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Berge als Gemeinsamkeit - Schweizer Filmteam unterwegs in Nordkorea

Berge als Gemeinsamkeit - Schweizer Filmteam unterwegs in Nordkorea

Ein Filmteam des Alpinen Museums Bern hat die koreanische Halbinsel bereist und Eindrücke aus dem Alltag der Menschen, insbesondere in Nordkorea gesammelt. Sie sind der Grundstock der neuen Ausstellung, die am 27. März eröffnet wird.

Agentur
sda
vor 3 Wochen in
Kultur & Musik

Das Alpine Museum in Bern wagt damit eine Annäherung an das abgeschottete Nordkorea. Wie die Schweiz, ist auch Nordkorea ein Land der Berge. Grund genug für das Filmteam, nicht nur den augenfälligen Unterschieden, sondern auch Gemeinsamkeiten in dem uns so fremden Land nachzuspüren.

Totalitäres Regime, Führerkult, Hungersnöte, Armut, Atomwaffentests und rhetorisches Säbelrasseln: das sind Begriffe, wie die meisten von uns mit Nordkorea verbinden. In filmischen Mikrogeschichten erzählt die Ausstellung «Let’s Talk about Mountains» von einem Alltag, wie er kaum in den Medien vorkommt.

Als Leitmotiv für die Filmbilder und Interviews wählten die Ausstellungsmacher die Berge. Ein kreativer Weg, so Korea-Experte Rüdiger Frank, der zeige, dass es neben all den verstörenden Facetten auch Schönes und Gemeinsames gebe.

«Es war das langwierigste und schwierigste Projekt, das wir je angepackt haben, aber es hat sich gelohnt», sagen die Ausstellungsmacher Beat Hächler, Museumsdirektor und Gian Suhner (Filmemacher).

Berge als Teil der Identität

Wie in der Schweiz sind auch in Nordkorea Berge Teil von Identität, Kultur und Wirtschaft. Sie sind mit vielschichtigen Bedeutungen aufgeladen und dienten in den Gesprächen als Türöffner.

«Wir kamen, um Fragen zu stellen, zuzuhören, ohne gleich ein Urteil zu fällen, wird Hächler in einer Mitteilung des Alpinen Museums vom Donnerstag zitiert. »Die Filmbilder kommentieren nicht, aber selbstverständlich suchen wir die aktive Vertiefung und Auseinandersetzung."

Das Filmteam stieg mit Wandergruppen auf Berggipfel, besuchte Schulklassen, schaute Kunstschaffenden über die Schulter, reiste zu Bauernbetrieben in der hügeligen Provinz und machte Halt im grössten nordkoreanischen Skiresort. Filmische Mikrogeschichten erzählen von einem Alltag, der in keiner Tagesschau vorkommt.

Vierzig Gespräche geben Menschen eine Stimme, die hinter dem politischen System und unseren Bildern davon zu verschwinden drohen. Es sind spontane, aber auch arrangierte Begegnungen – ebenso berührend wie herausfordernd in der Frage, was das Gezeigte bedeutet, wenn wir mehr verstehen wollen als das, was wir sehen.

Ein rund 200-seitiges Magazin begleitet die Ausstellung eine internationale Autorenschaft ordnet das Gezeigte ein und bewertet es.

Von der Hauptstadt in die Berge

Die Reise führte das Filmteam im Jahr 2018/19 von der 3-Millionen-Metropole Pjöngjang ins Gebirge, zum Paektusan, dem «Heiligen Berg der Revolution», weiter ins Kumgang-Gebirge nahe der demilitarisierten Zone zu Südkorea und schliesslich auf den Grenzberg Hallasan. Die grossflächigen Projektionen und Gespräche öffnen den Blick auf Schule, Freizeit, Kunst oder Tourismus im Land.

Die in der Ausstellung zu Wort kommenden Personen sind vom Drehteam gewünschte Funktionsträger, die das Cultural Committee in Pjöngjang aussuchte und organisierte, sowie Zufallsbegegnungen, für die sich das Drehteam spontan vor Ort entschied.

Das Begleitprogramm zu «Let’s Talk about Mountains» wurde in Kooperation mit dem Kunstmuseum Bern entwickelt, das von 30. April bis 5. September 2021 die Ausstellung «Grenzgänge – Nord- und südkoreanische Kunst aus der Sammlung Sigg» zeigt.

https://www.alpinesmuseum.ch/de/ausstellungen/let-s-talk-about-mountains

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