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U-Boot-Bunker in Bordeaux: Digitale Kunstschauen mit Spiegeleffekt

In den Wasserbecken spiegelt sich alles unverzerrt wider: das blasse Gesicht von Adele Bloch-Bauer, das Gustav Klimt in seinem weltberühmten Porträt «Die Frau in Gold» verewigte, und der Goldfisch, dem der deutsche Maler Paul Klee eine Reihe von Gemälden widmete.

Agentur
sda
Donnerstag, 11. Juni 2020, 16:08 Uhr Bordeaux
«Die Frau in Gold» von Gustave Klimt spiegelt sich im «Bassins de Lumières». Foto: Sabine Glaubitz/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über die Ausstellung und nur mit vollständiger Nennung des…
«Die Frau in Gold» von Gustave Klimt spiegelt sich im «Bassins de Lumières». Foto: Sabine Glaubitz/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über die Ausstellung und nur mit vollständiger Nennung des…
Keystone/dpa/Sabine Glaubitz

Im französischen Bordeaux hat ein ehemaliger deutscher U-Boot-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg eine neue Bestimmung gefunden: Auf rund 11 000 Quadratmetern Projektionsfläche werden Multimedia-Kunstausstellungen zwischen etwa 16 Meter tiefen Wasserbecken präsentiert.

Der Startschuss der «Bassins de Lumières» in dem insgesamt über 40 000 Quadratmeter grossen Bollwerk wurde am Mittwoch mit zwei Schauen gegeben: «Gustav Klimt, von Gold und Farben» sowie «Paul Klee, die Musik malen». Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde die ursprünglich für 17. April geplante Eröffnung des Zentrums für digitale Kunstschauen verschoben. Es soll weltweit die grösste dauerhafte Einrichtung seiner Art sein.

Klimts engumschlungenes Paar aus seinem Werk «Der Kuss» taucht auf, ebenso sein Gorilla aus «Die feindlichen Gewalten» aus dem berühmten Beethovenfries - eine Flut an Motiven und Bildausschnitten aus einigen der Meisterwerken des österreichischen Malers (1862-1918). Dazwischen Bilder von Künstlern wie Egon Schiele, die so wie Klimt zur Wiener Secession gehörten. Aus dem Hintergrund erklingt Wiener Musik. Denn Besucher sollen in den Kontext der damaligen Zeit eintauchen.

Man wolle Inhalte vermitteln, keinen Kitsch, sagte der Direktor der «Bassins de Lumières», Augustin de Cointet de Filain. Die Klimt-Schau dauert rund 35 Minuten, die zu Paul Klee 10 Minuten, dazwischen als Schnitt die Projektion eines U-Boots - ein Augenzwinkern in Richtung Vergangenheit.

Der U-Boot-Bunker ist einer der fünf Marine-Bollwerke, die die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs an der französischen Atlantikküste errichtet haben. Erbaut wurde er zwischen 1941 und 1943. Über 6500 Arbeiter wechselten sich beim Giessen von 600 000 Kubikmeter Beton ab. Wie in La Rochelle, Saint-Nazaire, Brest und Lorient hielten die Nazi-Bollwerke den alliierten Bombenanschlägen weitgehend stand. Da der Abriss der Masse unmöglich war, wurde der Bunker von verschiedenen Unternehmen unterschiedlichst genutzt, unter anderem auch für Festivals und Fotoausstellungen.

Betrieben wird das Zentrum von «Culturespaces», die mehrere Museen und Sehenswürdigkeiten in Frankreich verwalten, darunter die Zentren für digitale Kunstschauen in Paris und Les Baux-de-Provence bei Avignon. Mit seinen mehr als 11 000 Quadratmetern Projektionsflächen ist Bordeaux jedoch dreimal so gross wie Baux und fünfmal so gross wie Paris, das bereits ein Jahr nach seiner Eröffnung im April 2018 mehr als eine Million Besucher angezogen hat. Dort wird derzeit unter anderem «Monet, Renoir... Chagall» gezeigt. Aufgrund des Publikumserfolgs will «Culturespaces» 2021/22 jeweils in New York und Dubai Zentren eröffnen.

Die drei Einrichtungen sind nicht vergleichbar. In Paris werden die Kunstausstellungen in einer einstigen Giesserei präsentiert, in Baux-de-Provence in ehemaligen Steinbrüchen. «Die Schauen werden stark durch die geschichtsträchtigen Orte bestimmt», erklärte Augustin de Cointet de Filain. In Paris, das mit etwa 3300 Quadratmetern Projektionsfläche die kleinste Einrichtung ist, liege der Schwerpunkt mehr auf den Details der Bildelemente, in Bordeaux könne man die Werke und Motive spektakulär vergrössern. So wie Adele Bloch-Bauer.

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