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Was sollen all die weissen Blätter?

Vergangene Woche hatte die «Kwacakworo Association» zu einer Begegnung mit Conradin Perner in den Kulturplatz geladen. Denn seit seiner Gründung stellt der Verein ein grosses öffentliches Interesse an der Arbeit des vielseitigen Welt­bürgers Perner fest.

Südostschweiz
12.12.24 - 18:00 Uhr
Kultur
Conradin Perner im Gespräch mit Jürg Kesselring Print-14
Conradin Perner (l.) im Gespräch mit Jürg Kesselring.

Die Einschätzung war richtig gewesen, beim Interview mit «Kwacakworo»- Vorstandsmitglied Jürg Kesselring waren die Ränge voll. Perner, der vom südsudanesischen Volk der Anuyak den Namen Kwacakworo erhalten hatte, erzählte authentisch, unterhaltsam und mit vielen Anekdoten gespickt von den drei Jahren, die er in einer der abgelegensten Gegenden des Südsudans verbracht hatte. Er erinnerte sich, wie er für die beschwerliche, tagelange Reise durch Busch und Sumpf extra teure Rucksäcke für die Träger gekauft habe. «Sie zogen es allerdings vor, das ganze Gepäck, zwar in den Ruck­säcken, aber auf dem Kopf balancierend, zu transportieren.» Es sei mehrheitlich Zufall gewesen, dass er im Sudan gelandet sei, erzählte der 80-jährige Ethnograf, der als IKRK-Delegierter und UN-Friedenskommissär immer wieder im Sudan wirkte, auf Frage von Kesselring. Zur Sprache kam ausserdem, warum sich Perner ausgerechnet die Anuyak ausgesucht hatte, um mehr über sie zu erfahren, und ins Dorf ihres Königs gereist sei, um dort mit den Menschen zu leben. Perner erzählte von den dabei entstandenen persönlichen Beziehungen, speziell zum König.

Als Wissenschaftler war ihm vor allem auch das Verstehen, Festhalten und Dokumentieren der Gebräuche der Menschen dort gelegen. Entsprechend umfangreich war sein Reisegepäck, das auch eine Schreibmaschine sowie genügend unbeschriebenes Papier enthielt. «Eines Tages guckte einer der Träger in den Rucksack und entdeckte die weissen Blätter», erzählte Perner mit einem leisen Lächeln von dessen Versuch, den vermeintlich Ballast loszuwerden.

Aus den weissen Blättern wurden jedoch mehrere Bücher, aus denen Perner an diesem Abend Ausschnitte vorlas. Einerseits über den beschwerlichen Weg in das Dorf der Anuyak, und dann über die erste Begegnung mit dem König. Mitgebracht von seiner Reise hatte er auch Bilder. Bilder, die an diesem Abend ausgestellt waren und auch erworben werden konnten.

Das Interview wurde aufgenommen und ist verfügbar auf https://kwacakworo.com

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