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Grosse Ehre für Paola Gianoli

Das Bundesamt für Kultur vergibt einen der Schweizer Preise Darstellende Künste an die Puschlaverin Paola Gianoli.

Südostschweiz
08.09.22 - 11:59 Uhr
Kultur & Musik
«Erweitert das Kulturangebot»: Für ihr Engagement im Tanzbereich erhält Paolo Gianoli einen Preis.
«Erweitert das Kulturangebot»: Für ihr Engagement im Tanzbereich erhält Paolo Gianoli einen Preis.
Bild Milena Keller-Gisep

Auf Empfehlung der beiden Eidgenössischen Jurys für Theater und Tanz zeichnet das Bundesamt für Kultur (BAK) die Basler Regisseurin und Intendantin Barbara Frey mit dem diesjährigen Schweizer Grand Prix Darstellende Künste / Hans-Reinhart-Ring aus. Ausserdem werden laut Mitteilung neun Schweizer Preise Darstellende Künste vergeben, die mit je 40'000 Franken dotiert sind. Einer dieser Preise geht an die 1963 geborene Bündnerin Paola Gianoli. 

Gianoli wuchs in Poschiavo auf, ist Übersetzerin und praktiziert seit 1989 Contact Improvisation, eine postmoderne Tanzform. Lange Zeit lebte sie in Genf. Seit sie in ihre Heimat zurückkehrte, setzt sie sich dafür ein, Kultur und insbesondere den Tanz in die periphere Region Puschlav einzuladen, wie das BAK in der Mitteilung schreibt. Dieses Tal verfüge über keine Theaterinfrastruktur. Zusammen mit dem Verein Riverbero suche Gianoli Mittel und Wege, zeitgenössische Kulturprojekte von hoher Qualität in das Puschlav zu bringen, die meist den urbanen Städten vorbehalten seien. «Damit will sie nicht nur das lokale Kulturangebot erweitern, sondern es geht ihr auch darum, Peripherie und Zentren einander näherzubringen und verschiedene Regionen in einen fruchtbaren Dialog zu bringen.» Gezielt adressiere Gianoli das Publikum aus dem Engadin, dem Bergell und dem Veltlin, um diese drei Nachbarregionen zu verbinden und den Zusammenhalt zu stärken. 

«Beispielhaft für die Kulturvermittlung»

Seit gut zehn Jahren kuratiert Gianoli jedes Jahr ein Programm für das vom Tanznetzwerk Reso organisierte nationale Tanzfest. Sie bietet nicht nur Kurse in zeitgenössischem, urbanem oder orientalischem Tanz an, sondern zeigt auch Tanzfilme und programmiert Performances auf der Piazza in Poschiavo. So bot sie in diesem Jahr eine Ad-hoc-Aufführung mit der Tanzkompanie Cocoon Dance, denn Gianoli veranstaltete als Partnerin des Migros-Tanzfestivals Steps 2022 auch einen Auftritt der Choreografin Rafaële Giovanola, die Cocoon Dance im Jahr 2000 gegründet hat. Für solche Veranstaltungen lässt Gianoli eigens ein Theater in die lokale Schulturnhalle bauen. «Obschon der technische und personelle Aufwand gross und die Geldsuche schwierig sind: Gianolis Einsatz für den Tanz im Puschlav ist ansteckend und beispielhaft für die Kulturvermittlung in den Randregionen der Schweiz», schreibt das BAK. 

Auf Anfrage erklärte Gianoli: «Dieser Preis ist eine grosse Anerkennung für die geleistete Arbeit und ich bin sehr berührt. Es ist sehr wichtig, dass der professionelle Tanz auch in Randregionen vertreten ist. In diesem Sinne ist diese Auszeichnung ein starkes politisches Zeichen.» (red) 

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