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Was die Schweiz schon alles am ESC geboten hat …

Was die Schweiz schon alles am ESC geboten hat …

Jedes Jahr konkurrieren sich zahlreiche Länder aus Europa und darüber hinaus am Eurovision Song Contest. Die Darbietungen könnten dabei nicht unterhaltsamer sein – auch diejenigen aus der Schweiz.

Jasmin
Schnider
12.05.22 - 11:00 Uhr
Kultur & Musik
It’s Show Time:  Seit 1956 ist die Schweiz mit einigen Aussetzern Bestandteil des Eurovision Song Contest.
It’s Show Time:  Seit 1956 ist die Schweiz mit einigen Aussetzern Bestandteil des Eurovision Song Contest.
Bild Elea Bank

Diese Woche geht mit dem Eurovision Song Contest (ESC) der grösste internationale Musikwettbewerb über die Bühne. Das Finale findet am Samstag in Turin statt und auch die Schweiz wird in diesem Jahr mit Marius Bear und seinem Song «Boys do cry» vertreten sein. Die Ausscheidung dazu fiel am Dienstagabend im ersten Halbfinal.

Seit 1956 existiert der ESC. Auch die Schweiz versuchte mit wenigen Ausnahmen (1995, 1999, 2001, 2003) seither ihr Glück am internationalen Wettbewerb. Doch leider blieben diese Anstrengungen nur allzu oft erfolglos. Wir liefern eine Übersicht über die «besten» Schweizer Auftritte am ESC.

Glorreicher Start der Schweiz

Der Start der Schweiz am ESC hatte eigentlich nicht besser laufen können. Denn gleich bei der ersten Austragung im Jahr 1956 sicherte sich Lys Assia mit dem Lied Refrain in Lugano den ersten Platz des damaligen Grand Prix Eurovision de la Chanson. 

Nur ein Sieg reichte Lys Assia jedoch nicht und so versuchte sie ihr Glück am ESC gleich noch zwei weitere Male. So trat sie im Folgejahr 1957 wieder an, belegte hier aber den vorletzten Platz. 1958 trat sie erneut an und wurde Zweite.

Viele Versuche und doch erfolglos

Doch nicht nur Lys Assia nahm mehrmals am ESC teil. Das Trio Peter Sue und Marc versuchten sich gleich vier Mal am internationalen Musikwettbewerb (1971, 1976, 1979, 1981). Doch es hat wohl nicht wollen sein – es reichte nur für die Plätze 12, 4, 10 und nochmals 4. 

So klang der letzte Auftritt von Peter, Sue und Marc:

Kein Sieg, dafür ein nationaler Ohrwurm

Ebenfalls leer mit seiner Teilnahme ging Pepe Lienhard und Band im Jahr 1977 aus. Er versuchte sein Glück mit dem Song «Swiss Lady». Damit reichte es zwar nur für Platz 6, dafür war ein nationaler Ohrwurm geboren. Und sind wir mal ehrlich – allein dafür hatte sich die Teilnahme schon gelohnt.

Grosser Triumph für Céline Dion

Im Jahr 1988 gelang es der Schweiz dann ein zweites Mal, den Sieg nach Hause zu holen. Unterstützt von den Schweizer Komponisten nahm die Kanadierin Céline Dion für die Schweiz am Eurovision Song Contest in Dublin teil. Mit dem Titel «Ne partez pas sans moi» gewann sie mit nur einem Punkt Vorsprung vor Grossbritannien.  Dion wurde dabei nur für die Schweiz nominiert, weil man dort keine gebürtige Schweizer Sängerin gefunden hatte.

Die mutigen Bündner

Nur ein Jahr darauf versuchte das Bündner Gespann Furbaz sein Glück. Doch es blieb erfolglos – der Song «Viver senza tei» schaffte es mit bescheidenen 47 Punkten nur auf Platz 13. Daran konnte nicht einmal der Fakt, dass das Lied in rätoromanischer Sprache war, etwas ändern. 

Switzerland Zero Points

Nicht selten fuhr die Schweiz am ESC eine Pleite ein. Die Erste davon gab es im Jahr 1998 in Birmingham. Die Sängerin Gunvor vertritt in diesem Jahr die Schweiz mit ihrem Song «Lass ihn» und sie erreichte mit nicht einem einzigen Punkt den letzten Platz.

Ab dem Jahr 2004 wurde es dann noch einen Ticken schwieriger für die Schweiz, am ESC abzuliefern. Seit diesem Jahr müssen die Teilnehmenden nämlich erst eine Vorausscheidung bewältigen, um dann beim grossen Finale mitmachen zu dürfen. Der Erste, der diese Challenge meistern wollte, war Pietro Esteriore. Der ehemalige Teilnehmer der Castingshow Music Star trat unterstützt von seinem Music Star-Kontrahenten Sergio Luvualu mit dem Song «Celebrate!» an. Er scheiterte jedoch im Halbfinale, ohne einen einzigen Wertungspunkt zu erhalten. Sein Abschneiden wurde als Slogan «Switzerland – zero points» später zum Schweizer Satz des Jahres gekürt.

Doch nicht nur sein Scheitern am ESC wird der Schweiz wohl noch lange in Erinnerung bleiben – die Szene, als Esteriore im Jahr 2007 aus Wut über einen Blick-Artikel mit seinem Mercedes den Eingang des Ringier-Pressehauses rammte, wird wohl noch lange in unseren Köpfen weilen.

Ohne den Segen der Kirche

Nicht viel mehr Glück hatte DJ Bobo drei Jahre später. Auch für ihn war mit dem Song «Vampires Are Alive» nach dem Halbfinale in Helsinki Schluss. Dabei galt er bei den Buchmachern in Skandinavien und Grossbritannien als eindeutiger Favorit auf den Gesamtsieg. Nicht so gut kam sein Song dagegen bei der Schweizerischen Evangelischen Allianz und der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) an. Sie warfen «Vampires Are Alive» vor, eine Bedrohung für suizidgefährdete Menschen zu sein. So oder so – fürs Finale reichte es schlussendlich nicht.

Kein Goldregen für von der Heide

Nach DJ Bobo wurde es nicht erfolgreicher – denn auch die nächsten drei Jahre blieben trist für die Schweiz. So scheiterten Paolo Meneguzzi, Lovebugs und Michael von der Heide alle im Halbfinale. Für Letzteren ging mit der Teilnahme ein Bubentraum in Erfüllung. Mit Lys Assia durfte er sogar einst ein Duett aufnehmen und schon 1999 wollte von der Heide am ESC mitmachen – damals für Deutschland. Er schaffte jedoch nicht einmal die Vorentscheidung in Deutschland.

Über zehn Jahre später war es dann so weit – mit dem Song «Il pleut de l'Or» trat er im Jahr 2010 in Oslo für die Schweiz an. Doch es wollte kein Gold für den Schlagersänger regnen – denn das Final fand ohne die Schweiz statt.

Dabei sein ist alles

Erst 2011 schaffte die Schweiz wieder den Einzug ins Final. Verdanken konnte sie das Anna Rossinelli. Sie konnte Europa mit dem Song «In love for a while» überzeugen – zumindest im Halbfinale. In Finale landete sie nämlich auf dem letzten Platz. Doch dabei sein ist schliesslich alles.

Es folgten wieder zwei Jahre (2012 und 2013) ohne Finaleinzug bis dann Sebalter sein Glück versuchte. Für den Sieg reichte es jedoch nicht, doch sein pfiffiger Song «Hunter of Stars» schaffte es 2014 in Kopenhagen immerhin auf Platz 13. 

Langsam hat die Schweiz den Dreh raus

Nach Sebalter folgten wieder vier Jahre ohne Finaleinzug. So scheiterten Mélanie René, Rykka, Timebelle und Zibbz alle in der Vorausscheidung. Doch dann kam mit der Teilnahme von Luca Hänni die Wende. Der ehemalige Gewinner der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» konnte Europa mit seinem Song «She got me» überzeugen. Er schaffte es sogar auf Platz 4 – zum Vergleich: Das letzte Mal schaffte es die Schweiz 1997 unter die besten Fünf.

Bis aufs Podest

Noch ein Spürchen besser war der Auftritt von Gjon's Tears. Dieser musste zwei Jahre auf seinen Auftritt warten, denn eigentlich hätte der Fribourger schon 2020 mit seinem Song «Répondez-moi» am ESC in Rotterdam teilnehmen sollen. Aufgrund des Coronavirus fiel der Contest jedoch aus und so musste er sich bis 2021 gedulden. Dann gab er dafür umso mehr Gas und schaffte es mit seinem Song «Tout l’universe» auf den unglaublichen dritten Platz. Nur Italien und Frankreich waren noch ein wenig besser.

Die Schweizer Hoffnung aus dem Appenzell

Es ging in Sachen ESC und Schweiz in den letzten Jahren also wieder bergauf. Doch lässt ein weiterer Sieg nach 1956 und 1988 immer noch auf sich warten. Schon diesen Samstag könnte dieses Warten jedoch schon ein Ende haben. Mit Marius Bear hat sich die Schweiz wieder fürs Finale qualifiziert. Und das, obwohl die Buchmacher die Schweiz vor dem Halbfinale als grossen Aussenseiter gesehen hatten.

Trotz Finaleinzug bleiben die Buchmacher dabei, dass Bear weiterhin nicht als Favorit ins Finale zieht. Ob dem doch wirklich so ist, wird sich am Samstagabend beim grossen Finale des Eurovision Song Contest 2022 in Turin zeigen. Wir drücken dem Appenzeller jedenfalls die Daumen.

Jasmin Schnider produziert als redaktionelle Mitarbeiterin Beiträge und Interviews für Radio Südostschweiz, zudem schreibt sie Geschichten für die Zeitung «Südostschweiz» und für «suedostschweiz.ch». Sie kommt aus Obersaxen und ist seit August 2020 Teil der Medienfamilie Südostschweiz. Mehr Infos

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