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Kunsthaus Bregenz lässt Jordan Wolfsons Puppe tanzen

Kunst darf wehtun, das muss sie sogar. Die Installationen des US-Amerikaners Jordan Wolfson, im Kunsthaus Bregenz (KUB) von 16. Juli bis 9. Oktober zu sehen, verursachen zumindest Unbehagen.

Agentur
sda
14.07.22 - 14:21 Uhr
Kultur

Über seine Kunst sprechen will der 1980 geborene US-Amerikaner im Grunde nicht. KUB-Direktor Thomas D. Trummer entlockt dem Künstler bei der Presseführung am Donnerstag zwar einige Sätze, aber Wolfson winkt nach wenigen Minuten ab.

Er wolle nicht vorgeben, was man bei seinen Stücken zu denken habe, «das würde Ihr Erlebnis verengen, ich möchte Ihnen das nicht verderben», so Wolfson. Er verwies auf einen knappen Wandtext mit einigen Gedanken zu seinen Arbeiten.

Jordan Wolfson bezieht seine Motive aus der Gaming-Industrie, aus Internet-Clips, Comic-Strips oder Gesichtserkennungssoftwares. Seine Arbeiten hinterfragen die Populär- und Internetkultur.

«Zuschauen und taxieren ist hier nicht möglich, man muss eine andere Art der Begegnung finden», erklärt daher Trummer Wolfsons Werk. Er habe beim Aufbau gelernt, dass es Wolfson darum gehe, auf den Körper zu hören. «Es geht um diese psychische und körperliche Reaktion», so Trummer.

Virtueller Voyeurismus

Über eine Virtual-Reality-Brille kann man etwa die Arbeit «Real Violence» (2017) erleben, in der ein Mann einem anderen mit einem Baseballschläger den Schädel einschlägt. Eher ein «Experiment, das das Nervensystem wie ein Readymade behandelt», so Wolfson. Die Arbeit stellt Fragen nach unserem virtuellen Voyeurismus, unseren Umgang mit Gewalt.

In «Female Figure», tanzt eine mechanische, computergesteuerte Frauenfigur, von weicher Silikonhaut umhüllt, im beschmutzen, leichten Kleidchen und in hohen Stiefeln lasziv vor einem Spiegel. Ihre Gelenke knarzen zur Musik, ihre weissen Arme heben sich, ihr Hintern wackelt im Takt.

Hinter der hexengrünen Maske nehmen ihre böse blickenden Augen über eine Gesichtserkennungssoftware Kontakt zum Besucher auf, der von einem Mitarbeiter zu ihr vorgelassen wird, wie zu einem «Private Dance». Anziehung und Abscheu halten sich die Waage.

Seelenfänger und Rassisten

Von Gegensätzen lebt auch «Artists Friends Racists», ein in der Pandemie entstandenes Werk. Der Künstler wollte mit der Arbeit vor allem hinterfragen, ob er selbst Rassist ist. Judensterne, weisse Mickey-Mouse-Handschuhe, Kätzchen-GIFs und Netzbilder wechseln einander als Projektion auf rotierenden Propellern ab.

Seine Verachtung für Autoritäten und den Ärger über die «Heuchelei weisser Menschen, die sich für Heilige halten», drückt Wolfson auch in «Wall Objects» aus, die Symbole verschiedener Religionen mit Bissigem kombinieren, etwa einem weissen Hai oder Vampirzähnen. Vielleicht ein Hinweis, dass manch Seelenfänger keine heiligen Absichten hat.

In der Videoarbeit «Raspberry Poser» hopst ein Virus durch die Stadt, ein Kondom schwebt durch die Strassen. Es geht laut dem Künstler, der darin als Skinhead auch selbst vorkommt, um seine Angst vor Aids und Fragen zu seinen eigenen Privilegien.

Die Eröffnung der Ausstellung ist eingebettet in die mehrtägigen Feierlichkeiten zum 25-Jahr-Jubiläum des KUB.

www.kunsthaus-bregenz.at

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