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Pro Helvetia festigt kulturellen Dialog mit Südamerika

Die Kulturstiftung Pro Helvetia baut den kulturellen Dialog mit dem Ausland aus. Die Kulturförderinstitution des Bundes eröffnet in Südamerika eine Aussenstelle und erweitert so ihr Netzwerk auf weltweit sieben Regionen.

Agentur
sda
Dienstag, 27. Oktober 2020, 10:00 Uhr Bern
Eine Kombination von Oper, Bewegung, Video und Live-Music-Perfomance: Die Schweizer Produktion "Orlando" gastierte mithilfe von Pro Helvetia an drei Festivals in Südamerika.
Eine Kombination von Oper, Bewegung, Video und Live-Music-Perfomance: Die Schweizer Produktion "Orlando" gastierte mithilfe von Pro Helvetia an drei Festivals in Südamerika.
Pro Helvetia/Horace Lundd

Mit der neuen Aussenstelle in Südamerika sollen künstlerische und kulturelle Partnerschaften gestärkt werden: in den darstellenden, visuellen und interdisziplinären Künsten sowie in den Bereichen Musik, Literatur, Design und interaktive Medien, wie Pro Helvetia am Dienstag mitteilte. Die neue Aussenstelle wird ihren Sitz in Santiago de Chile haben und weitere Standorte im brasilianischen São Paulo, in Buenos Aires in Argentinien sowie im kolumbianischen Bogotá.

Lokale Mitarbeitende

Für die vier Standorte wurden lokale Mitarbeitende angestellt, die mit ihren regionalen und lokalen Beziehungen den Kulturschaffenden aus der Schweiz zu Partnerschaften in Südamerika verhelfen sollen. Eröffnet wird die neue Aussenstelle im kommenden Jahr, «in den ersten Monaten 2021», sagt Pro Helvetia-Direktor Philippe Bischof gegenüber Keystone-SDA.

In der neuen Aussenstelle, wie generell in der Präsenz im Ausland, sieht Bischof eine Chance in doppelter Hinsicht. «Wir können die Schweiz mit ihrer kulturellen Vielfalt und mit unseren kulturellen Werten im Ausland präsentieren.» Und: «Künstlerinnen und Künstlern aus der kleinflächigen Schweiz eröffnet unsere weltweite Präsenz zusätzliche Einnahmequellen sowie wichtige Karrieremöglichkeiten.»

Dabei, so betont Bischof, gehe es Pro Helvetia «keinesfalls» darum, etwa den südamerikanischen Ländern ungefragt schweizerisches Kulturschaffen vorzusetzen. «Wir reagieren auf Interesse aus dem Ausland und auf Gesuche seitens der Kulturschaffenden.» Voraussetzung ist also, dass eine Institution im Ausland eine Schweizer Künstlerin einlädt und diese dann bei Pro Helvetia um finanzielle Unterstützung nachsucht.

In politisch instabilen Ländern

Zudem betont Bischof gerade vor dem Hintergrund der Präsenz in politisch und kulturell instabilen Ländern die Unabhängigkeit der Förderinstitution des Bundes. «Pro Helvetia steht für freien Kulturaustausch», mit Berührungspunkten zum Bundesamt für Kultur (BAK) und zum Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Dabei stehe das BAK für die ministerielle Ebene und Pro Helvetia für die Projekt- und Austauschebene, auf der regelmässig mit dem EDA, «das heisst mit den Botschaften und mit Präsenz Schweiz» die Aktivitäten abgestimmt würden. «Aber», so Bischof, «wir sind kein politischer Akteur, sondern Kulturförderer.» Folglich würde sich Pro Helvetia nicht zur Aussenpolitik äussern und auch das EDA keine Aussenpolitik über Pro Helvetia betreiben, so Bischof.

Die Schweizer Kulturstiftung ist neben der künftigen Präsenz in Südamerika im arabischen Raum vertreten mit einer Aussenstelle in Kairo, zudem in Johannesburg für das südliche Afrika, in Moskau für Russland, in New Delhi für Südasien, in Shanghai für China sowie in Paris für den französischsprachigen Raum.

Schweiz und Ausland sind eine Welt

Dabei gibt Pro Helvetia rund zwei Drittel seines Budgets für die Förderung von Schweizer Kunst und Kultur im Ausland aus, wobei «das Geld an Schweizer Kulturschaffende für deren Projekte und Residenzen im Ausland vergeben wird», sagt Bischof. Allein 2019 hat die Stiftung 4500 Projekte in 120 Ländern gefördert. In die Kulturförderung im Inland fliesst etwa ein Drittel des Budgets, womit im letzten Jahr 1611 Projekte in 228 Schweizer Gemeinden unterstützt wurden. «Dabei trennen wir die beiden Welten nicht. Denn im Inland wird häufig entwickelt, was künftig im Ausland präsentiert wird», sagt Bischof und führt als Beispiel ein literarisches Werk eines Schweizer Autors an, das in verschiedene Sprachen übersetzt werde, um dann im Ausland gelesen zu werden.

Mit der neuen Aussenstelle wird im Übrigen ein Programm fest etabliert, das bereits seit 2017 besteht: «Coincidencia - Kulturaustausch Schweiz - Südamerika» war im Rahmen der Kulturbotschaft 2016-2020 ins Leben gerufen worden, um den Kulturaustausch zu stärken. Dieses Programm war auf vier Jahre begrenzt und wird nun in die ständige Aussenstelle überführt.

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