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Spirituelle und abenteuerliche Reisen des Comic-Künstlers Cosey

Internationale Bekanntheit erlangte Cosey mit seiner Aussteigerfigur Jonathan. Im Cartoonmuseum Basel wird der vielfach preisgekrönte Lausanner Comic-Künstler erstmals in der deutschsprachigen Schweiz mit einer umfassenden Retrospektive gewürdigt.

Agentur
sda
10.11.22 - 14:19 Uhr
Kultur & Musik

Wenn man dem 72-jährigen Comic-Künstler mit dem bürgerlichen Namen Bernard Cosendai gegenübertritt, wird sofort klar, dass seine Hauptfigur Jonathan nicht wirklich eine Kunstfigur ist, sondern sein Alter Ego. In mittlerweile 17 Bänden hat er den Antihelden durch das Himalaya-Gebiet und speziell durch das besetzte Tibet reisen lassen.

«Ich war seit meiner Kindheit fasziniert von den Bergen, der Philosophie der dort lebenden Menschen und der Spiritualität», sagt Cosey auf diesen zentralen Handlungsort angesprochen. Beeinflusst habe ihn auch Hergés Comic-Band «Tintin au Tibet».

Mehr noch als das Vorbild Hergé fällt bei Cosey die Präzision und Detailliebe auf, wie er die Berglandschaften und die Dörfer sowie Städte abbildet, die dadurch fast schon zum Hauptmotiv der Bilder werden.

Dennoch spielen die besonderen und beinahe schon romanhaft erzählten Geschichten des mit Ecken und Kanten gezeichneten Aussteigers Jonathan und seine Begegnungen mit den Menschen vor Ort eine wichtige Rolle. Zu den vertieften Begegnungen gehören neben den Tibetern sowie Mitreisenden aus dem Westen unter anderem auch eine Militärbeamtin aus der Besatzungsmacht China, die er aber nicht dämonisiert, sondern ebenfalls menschlich und präzise darstellt.

Seine Reisen «Vers l'inconnu» (Ins Ungewisse) haben dem Autor Cosey einen hohen internationalen Bekanntheitsgrad eingebracht und sind vielfach ausgezeichnet worden. Unter anderem hat er 2017 am Comicfestival in Angoulême den Grand Prix für sein Lebenswerk entgegengenommen. Der Preis gilt als Oscar der Comicszene.

Das Cartoonmuseum Basel zeigt in der Retrospektive auf Coseys Werk zahlreiche Originalzeichnungen, aber auch Aquarelle und Gouachen, die er auf seinen Reisen durch Asien geschaffen hat. Ergänzt werden die Originalwerke durch Leihgaben aus der grossen Tibet-Sammlung des Museums der Kulturen Basel.

Und plötzlich taucht Mickey Mouse auf

Coseys Schaffen wird klar von den Werken mit dem ausgesprochen realistischen Strich und dem asiatischen Raum als Hintergrund dominiert. Umso mehr ist man als Besucher und Besucherin überrascht, in einem Raum plötzlich auf Mickey Mouse und weitere minutiös nachgebildete Disney-Figuren zu treffen. In einem Band erzählt Cosey zum Beispiel die Geschichte, wie Mickey seine Minnie kennen- und lieben lernt, also quasi die Vorgeschichte der bei Disney im Original abgehandelten Beziehung.

Er habe sich als junger Grafiker selber mal bei Disney beworben, sagt Cosey, habe aber seine künstlerische Freiheit nicht aufgeben wollen. Trotzdem hat Mickey ihn offensichtlich nicht losgelassen. «Ich habe es geschafft, beim Konzern eine Lizenz zu erhalten, mit diesen Figuren spielen zu können.»

Das Resultat ist spannend und nun mit all den Reisen durch das Himalaya-Gebiet, durch Vietnam und Indien bis Ende Februar 2023 im Cartoonmuseum zu sehen.

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