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Bündner Kinderzeichnungen bald in Schanghai zu sehen

Mit ihrem neuen Kunstprojekt «Home@Home» versucht die Bündner Künstlerin Piroska Szönye, Kinder und Jugendliche weltweit durch deren Zeichnungen zu verbinden. Diese werden dann in einer Ausstellung gezeigt.

Kristina
Schmid
Montag, 29. Juni 2020, 04:30 Uhr Kinder in der Coronakrise
So hat die sechsjährige Alina aus Domat/Ems ihr Zuhause mit Wasserfarbe gemalt.
PRESSEBILD

«Ich wünschte, ich könnte das Coronavirus in tausend Stücke zerschneiden.» So antwortet Alina, ein sechsjähriges Mädchen aus Domat/Ems, auf die Frage ihrer Mama, wie sie die Welt zurzeit des Lockdown erlebt. «Ich will einfach mal wieder abmachen.»

Die Coronakrise hat alle getroffen. Geschäftsführer und Arbeitnehmer. Lehrer und Eltern. Grosse und kleine Unternehmen. Senioren und Patienten. Sachlich, aber auch emotional wurde die Bevölkerung über all die verschiedenen Aspekte des Coronavirus und die damit verbundenen Herausforderungen und Probleme informiert. «Nur über Kinder sprachen die wenigsten. Und noch viel weniger mit ihnen», sagt die Bündner Künstlerin Piroska Szönye. «Dabei hätte mich auch interessiert, was die Coronakrise mit den Kindern macht.» Es ist der Grund, weshalb sie ihr neustes Kunstprojekt «Home@Home» diesem Thema widmet.

Zwei Ausstellungen

Kinder und Jugendliche sollen weltweit durch ihre Zeichnungen von und in ihrem Zuhause verbunden werden. Das ist das Ziel des Projekts «Home@Home». So soll jedes Kind, das mitmachen will, auf einem Stück Papier das eigene Zuhause zeichnen oder malen. Auch Alina aus Domat/Ems hat das gemacht. Genauso wie fast 100 andere Kinder aus aller Welt. Die meisten Zeichnungen wurden dabei von Kindern aus China eingereicht.

Die sechsjährige Alina spricht über das Coronavirus und den Lockdown aus ihrer Perspektive. PRESSEVIDEO

Es braucht gut 1000 Zeichnungen, damit diese im Rahmen einer Ausstellung im Yuz Museum in Schanghai gezeigt werden. «Es wäre so schön zu sehen, wie Bündner Kinderzeichnungen in einem Museum in China ihren Platz finden», sagt Szönye. Deshalb hofft sie, dass noch ganz viele Kinder die Buntstifte zur Hand nehmen und loszeichnen werden. «Die Kinder haben bis Ende September Zeit. Dann werden wir die eingereichten Zeichnungen für die Ausstellung drucken», so Szönye.

Auch das Kinderdorf Pestalozzi ist vom Projekt der Bündnerin begeistert. «Wir halten das für eine grossartige Idee und können es kaum erwarten, eure Kunstwerke zu sehen», schreibt die Stiftung auf ihrem offiziellen Social-Media-Kanal auf Instagram. Wie auch das Yuz Museum in Schanghai wird auch das Kinderdorf Pestalozzi in Trogen die Kinderzeichnungen im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die beiden Ausstellungen sind für das Jahr 2021 geplant.

Kreativ und ehrlich

«So eine Ausstellung ist nicht ohne», sagt Szönye. Deshalb ist die Künstlerin fest davon überzeugt, dass es die Kinder mit Stolz erfüllen wird, ihre eigenen Zeichnungen an der Wand hängen zu sehen. «Und nicht nur die Kinder. Auch Eltern. Und Grosseltern. Und Tanten. Und Lehrer», sagt Szönye. Und weil ihr die Zeichnungen und das Projekt so sehr am Herzen liegen, zeigt sie die bereits eingesandten Zeichnungen auf der eigens dafür kreierten Website. «Ich will Kinderaugen leuchten sehen. Jedes Kind soll merken, dass es wichtig ist.»

Noch bis Ende September können die Kinder also Zeichnungen von ihrem Zuhause einsenden. Neben dieser kreativen Aufgabe sollen sie aber auch noch drei Fragen im Zusammenhang mit der Coronakrise beantworten. Die Antworten sollen zeigen, wie Kinder die Welt wahrnehmen, sich ihr Zuhause in Zeiten einer Krise anfühlt, und was sie sich für die Zukunft wünschen. Auf diese Art und Weise sollen die Gedanken und Gefühle von Kindern ins Zentrum der Coronakrise gerückt werden – zumindest im Rahmen dieses Kunstprojekts.

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