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«Ich würde gerne eine kaltblütige Killerin spielen»

Derzeit läuft die erste grössere Fernsehproduktion, in der die Rapperswilerin Wendy Michelle Güntensperger mitspielt – als ehrgeizige Seepolizistin in «Wapo Bodensee».

Südostschweiz
Samstag, 04. März 2017, 14:00 Uhr Jungschauspielerin
Serienheldin: Wendy Güntensperger spielt in der TV-Serie «Wapo Bodensee» mit.

von Daniel Graf

Wendy Güntensperger setzte schon früh alles auf eine Karte: Anstatt sich in der Sekundarschule an den obligatorischen Schnuppertagen verschiedene Berufe anzusehen, meldete sie sich an einer Schauspielschule in Zürich an. Von dort führte ihr Weg ans Stadttheater St. Gallen und mit ihrer Rolle in der neuen Krimiserie «Wasserschutzpolizei Bodensee» von ARD schliesslich ins Fernsehen. Im Interview spricht sie über ihre «geile Rolle» und warum sie wohl nie die blonde Sexbombe spielen wird.

Was fasziniert Sie an der Schauspielerei?

Wendy Güntensperger: Als Schauspieler lernst du eines ganz am Anfang: Egal, welche Rolle du spielst, du musst hinter ihr stehen und sie verteidigen können – auch wenn du einen geisteskranken Serienvergewaltiger spielst. Das gehört für mich zu den faszinierendsten Aspekten: Mit jedem neuen Engagement wirst du so weit zu einer neuen Person, wie es dir möglich ist.

Wie gelingt das?

Das, was der Zuschauer auf der Bühne oder der Leinwand sieht, ist nur ein Bruchteil dessen, was der Schauspieler sich für die Rolle überlegt hat. Ich erfinde für jede meiner Rollen eine ganze Lebensgeschichte und versuche, mich voll und ganz in die Person, die ich spiele, hineinzuversetzen, sie zu verstehen. Dabei hilft es, die Geschichte meiner Rolle so detailliert wie möglich auszuschmücken und zu verinnerlichen – wie war ihre Kindheit? Was für Schlüsselmomente gab es in ihrem Leben? Hat sie Freunde, wenn ja wie sind die? Je besser ich meine eigene Rolle kenne, desto überzeugender kann ich sie spielen. Interessant ist auch, dass eine andere Schauspielerin die Rolle vielleicht ganz anders interpretiert hätte.

Welche Rolle würden Sie nie spielen?

Es gibt sicher Rollen, für die ich kaum gecastet werde: Ich werde wohl nie die blonde Sexbombe spielen und es ist auch eher unwahrscheinlich, dass ich für die Biografie einer erfolgreichen Marathonläuferin gecastet werde – für das eine bin ich nicht blond und meine Brüste nicht gross genug, für das andere sind meine Beine nicht lang genug (lacht). Aber von mir aus gibt es nichts, das ich kategorisch ausschliessen würde. Ich hätte auch kein Problem, für eine Rolle zu- oder abzunehmen. Nur Nacktszenen möchte ich keine drehen, weil ich der Überzeugung bin, dass sich Sexualität auch darstellen lässt, ohne Brüste zu zeigen.

Wie lief der «Wapo Bodensee»-Dreh?

Da es mein erster Filmdreh war, war ich anfangs ein wenig nervös. Das hat schon mit dem Casting angefangen: Plötzlich flog ich in einer Woche zweimal nach Berlin und zurück, übernachtete in Hotelzimmern und so weiter – das fühlte sich schon ein wenig wie das Jetset-Leben der Stars und Sternchen an (lacht). Als die Besetzung dann klar war, begann der Dreh: Innerhalb dreier Monate filmten wir in Radolfzell am Bodensee die erste Staffel. Dabei geht man überhaupt nicht chronologisch vor. Es kam also vor, dass wir erst die dritte Szene der vierten Folge und dann die Schlussszene der ersten drehten. Weil wir viel draussen drehten, waren wir immer auch vom Wetter abhängig. In den drei Monaten, in denen die ers te Staffel entstanden ist, hatte ich insgesamt 36 Drehtage.

Und danach?

Als die erste Staffel im Kasten war, ging ich erst einmal mit meinem Freund auf eine Reise, die wir schon lange geplant hatten. Jetzt läuft die erste Staffel und die Produzenten schauen, ob die Serie gut ankommt. Wenn das der Fall ist, drehen wir eine weitere Staffel. So oder so muss ich mich stets um neue Rollen und Engagements bemühen, schliesslich verdiene ich meinen Lebensunterhalt damit – und zurzeit bin ich arbeitslos (lacht). Aber das gehört zum Schauspiel-Geschäft nun einmal dazu.

Und in ein paar Jahren sind Sie ein Hollywood-Star?

Ich gebe mir Mühe (lacht). Nein, im Ernst: Klar wäre Hollywood eine Riesenchance. Aber wenn ich wählen könnte, würden mich sogenannte Indie-Filme mehr interessieren. Dabei handelt es sich um unabhängige Filmproduktionen, die ausserhalb etablierter Strukturen gedreht werden – meist sind es eher schräge, skurrile Filme mit verhältnismässig kleinem Budget. So etwas würde mich sehr reizen – und da bekäme ich wohl auch eher die Chance, die blutrünstige Killerin zu spielen, die ich so gerne einmal verkörpern würde (lacht).

 

«Wapo Bodensee» läuft jeweils am Dienstag um 18.50 Uhr auf ARD

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