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«Haus» – Musik und Architektur

In drei Dörfern dies- und jenseits des Vereinatunnels werden die Teile der «Haus»-Komposition von Beat Gysin aufgeführt.

Klosterser
Zeitung
20.02.22 - 18:01 Uhr
Kultur & Musik
Aufführung «Lit Marveil».
Aufführung «Lit Marveil».
ZVG

«Hausmusik» im Atelier Bolt, Klosters «Architekturmusik» in der Fundaziun Nairs, Scuol «Lit Marveil» in der Grotta da cultura, Sent

Einmal findet die Musik verteilt im ganzen Gebäude statt – die Musiker spielen überall ausser da, wo das Publikum sitzt. Die Besucher müssen die Ohren spitzen, um bis in die hintersten Winkel zu hören. Und so hören sie nicht nur die Musik, sondern auch die Geometrie des Gebäudes, seine Akustik. So wie ein Gebäude durch Licht beleuchtet werden kann, wird es hier durch Musik zu Klingen gebracht.

Einmal trägt das Publikum offene Kopfhörer und hört zur Livemusik solche aus dem Kopfhörer: Es kann nicht mehr erkennen, was aus dem Kopfhörer und was live erklingt. Das Publikum sitzt zudem hinter einer Glasscheibe. In dieser spiegeln sich die Bühne und auch die Musiker. Sieht man durch die Scheibe hindurch auf die Bühne und die Musiker oder sieht man nur eine Spiegelung in der Scheibe? Das Publikum weiss es bald nicht mehr. Und so stellt sich zur Musik über das Trakl-Gedicht «Traumwandler» ständig die Frage, welche Wahrnehmung physisch-real und welche virtuell ist - oder was bloss eine Täuschung ist.

Das dritte Stück ist eine 1:1-Performance: Für jeden Gast singt ein/e Sänger/in solo in einem eigenen Raum. Der Gast sitzt auf einem Drehstuhl und wird ganz sorgsam gedreht. Er schliesst die Augen und verliert so schnell seine Orientierung im Raum.

Die Wahrnehmung erweitern

Alle drei «Haus»-Kompositionen haben auf verschiedene Art und Weise dasselbe Thema: Besondere musikalisch-architektonische Wahrnehmungen zu provozieren und damit die Reflexion über das Verhältnis der beiden Künste anzuregen.

Die Konzerte werden von einem vielseitigen Rahmenprogramm flankiert. Architekturführungen, ein Hörspaziergang, ein Workshop und verschiedene Gesprächsformate laden zu einer vertieften Auseinandersetzung ein.

Am 28. Februar und 1. März ist das Programm so aufgeteilt, dass das Publikum «Kulturtage» verbringen kann. Die beiden Architekturführungen in Klosters und Sent erlauben zeitnah einen besonderen Vergleich: Kaum 10 Kilometer Luftlinie entfernt könnte die Architektur in den beiden Talschaften unterschiedlicher kaum sein.

Ein Projekt dies- und jenseits des Vereina-Tunnels; eine Komposition, die man nur vollständig hören kann, wenn man auch einen Teil auf der anderen Seite des Tunnels hört: Die Idee ist, den Austausch anzuregen. Die beiden Bündner Koproduktionspartner, das Atelier Bolt und die Fundaziun Nairs stellen ihre Arbeit jeweils am andern Ort vor.

http://www.studio-klangraum.ch

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