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Rolf Lyssy mit Career Achievement Award ausgezeichnet

Der Zürcher Regisseur Rolf Lyssy ist am Montagabend im Zürcher Kino Corso mit dem Career Achievement Award des Zurich Film Festival (ZFF) ausgezeichnet worden. Danach feierte sein neuer Film «Eden für jeden» Weltpremiere.

Agentur
sda
Montag, 28. September 2020, 19:32 Uhr Zürich
Der Zürcher Regisseur Rolf Lyssy ist am Montagabend im Zürcher Kino Corso mit dem Career Achievement Award des Zurich Film Festival (ZFF) ausgezeichnet worden.
Der Zürcher Regisseur Rolf Lyssy ist am Montagabend im Zürcher Kino Corso mit dem Career Achievement Award des Zurich Film Festival (ZFF) ausgezeichnet worden.
KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Zur Preisverleihung und Filmpremiere anwesend waren neben Rolf Lyssy die Darstellerinnen Steffi Friis und Suly Röthlisberger, die Darsteller Marc Sway, Pablo Aguilar und Andreas Matti sowie der Produzent Marcel Wolfisberg. Das Festival widmet Lyssy eine Retrospektive mit zehn Produktionen, fünf Spiel- und fünf Dokumentarfilmen.

Wieder zu sehen sind etwa sein erster Kinofilm «Konfrontation» (1974), die Komödien «Die Schweizermacher» (1978) und «Die letzte Pointe» (2017) oder die Dokumentarfilme «Ein Trommler in der Wüste» (1992) und «Ursula - Leben in Anderswo» (2011). Lyssy wird am Dienstagnachmittag in einer Masterclass zudem über seine Karriere reden.

Kleine Probleme

«Eden für jeden» ist der Film der Stunde: Ein Feel-Good-Movie in einer Multi-Kulti-Schweiz; Schauplatz ist eine Schrebergartenkolonie namens Eden in Zürich Aussersihl. Italiener neben Kosovaren neben Schweizern, Christen neben Muslimen, alle verbringen viel Zeit auf ihrem Stück Schweiz, einige wohnen gar in ihrer Schrebergarten-Idylle.

Es gibt Probleme, aber es sind kleine Probleme. Ein Stück Schweizer Demokratie wird exemplarisch vorgeführt, auch wenn die Mitgliederversammlung nicht ganz nach den Regeln des Vereinsrechts durchgeführt wird. «Es isch alles easy», singt Marc Sway, der sich in seiner ersten Filmrolle gleich selber spielt, nämlich als Musiker mit brasilianischen Wurzeln.

In ihrer ersten Filmhauptrolle zu sehen ist Steffi Friis, Solothurnerin mit dänischen Wurzeln. Da ihrer leicht dementen Grossmutter die Wohnung gekündigt wird und sie nicht in ein Heim will, bringt sie die Enkelin kurzerhand im Garten Eden unter, wo sie eine Parzelle besitzt.

Mit seiner gut gebauten Geschichte, einem breit gefächerten Schauspiel-Ensemble sowie wenigen Schauplätzen - der Grossteil des Films spielt im Schrebergarten - gelingt Lyssy wenn auch biederes, so doch gut unterhaltendes Kino. Dank einer Mischung von Aufregung und Sentimentalität wird es nie langweilig, während Sway mit seinen Songs das Geschehen kommentiert.

Spielfilm-Version

«Eden für jeden» ist quasi die Spielfilm-Version des preisgekrönten Berner Dokumentarfilms «Unser Garten Eden» (2010) von Mano Khalil, was vorab zu Unstimmigkeiten geführt hatte. Khalil habe seine Zustimmung zu Lyssys Spielfilm nur gegeben, weil er sich «massiv unter Druck gesetzt gefühlt» habe und «vor vollendete Tatsachen» gestellt worden sei, wie die Sonntagszeitung in ihrer neusten Ausgabe schreibt.

Lyssy hält mit über einer Million Kinozuschauern für «Die Schweizermacher» immer noch den Rekord für den bis heute im Kino erfolgreichsten Schweizer Film. Der 84-Jährige machte zunächst eine Lehre als Fotograf, bevor er als Kameramann und Cutter arbeitete und dann Regisseur wurde.

Mit «Konfrontation» über das Attentat des jüdischen Studenten David Frankfurter auf den hochrangigen Nazi Wilhelm Gustloff in Davos machte er erstmals von sich reden. Es folgten die Dialekt-Komödien «Die Schweizermacher»,«Kassettenliebe» (1981), «Teddy Bär» (1983) und «Leo Sonnyboy» (1989) - alles Erfolge im Kino.

Frühere Preisträger des Career Achievement Award des ZFF sind etwa die US-Produzenten Jerry Weintraub, Michael Shamberg und Steve Golin, der mexikanische Regisseur Alejandro Gonzalez Inarritu und Marcel Hoehn, der «Die Schweizermacher» produziert hat.

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