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Nemo lässt sich nach stürmischen Wochen daheim in Biel feiern

Fünf Wochen nach dem Gewinn des Eurovision Song Contest hat sich Nemo am Montagabend in Biel feiern lassen. Nemos Heimatstadt hatte das Fest auf dem prall gefüllten Burgplatz organisiert.

Agentur
sda
17.06.24 - 21:25 Uhr
Kultur
Grosser Andrang in Biel: Nemo (im rosa Kostüm, rechte Mitte) lässt sich in seiner Heimatstadt feiern.
Grosser Andrang in Biel: Nemo (im rosa Kostüm, rechte Mitte) lässt sich in seiner Heimatstadt feiern.
KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Mit frenetischem Applaus empfing die Menge Nemo kurz nach 19 Uhr. «Jeden Morgen ging ich an diesem Platz vorbei zur Schule», sagte Nemo sichtlich bewegt. «Und jetzt seid Ihr alle wegen mir da. Es könnte auch einfach ein sehr absurder Traum sein.» Hier zu stehen sei eine grosse Ehre. «Je t'aime, Bienne.»

Nemo hatte einst die Musikschule Biel besucht. Diese hatte für die Feier unter anderem ein Medley vorbereitet. Während sich Nemo unters Publikum mischte, sangen Kinder Zeilen aus dem Song «The Code», mit dem Nemo am 11. Mai den grössten internationalen Musikwettbewerb gewonnen hatte. Es war der erst dritte Schweizer Sieg am ESC.

Stadtpräsident Erich Fehr (SP) bezeichnete Nemo als «typisches Bieler Kind». Das Riesentalent sei schon vor vielen Jahren spürbar gewesen. Doch die Erwartungen seien noch übertroffen worden. Einen solchen Aufmarsch auf dem Burgplatz habe er noch nie erlebt, sagte Fehr, dessen Ansprache von «Nemo, Nemo»-Rufen unterbrochen wurde.

«Du hast die Herzen der Jury und des Publikums in aller Welt erobert», sagte die bernische Grossratspräsidentin Dominique Bühler (Grüne). Sie äusserte die Hoffnung, dass der ESC 2025 im Kanton Bern ausgetragen wird. Bern und Biel prüfen zurzeit eine gemeinsame Kandidatur. Auch andere Schweizer Städte haben Interesse an der Durchführung des Grossanlasses signalisiert.

«Ein Wirbelsturm»

Nemo durchlebt nach eigenem Bekunden intensive Zeiten. Seit dem ESC-Sieg «ist der Wirbelsturm am Stürmen», hatte Nemo vor dem Fest in einem moderierten Gespräch vor Medienschaffenden erzählt. «Alles ging sehr schnell. Ich wollte noch auf einen kleinen Roadtrip nach Cannes aufbrechen und fuhr mit dem Auto los.» Dann habe sich das Management gemeldet wegen eines Promo-Anlasses in London.

In der britischen Hauptstadt hat sich Nemo sehr wohlgefühlt. «Ich könnte mir gut vorstellen, künftig in London und in der Schweiz zu leben.» Das Leben seit dem ESC-Gewinn sei intensiv, aber auch voller Chancen. Viele Türen hätten sich aufgetan.

«Eine Projektionsfläche»

Nemo ist nonbinär, identifiziert sich also weder eindeutig als Frau noch als Mann. Die Junge SVP verwendete sein Bild kürzlich in einem negativen Zusammenhang auf Plakaten.

Es gehe dabei wohl nicht so sehr «um mich als Person», mutmasste Nemo. «Ich stelle irgendwie eine Projektionsfläche dar. Es hat mich schon getroffen und irgendwie verletzt.» Aber es sei wichtig, dem nicht zu viel Energie zu schenken. Im übrigen sei es «recht absurd», wenn Leute über einen Menschen urteilten, den sie gar nicht kennen.

Bei einem Treffen am Dienstag mit Bundesrat Beat Jans will sich Nemo für den dritten Geschlechtseintrag einsetzen. Jans könne das natürlich nicht selber entscheiden, räumte Nemo ein. Es gehe auch darum, wie das Anliegen eine Volksabstimmung bestehen könnte und wie die Sichtbarkeit und Sicherheit von nonbinären und Transmenschen generell verbessert werden könne.

An Festivals im In- und Ausland

Nemo will auch in Zukunft musikalisch mutig sein und weiter schreiben. In Jeans und einem rosafarbenen T-Shirt will sich der Künstler auch für nicht-binäre Menschen einsetzen.

Im Laufe des Sommers wird Nemo auf Festivals im In- und Ausland auftreten. Als weiteres Ereignis wird der Künstler erneut mit dem Theater Orchester Biel Solothurn (TOBS) zusammenarbeiten, um am 11. August in Biel ein aussergewöhnliches Konzert zu veranstalten. Dabei sollen sich die Welten der klassischen Musik und der Popmusik miteinander verbinden.

Nemos Empfang in Biel stiess auf ein enormes Medieninteresse. 53 Journalisten von 19 Medien waren für das Ereignis akkreditiert, darunter auch einige aus dem Ausland. 14 Medien kündigten zudem an, einen Livestream ausstrahlen zu wollen.

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