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Rico Monsch: «Investitionen in Kultur lohnen sich»

Rico Monsch: «Investitionen in Kultur lohnen sich»

Braucht die Kul­tur die Wirt­schaft, oder braucht die Wirt­schaft die Kul­tur? Un­ter die­ser Fra­ge­stel­lung wur­de am Sonn­tag im Thea­ter Chur das fünf­te und letz­te «Ca­fé der klu­gen Ver­nehm­las­sung» zum neu­en Kul­tur­för­de­rungs­ge­setz ­a­bg­eha­lten.

Südostschweiz
15.03.16 - 12:30 Uhr
Kultur & Musik
Rico Monsch, Vincent Augustin, Stefanie Hablützel, Claudia Züllig und Christian Jott Jenny (von links) diskutieren auf der Bühne des Theaters Chur. Bild Theo Gstöhl

Auf der Bühne des Theaters Chur diskutierten am Sonntag unter der Leitung der SRF-Journalistin Stefanie Hablützel verschiedene Exponenten der Bündner Kultur über eines der wichtigsten Themen in der Kultur: über das Geld. Und schnell wurde deutlich, dass sich der Wert von Kultur nicht nach objektiven Kriterien messen lässt. Oder anders ausgedrückt: Gute Kultur muss nicht explizit teuer sein, und was teuer ist, muss nicht zwangsläufig gut sein.

Kaum Streitpunkte

Am letzten «Café zur klugen Vernehmlassung» beteiligten sich Vincent Augustin (Präsident der UBI, alt Grossrat), Christian Jott Jenny (Veranstalter Festival da Jazz St. Moritz, Sänger), Rico Monsch (Präsident Chur Tourismus, Präsident IBW Höhere Fachschule Südostschweiz und Vorstand Kammerphilharmonie Graubünden), Claudia Züllig (Geschäfts­leiterin Hotel «Schweizerhof», Vizepräsidentin OK Lenzerheidner Zauberwald). Und wie bei allen Veranstaltungen dabei: Carlo Portner, Präsident Stiftung Theater Chur, ehemaliger Präsident der kantonalen Kulturförderungskommission mit seinem «Fact-Checking» und der Lizenz zur Intervention per Klingel.

Doch eigentlich gab es in dieser Diskussionsrunde keine Widersprüche, kaum unterschiedliche Positionen oder gar Streitpunkte. Für ein Stürmchen im Wasserglas sorgte zunächst nur die Abwesenheit von Roland Arpagaus vom Amt für Wirtschaft und Tourismus. Er war auf das Podium geladen, musste aber «aufgrund einer neuen internen Weisung» auf eine Teilnahme verzichten. Was Christian Jott Jenny als einen Skandal bezeichnete und dies auch lauthals und zur Freude des handverlesenen Publikums zum Ausdruck brachte, wurde vom anwesenden Regierungsrat Martin Jäger einfach erklärt: Die Regierung ist der Ansicht, dass sich an der politischen Debatte die Politiker beteiligen sollen und nicht die Beamten: «Deshalb gehört Herr Arpagaus auch nicht auf dieses Podium, was er selbst auch so sehen würde, dies aber bei der Einladung noch nicht erkannt hatte.»

Mit einer «Anstiftung zur Rauflust» warb Augustin für die Investition in die Kultur. Kultur sei eine Chance für die Wirtschaft und für den Staat, weil neben dem Rückfluss von Steuer­geldern auch eine Umwegrentabilität entstehe sowie die Prophylaxen und Innovationspotenziale gefördert würden. Monsch bezog sich in der Ausgangsfrage, ob die Wirtschaft die Kultur brauche, auf Wertschöpfungs­studien zum KKL in Luzern und zum Kulturangebot in Zürich: «Investitionen in Kultur lohnen sich», so sein ­Fazit.

Etwas konkreter wurde Züllig, die als Vertreterin des Lenzerheidner Zauberwaldes die Gründe für die Lancierung ihres Projektes darlegte: «Wir wollten zunächst ein stimmiges und einzigartiges Projekt aufbauen, welches aber auf Dauer ­Logiernächte generieren sollte. Anhand der steigenden Logiernächte lässt sich jetzt nicht nur der Return of Investment ablesen, sondern auch, ob ein kulturelles Projekt gut ist. Qualität ist somit messbar.»

Gegen diese Sicht­weise meldete sich Portner zu Wort: «Qualität in der Kultur ist objektiv nicht messbar.» Jenny ergänzte: «Kulturschaffende wollen immer mehr Geld. Aber gute Projekte sollten auch im Interesse des Tourismus unterstützt werden.» Als Beispiel nannte er das Musical «Hotel Victoria», das nur mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung des Kantons in Zürich – in den Stammlanden des Bündner Tourismus – als Export­produkt auf Tournee gehen müsste.

Gute Projekte sollten auch im Interesse des Tourismus unterstützt werden.

Christian Jott Jenny, Intendant Festival da Jazz St. Moritz

Kritik am Gesetzesentwurf

In Bezug auf den Entwurf des neuen Kulturförderungsgesetzes störten sich Portner und die Podiumsteilnehmer am Art. 7, Abs. 3, nach welchem keine Institutionen oder Projekte unterstützt werden dürfen, die gewinnorientiert sind: «Sollen wir etwa alle nur defizitorientiert produzieren?», fragte Jenny. Dieser Passus müsse dringend überarbeitet werden, so die einhellige Meinung. Man dürfe bei erfolgreichen Produktionen aber durchaus über etwaige Rückzahlungs­modalitäten sprechen. Mit einem «Flashmob» wurde der Diskussionsnachmittag durch Heinz Girschweiler und einen Frauenchor auf äusserst harmonische Weise be­endet. (Sebastian Kirsch)

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