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Donna Leon: 32 mal Commissario Brunetti und 80. Geburtstag

Donna Leon und Guido Brunetti, das ist eine besondere Beziehung. In 31 Kriminalromanen hat die Autorin ihren Commissario ermitteln lassen. Allesamt sind sie Bestseller. Und: Band 32 ist bereits geschrieben. Heute wird Donna Leon 80 Jahre alt.

Agentur
sda
28.09.22 - 06:00 Uhr
Kultur & Musik
Donna Leon, der Name ist untrennbar mit Venedig und Commissario Brunetti verbunden. 2007 zog die Bestsellerautorin in die Schweiz und heute wird sie 80 Jahre alt.
Donna Leon, der Name ist untrennbar mit Venedig und Commissario Brunetti verbunden. 2007 zog die Bestsellerautorin in die Schweiz und heute wird sie 80 Jahre alt.
Keystone/GAETAN BALLY

Sie ist Opernliebhaberin, Venedig-Kennerin und Vielschreiberin: Seit über dreissig Jahren veröffentlicht die amerikanisch-schweizerische Autorin Donna Leon fast jährlich einen neuen Kriminalroman.

Dessen Hauptfigur, der Venezianer Guido Brunetti, ist ein belesener, sympathischer Commissario mit weltweiter Fangemeinde: In 35 Sprachen sind die Krimis erhältlich und 26 Folgen wurden zwischen 2000 und 2019 verfilmt. Im Mai dieses Jahres erschien «Milde Gaben», Brunettis 31. und neuster Fall. Der 32. ist bereits geschrieben, wie Donna Leon Keystone-SDA verrät: «Im Moment befinde ich mich zwischen zwei Büchern: Das Buch für das nächste Jahr wird gerade lektoriert.»

Krimistoff aus Klatsch und Tratsch

Für Fall Nummer 33 sei sie zurzeit auf der Suche nach einem Thema. «Ich lese jeden Tag 'Il Gazzettino' und 'La Repubblica', auf der Suche nach etwas, das ein möglicher Ausgangspunkt für ein Buch sein könnte. Ausserdem werde ich bald für eine Woche in Italien sein und alte Freunde wiedersehen. Dann erfahre ich bestimmt neuen Klatsch und Tratsch.»

Ein bisschen Klatsch und Tratsch aus Venedig - mehr braucht die Bestsellerautorin nicht, um einen neuen Fall für Guido Brunetti zu entwickeln. Auch deshalb liess sie ihre Bücher nie ins Italienische übersetzen - damit die Quelle nicht versiegt und sie ein unbehelligtes Leben in Venedig führen konnte. Viele Jahre lebte sie dort, bis es sie 2007 in die Schweiz zog.

Nach den Erfahrungen, die sie in Italien gemacht habe, sei sie daran gewöhnt gewesen, dass in der Öffentlichkeit mehr Begeisterung oder Zuneigung zum Ausdruck gebracht werde, sagt Donna Leon. «Die Menschen in der Schweiz sind zurückhaltender und sehr diskret, was ihr eigenes Leben betrifft. Dafür sind sie umso herzlicher, wenn man sie näher kennengelernt hat.»

Geburtstag in Venedig

Bis heute arbeitet Donna Leon fast täglich. Um schreiben zu können, brauche sie «einen Raum mit einem Tisch und die Gewissheit, dass ich mindestens eine Woche, besser zwei Wochen, an diesem Ort bleiben werde». Sie arbeite, schaue oft aus dem Fenster, lese «Il Gazzettino», gehe mit Freunden einen Kaffee trinken, mache einen langen Spaziergang, starre die Wand an, gehe ans Telefon. «Danach gehe ich wieder an die Arbeit.»

Ihren runden Geburtstag am 28. September wird Donna Leon in der Lagunenstadt feiern, wie sie verrät. «Ich bin zum Abendessen bei Biba eingeladen, meiner ältesten und besten Freundin, die in Venedig lebt.» Biba alias Roberta Pianaro ist Köchin und kreierte die Rezepte für das literarische Kochbuch «Bei den Brunettis zu Gast».

Auch Commissario Brunetti ist mit den Jahren zu einer Art Freund für die Autorin geworden. Einer, den sie Band um Band ein bisschen besser kennengelernt habe. «Ich schätze und respektiere ihn nach wie vor sehr. Ich habe mit den Jahren mehr über seine Vergangenheit und seine Familie erfahren und darüber, wie ihn seine Jugend beeinflusst hat.»

Im Gegensatz zu Brunetti, der in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen sei, habe sie selbst eine glückliche und sorglose Kindheit erlebt. «Meine Familie war zwar nicht reich, hatte aber auch keine finanziellen Schwierigkeiten. Meine Eltern waren beide an Literatur interessiert und ich wusste immer, dass ich studieren würde. Das sind unsichtbare, aber sehr wichtige Vorteile.»

Ahnungslos im Iran

Während Guido Brunetti in Venedig fest verwurzelt ist, hat Donna Leon in vielen Ländern gearbeitet. Und dabei einiges erlebt: Sie wohnte in China und Saudi-Arabien, unterrichtete amerikanische Soldaten in Literatur und nahm als junge Frau im Iran eine Stelle als Englischlehrerin an, ohne zu wissen, wo das Land überhaupt liegt.

Das sei das Verrückteste, was sie bisher in ihrem Leben getan habe, sagt die Autorin. «Ich verfügte über keinerlei Qualifikationen im Unterrichten einer Fremdsprache und wusste wenig über den Islam oder sein reiches Kulturerbe.» Von diesem und anderen Abenteuern berichtet sie in «Ein Leben in Geschichten», das kürzlich anlässlich ihres 80. Geburtstags erschien.

Humorvoll und mit ironischem Unterton beschreibt Leon darin auch die Macken ihrer Verwandten: Ihre Mutter Moo etwa, der «eine Zigarette und ein Drink über alles gingen», die nicht kochen, dafür meisterlich backen konnte; die ein grosses Herz, aber keinerlei Ehrgeiz hatte. Oder Tante Gert, die nie ohne Hut aus dem Haus ging. Ob sie selber auch Macken habe? Auf diese Frage antwortet Donna Leon: «Ich? Macken? Ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen eine Mahlzeit, die nicht mit einem Eiskaffee endet, als Zeit- und Energieverschwendung betrachten. Ich bin mir auch sicher, dass jeder, der einen Hund sieht, sich zu ihm hinunterbeugt, ihm die Hand entgegenstreckt und sagt: 'Hallo, Doggie Woggie. Bist du nicht der schönste Hund der Welt?' Sie sehen, ich habe absolut keine Macken.»*

*Dieser Text von Maria Künzli, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.

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