Dies gilt nicht nur für die Mauer, die vor uns aufgebaut wurde, sondern auch für die Lehrzeit vieler junger Menschen: Über mehrere Jahre hinweg haben sie sich Stück für Stück Wissen angeeignet, mit dem sie bald an ihre Abschlussprüfung antreten werden. Lernende mit dem Ziel Eidgenössisches Berufsattest (EBA) haben eine zweijährige berufliche Grundbildung hinter sich; jene, die ein Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) in den Händen halten wollen, eine drei- oder vierjährige. Die Termine für ihr QV – die Abkürzung steht für Qualifikationsverfahren – haben sich sicherlich schon alle eingetragen. Je nach Berufsgruppe sind praktische Arbeiten bereits am Laufen, bei einigen stehen auch schon bald schriftliche Prüfungen an.

Mehr als nur eine Mauer

Die angehenden Bündner Maurer haben dafür noch etwas Zeit. Die Tests zu den praktischen Arbeiten, den Berufskenntnissen und zum Fachzeichnen finden zwischen dem 18. und dem 23. Mai in Sursee (LU) statt. Der März war darum nochmals ein guter Zeitpunkt, um zu schauen, ob die jungen Männer fit für ihre Abschlussarbeiten sind. Schon seit vielen Jahren organisiert der Graubündnerische Baumeisterverband (GBV) jährlich einen Vorbereitungskurs, bei dem die Prüflinge unter realistischen Prüfungsbedingungen eine vorgegebene Aufgabe üben konnten. Dieses Jahr steuern 32 Kandidaten – 4 Maurer EBA und 28 Maurer EFZ – auf das QV zu. Fast alle von ihnen waren während dreier Tage am Vorkurs auf dem Areal der Ziegelei Landquart AG. 

GBV-Geschäftsführer Andreas Felix und Kursinstruktor Fabrizio Grillo engagieren sich für einen starken Nachwuchs in der Baubranche.
GBV-Geschäftsführer Andreas Felix und Kursinstruktor Fabrizio Grillo engagieren sich für einen starken Nachwuchs in der Baubranche.
Bild: Andri Dürst

Dort steht nun auch der «Büwo»-Schreibende und bestaunt die verschiedenen Mauern, die die Lernenden jeweils alleine aufgebaut haben. Rechts haben sich fünf EFZ-Lernende ausgebreitet, links vier EBA-Absolventen. Während bei Letzteren die Arbeit am Rohmauerwerk im Vordergrund stand, hatten die Ersteren zusätzliche Aufgaben zu erledigen, etwa mit einem Verputz und Bodenarbeiten. Angeleitet wurden die Lernenden von Kursinstruktor Fabrizio Grillo. Er sieht den Vorkurs als grosse Chance für die jungen Männer. «Nun sehen wir, wo noch Defizite bestehen, und können diese Bereiche genauer anschauen», erklärt er. Während des Kurses sei er eher Beobachter statt Helfer; denn eigentlich sollte es hier ähnlich wie an einer Prüfung zu- und hergehen. 

Obschon die «richtigen» Tests bald anstehen und die Lernenden ihre Prüfungsaufgabe bereits erhalten haben, hält sich die Nervosität aber noch in Grenzen. Johnny und Tino, die sich gerade über grosse Planpapiere beugen, sind auf jeden Fall noch sehr gelassen. Bei Johnny liegt es vielleicht auch daran, dass es nicht sein erstes QV wird. «Ich habe bereits eine Lehre als Schreiner absolviert und arbeitete inklusive Lehre acht Jahre auf dem Beruf. Nun wollte ich etwas anderes machen und kam eher durch Zufall zum Maurerberuf.» Die Arbeit gefalle ihm sehr, erklärt er. Dies bestätigt auch Tino.

Mauren ist auch Feinarbeit: Der Kursleiter achtet unter anderem darauf, wie schön die Fugen zwischen den Ziegeln gemacht wurden.
Mauren ist auch Feinarbeit: Der Kursleiter achtet unter anderem darauf, wie schön die Fugen zwischen den Ziegeln gemacht wurden.
Bild: Andri Dürst

Bei Andreas Felix ist die Lehrabschlussprüfung bereits etwas länger her. Der GBV-Geschäftsführer erinnert sich aber noch gut daran. Von 1980 bis 1984 absolvierte er eine Lehre als Hochbauzeichner. Ob er vor der Lehrabschlussprüfung auch nervös war? «Nervös nicht, aber angespannt», gibt er zur Antwort. Und das gehöre wohl auch zu einer Prüfung dazu, meint er – nur so könne man die bestmögliche Leistung abrufen. Apropos Leistung abrufen: Zusammen mit Fabrizio Grillo schaut sich Andreas Felix die Übungs-Mauern an und zeigt sich zufrieden. Dass es auch in Zukunft genügend Baufachleute gibt, ist den beiden ein grosses Anliegen. Und um die Zukunft müsse man sich in dieser Branche kaum Sorgen machen, meint der GBV-Geschäftsführer: «Die Leistungen von Baufachleuten können nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden.» Und auch an Arbeit werde es wohl nicht mangeln. Denn einerseits sei durch die energiepolitischen Ziele vorgesehen, die jetzige Infrastruktur à jour zu halten und punktuell auszubauen. Andererseits gelte es auch, zum Schutz vor Naturereignissen neue Bauwerke zu erstellen. «Und dafür brauchen wir im ganzen Kanton kompetente Fachkräfte», unterstreicht Andreas Felix.

Die neun anwesenden Prüflinge sind hoffentlich alle solche Fachkräfte. Noch können sie etwas an ihren Fähigkeiten feilen. Doch bald gilt es ernst.

93 von 100 schaffen das QV

Lehre oder Gymnasium? Was den Kanton Graubünden anbelangt, so sei die Zahl derjenigen, die sich für eine Lehre entscheiden, mit 80 Prozent seit einigen Jahren konstant, erklärte Gewerbeverbandsdirektor Maurus Blumenthal letztes Jahr in der «Büwo». Zum Abschluss der Lehre steht bekanntlich das QV an. Dieses Jahr absolvieren rund 1700 Kandidatinnen und Kandidaten mit einem Lehrvertrag bei einem Bündner Lehrbetrieb das QV, wie es auf Anfrage vom Amt für Berufsbildung heisst. Dies seien rund 15 mehr als im Vorjahr. Geprüft werden diese Menschen in 131 verschiedenen beruflichen Grundbildungen (EFZ und EBA).

Das Amt für Berufsbildung führt zudem eine Liste mit den 21 meistgewählten beruflichen Grundbildungen. Spitzenreiterin ist die kaufmännische Lehre EFZ, zu der 2025 224 Lernende gestartet sind. Platz 2 geht an Fachmann/-frau Gesundheit EFZ mit 125 Lernenden, gefolgt von Detailhandelsfachmann/-frau EFZ mit 101 Personen. Zurück zum QV: Fast alle bestehen den Abschluss. Die Erfolgsquote der Absolvierenden von Bündner Lehrbetrieben betrage im Fünfjahresdurchschnitt 93,12 Prozent, wie das Amt für Berufsbildung schreibt.

Ziel: Titel verteidigen

Vom 22. bis 27. September findet die 48. Ausgabe der World Skills in Schanghai statt, wo sich die besten jungen Berufstalente aus der ganzen Welt messen. Rund 1400 Wettkämpferinnen und Wettkämpfer aus über 60 Ländern und Regionen werden in Schanghai aufeinandertreffen, um in 64 verschiedenen Skills die Besten der Besten zu küren. Die Schweiz wird mit 42 Wettkämpferinnen und Wettkämpfern in 38 Skills antreten. Auch aus Graubünden sind zwei Talente dabei: die angehenden Automatiker EFZ Gianin Schneller aus Tamins und Massimiliano Pellegrini aus Paspels. Bis zum internationalen Wettbewerb im September absolvieren die jungen Profis ein intensives Trainingsprogramm. In den kommenden Monaten investieren sie mit Unterstützung ihrer Expertinnen und Experten, der Berufsverbände, der Arbeitgebenden und der Teamleader rund 1000 Stunden in ihre Vorbereitung. Neben fachlicher Perfektion stehen mentale Stärke, Teamgeist und Durchhaltevermögen im Fokus. Mehrere gemeinsame Weekends stärken zudem den Zusammenhalt im Team. Das Ziel ist klar: Die Schweiz soll auch in Schanghai zu den erfolgreichsten Nationen gehören und zugleich den Titel als bestes europäisches Land verteidigen.

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