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Spektakulär unaufgeregt: Kim Gordon und Josephine Pryde in Kriens

Als Bassistin und Sängerin von Sonic Youth wurde Kim Gordon berühmt. Doch war sie immer auch Künstlerin. In Kriens eröffnet die US-Amerikanerin ihre neue Ausstellung, eine Kollaboration mit der britischen Fotografin Josephine Pryde.

Agentur
sda
26.08.22 - 14:38 Uhr
Kultur
US-Künstlerin und Musikerin Kim Gordon bespielt das Krienser Museum Bellpark mit ihren Malereien. "Kim Gordon for Design Office Feat. In-House Photography by Josephine Pryde" ist ab diesem Wochenende für die Öffentlichkeit zugänglich.
US-Künstlerin und Musikerin Kim Gordon bespielt das Krienser Museum Bellpark mit ihren Malereien. "Kim Gordon for Design Office Feat. In-House Photography by Josephine Pryde" ist ab diesem Wochenende für die Öffentlichkeit zugänglich.
Keystone/dalton420sich;)

Abgesehen von Ralf Keller, Kurator von «Kim Gordon for Design Office Feat. In-House Photography by Josephine Pryde», einer Handvoll Mitarbeitenden, den beiden Künstlerinnen und drei Medienschaffenden ist das Museum Bellpark leer. Der Ausstellungsrundgang, geführt von Kim Gordon und Josephine Pryde höchstpersönlich, wird als einer der unaufgeregtesten und gleichzeitig reichhaltigsten in Erinnerung bleiben.

Dass Kim Gordon eine schüchterne Person ist, ist bekannt und wurde bei ihrem Besuch am Locarno Film Festival 2021 einmal mehr deutlich. Damals sagte sie, dass sie lieber in Begleitung von anderen in die Öffentlichkeit trete, die dann bestenfalls gleich für sie mitreden würden. Josephine Pryde spricht zwar gerne, doch sie plage stets die Angst davor, ihren Redeschwall nicht mehr stoppen zu können, sagt sie am Rande des Rundgangs im Gespräch mit Keystone-SDA.

Es ist ein schöner Bonus, die beiden Künstlerinnen, die auch langjährige Freundinnen sind, bei dem Gang durch ihre Kunstschau so persönlich zu erleben. Und genau das war auch die Idee: Die beiden sollten hier nicht einfach ihre Kunstwerke deponieren, auch ihr Verhältnis zum Museum ist Teil des Kunstwerks.

Werbung für das schöne Wohnen

«Kim Gordon for Design Office Feat. In-House Photography by Josephine Pryde» wurde explizit für das Museum Bellpark entwickelt. In ihrem mit dem Handy aufgenommenen Film «Double Agent», der im Untergeschoss der Ausstellung zu sehen ist, dokumentiert Gordon ihren ersten Besuch in der ehemaligen Fabrikantenvilla, wie sie sich von Ralf Keller im Sommer 2021 durchs Haus führen lässt. Dabei sieht man die Filmerin höchstens mal im Glas gespiegelt, nie direkt. Sie könnte also ebensogut eine Immobilienagentin sein.

Das Thema Immobilien und damit auch Gentrifizierung und die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich greift sie in ihren Bildern auf. Es sind Werbeslogans aus der Immobilienbranche, die die 69-Jährige in punkiger Pinselschrift auf unterschiedliche Textilien malte. Auf Stoffe, die mal einfach nur schön anzusehen sind, mal für politische Gedanken stehen. «The Collective Estate» beispielsweise ist mit aufgedruckten Schiffen unterlegt, die Gordon als Zeichen des Kolonialismus deutet.

Privatheit und Öffentlichkeit

Josephine Pryde spannt den Bogen noch weiter und inszeniert Gordons Malereien in leerstehenden Wohnungen und Büroräumen, die sie in Kriens und Luzern ausfindig machte. «Ich hatte nicht den Auftrag, die Bilder als Fotografin in ein möglichst gutes Licht zu rücken», sagt die in Berlin lebende Künstlerin. «Ich wollte einen Mood kreieren.» Dies zeigt sich insbesondere in einem Bild, auf dem Gordons Gemälde verschwommen ist, alles andere aber nicht. Dies habe sie beim Entwickeln mit Hilfe eines Föns gemacht, erklärt Pryde. Eine Technik, die sie sich irgendwo abschaut hatte.

Pryde sei für sie viel weniger eine Fotografin als eine Künstlerin, die sich mit Hilfe der Fotografie ausdrücke, fügt Kim Gordon an. Und so habe sie in ihren Werken vor allem den Prozess, in dem die Malereien entstanden sind, dokumentiert, weitergedacht und auf diese Weise eine ganz eigene Form von Kunst geschaffen.

Sie sei immer so nervös, wenn sie mit den Medien reden müsse, wiederholt Josephine Pryde am Schluss der Museumsführung. Kim Gordon pflichtet ihr einmal mehr bei. Ihre Auseinandersetzung mit dem Thema Privatheit und Öffentlichkeit ist denn auch ein zentraler Teil der Ausstellung. Sie zeigt sich in den sogenannten Bed Room Paintings, Fotos von Hotelzimmern, die Gordon auf dem Handy mit der Malfunktion überpinselt hat. Oder in einer Videoarbeit, die die Musikerin und Künstlerin zusammen mit ihrer Tochter Coco Gordon Moore zuhause im privaten Umfeld zeigt.

«Kim Gordon for Design Office Feat. In-House Photography by Josephine Pryde» öffnet am 27. August die Türen für die Öffentlichkeit und dauert bis am 18. Dezember. Die beiden Künstlerinnen werden am Samstag in einem «Artist Talk» erneut über ihr Schaffen sprechen.

www.bellpark.ch

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