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Warum die Dame aus Saas schrie

Limerick ist eine Grafschaft in der Provinz Munster im Südwesten Irlands. Die gleichnamige Hauptstadt ist vermutlich Namensgeberin kleiner fünfzeiliger Gedichte meist humoristischen Inhaltes.

Conradin
Liesch
14.08.22 - 18:03 Uhr
Kultur & Musik
Die Dame in Saas schrie nur in einem kurzen Gedicht, welches Sie am Schluss des Artikels finden.
Die Dame in Saas schrie nur in einem kurzen Gedicht, welches Sie am Schluss des Artikels finden.
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Limericks sind nach einem einfachen Muster gestrickt, wonach sich die ersten zwei Zeilen und die fünfte reimen, und die dritte und vierte, also nach dem Muster AABBA. In der ersten Zeile wird jeweils die Person und der Ort, wo sie lebt, vorgestellt, die zweite Zeile verrät, was sie macht oder welches Problem aufgetaucht ist. In der dritten und vierten Zeile wird die Handlung vorangetrieben, und in der letzten Zeile taucht dann eine oft überraschende Pointe auf.

Ein Kettenraucher aus Nizza,
der im Tank seines Wagens nach Sprit sah,
der flog mit nem Krach
durchs Garagendach
einem staunenden Gast in die Pizza.

Da die Limericks aus dem englischen Sprachraum kommen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie mit dem berühmten englischen schwarzen Humor spielen – jedoch politisch korrekt sind.

There was a young lady of Niger,
who smiled as she rode on an tiger.
They returned from the ride
with the lady inside
and the smile on the face of the tiger.

Übersetzt etwa:
Ein blutjunges Mädchen aus Niger
ritt lächelnd mal auf einem Tiger.
Zurück kam sie auch,
doch in seinem Bauch.
Der Lächelnde war nun der Tiger.

Deutschland

In Deutschland machten die Liedermacher Schobert & Black den Limerick in den 1970er-Jahren populär:

Es war eine Dame in Dorsten,
die hatte am Leib lauter Borsten.
Nach der Schonzeit im Mai
gab ihr Gatte sie frei
zur Jagd in den städtischen Forsten.

Auf der Deutschen Website www.deutsche-limericks.de wird jeweils sogar ein Limerick des Jahres gekürt. Es finden sich viele lustige Beispiele darauf:

Es schwärmte ein Fräulein aus Weiden:
«Ich liebe den Bach und den Haydn!»
Die Mutter ward bleich
und mahnte sogleich:
«Du musst dich für einen entscheiden!»

Es sprach eine Witwe in Wieden:
«Was sind doch die Menschen verschieden!»
Zur Strafe erlag
die Frau einem Schlag;
so ist sie nun selber verschieden.

Es gab einen Toten in Seesen,
der wollte partout nicht verwesen.
Da verwurstete schnell
man ihn industriell,
denn schmackhaft war er noch gewesen.

Schweiz

In der Schweiz war es César Keiser, der die Limericks zu einer einfachen Melodie auf der Bühne darbot und auch mehrere Bücher mit Limericks veröffentlicht hat. Er schaffte es sogar, einen Limerick über Klosters zu dichten:

Da fror eine Dame aus Klosters
so sehr, dass sie mittels des Toasters
sich rundum im Nu
wieder wärmte, dazu
trank sie drei Lieder besten Defrosters.

Überhaupt schaffte es César Keiser immer wieder, zu den abstrusesten Ortsnamen Reime zu finden und dabei die Sprache bis zum Äussersten auszuschöpfen. So etwa in diesem hier:

Da gabs eine Dame in Aigle,
die färbte sich Lippen und Nägel,
trank einen Gin pur
und schrieb an die Tür:
Sprechstunde ab 18 Uhr tägl.

Keiser nahm sich auch immer wieder Bündner Ortsnamen vor, etwa hier:

Da gab’s einen Maurer aus Flims,
dem fiel ein Stück steinerner Sims
eines Hauses in Flums
auf den Kopf. Er sprach: «Bumms –
gottseidank ist der Sims nur aus Bims».

Der populärste Limerick in der Schweiz ist ein Lied. Der vor bald 50 Jahren verstorbene Berner Liedermacher Mani Matter schrieb «Dr Sidi Abdel Assar vo el Hama», nachdem er in Marokko in den Ferien war. Die erste Strophe lautet:

Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama
hed mal am Morge früe no im Pijama
ir Strass vor dr Moschee
zwöi schöni Ouge gseh,
das isch dr Afang worde vo sim Drama.

Graubünden

Und damit sind wir in unserer Gegend angekommen. Hier ein erstes Beispiel des Schreibenden; in den kommenden Ausgaben gibts noch weitere:

Da gabs eine Frau auf Strahlegg,
der lief mal ihr Haustierchen weg.
Sie sah von der Katze
nicht mal mehr eine Tatze.
Seither hält sie sich einen Schnegg.

Limericks können natürlich auch im Dialekt funktionieren:

Ä Musiker hed in Serneus
gseid: «Jetz spilli ämal öppis neus!»
Mit schiner Trompete
da spillt är für d Gretä
drufab lad die u luuti Geuss.

Und Sie?

Es würde uns natürlich freuen, wenn wir von Ihnen Ergebnisse Ihrer kreativen Dichtkunst erhielten. Limericks dürfen einen aktuellen Bezug haben, manchmal auch kritisch sein – aber nicht verletzlich. Senden Sie uns Ihre Kreation per Mail an klosterserzeitung@somedia.ch oder per Post an Klosterser Zeitung, Landstrasse 214, 7250 Klosters.

Via Facebook bekamen wir bereits diesen hier:
Bei Facebook, da gibt’s einen Dichter,
dem löschte der Lockdown die Lichter.
Drum bleibt er daheim,
sucht auch keinen Reim,
mit Nichtstun erhöht sein Gewicht er.

Da gabs eine Dame in Saas,
die mal einen Handgriff vergass.
Als sie dann spazierte,
ihr Haus explodierte,
da schrie sie erschrocken: «Das Gas!»

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