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Statt Rock nun Om: Alanis Morissette mit spiritueller Meditation

Schon früh in der Karriere von Alanis Morissette geht es etwas entrückt zur Sache. Bereits mit ihrer zweiten Platte, dem sperrigen Nummer-eins-Album «Supposed Former Infatuation Junkie», kleidet sie Erfahrungen ihrer damaligen Auszeit in Indien in eigenwillig verschlungene Songs wie «Thank U». Nun verlässt die in Kanada geborene Musikerin vollends gewohnte Rock-Pfade und bringt am Freitag (17. Juni) ihre erste Meditationsmusik heraus.

Agentur
sda
14.06.22 - 15:29 Uhr
Kultur & Musik
ARCHIV - Die kanadische Sängerin Alanis Morissette präsentiert sich mit einem neuen Album. Foto: Sven Hoppe/dpa
ARCHIV - Die kanadische Sängerin Alanis Morissette präsentiert sich mit einem neuen Album. Foto: Sven Hoppe/dpa
Keystone/dpa/Sven Hoppe

Mit «The Storm Before The Calm» habe sie eine Platte machen wollen, die etwas zu bieten habe, schreibt die 48-Jährige in der Ankündigung. «Sie wurde auf wunderbare und gnädige Weise zu einem eigenen, vielschichtigen Rettungsboot in einer Zeit, in der ich das Gefühl hatte, ich könnte verschwinden und davontreiben.» Die elf Instrumentalstücke mit zum Teil mehr als zehn Minuten Länge hat Morissette während der Corona-Pandemie entwickelt und aufgenommen.

Die Soundgebilde sind weit entfernt vom Mainstream-Rock, mit dem sie in Verbindung gebracht wird. Von der Musik der aufgebrachten jungen Frau auf ihrem Durchbruch-Album und Millionen-Seller «Jagged Little Pill» (mit dem Mega-Hit «Ironic») ist auf der neuen Platte nichts geblieben. Mehr als 25 Jahre und inzwischen sechs weitere Studioalben später tragen die Tracks nun etwas esoterisch angehauchte Titel wie «Light», «Heart», «Space», «Safety» oder «Awakening».

Schon vor Jahren berichten US-Medien über einen eigens eingerichteten Meditationsraum in Morissettes Haus - mit Klangschalen, Trommeln und Traumfängern. «Meditation ist für mich ein guter Weg, um die Aufmerksamkeit wieder auf mich selbst zu lenken», sagte die Dreifachmutter einmal am Anfang der Covid-Pandemie in einem «New York Times»-Interview. Ziel sei «die unmittelbare Erfahrung des Bewusstseins».

Die neuen Titel sind vor allem Klangteppiche, die sich weit ausrollen, gemächlich anschwellen, hier und da vor sich hin pluckern und behutsam wieder abklingen - dabei allerdings nicht genau wissen, wohin sie eigentlich wollen. Allein «Mania» bricht erfreulicherweise auch dem Einheitsbrei aus und dengelt sich mit kratzenden Riffs und treibendem Schlagzeug zumindest ein wenig in Richtung Post Rock.

Am Stück wird sich wohl kaum jemand dieses Album anhören. Für diejenigen, die akustische Begleitung für Seelenruhe und Entspannung suchen, kann «The Storm Before The Calm» die Lösung sein. Sonderlich originell oder avantgardistisch sind die Klänge aber nicht.

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