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Schriftstellerin Despentes prangert Rassismus in Frankreich an

Die französische Schriftstellerin Virginie Despentes hat in einem offenen Brief Rassismus in Frankreich und die Ignoranz vieler Weisser angeprangert.

Agentur
sda
Donnerstag, 04. Juni 2020, 14:36 Uhr Paris
ARCHIV - Die französische Autorin Virginie Despentes sitzt während eines Interviews an einem Tisch. Despentes hat in einem offenen Brief Rassismus in Frankreich und die Ignoranz vieler Weißer angeprangert. Foto: Juan Carlos Hidalgo/EFE/EPA/dpa
ARCHIV - Die französische Autorin Virginie Despentes sitzt während eines Interviews an einem Tisch. Despentes hat in einem offenen Brief Rassismus in Frankreich und die Ignoranz vieler Weißer angeprangert. Foto: Juan Carlos Hidalgo/EFE/EPA/dpa
Keystone/EFE/EPA/Juan Carlos Hidalgo

«In Frankreich sind wir keine Rassisten, aber seit 25 Jahren veröffentliche ich Bücher und habe nur einmal die Fragen eines schwarzen Journalisten beantwortet», schreibt die 50-Jährige in einem Brief, den der Sender France Inter am Donnerstag veröffentlichte.

«Das letzte Mal, als ich um meine Papiere gebeten wurde, war ich mit einem Araber unterwegs», so die Autorin, die unter anderem für ihren Roman «Baise-moi – Fick mich» bekannt ist. Sie sass einige Jahre in der Jury des renommierten Literaturpreises Prix Goncourt.

«Ich kann nicht vergessen, dass ich eine Frau bin. Aber ich kann vergessen, dass ich weiss bin», so Despentes. Wer nicht weiss sei, habe diese Wahl in Frankreich nicht. Sie könne jeden Tag ohne Ausweis das Haus verlassen, bemerke die Polizei in der Stadt gar nicht. «Das ist das Weisssein. Je nach Laune darüber nachdenken oder nicht darüber nachdenken. In Frankreich sind wir nicht rassistisch, aber ich kenne keinen einzigen Schwarzen oder Araber, der diese Wahl hat.»

«Gerechtigkeit für Adama. Gerechtigkeit für diejenigen, die nicht weiss sind», schreibt sie weiter und spielt auf den Fall des 2016 in Polizeigewahrsam gestorbenen Adama Traoré an. Seine Schwester hatte am Dienstag zu einer grossen Demonstration in Paris aufgerufen - Tausende gingen auf die Strasse.

Der Fall weist Parallelen zum gewaltsamen Tod von George Floyd in den USA auf. Die Anwälte der Familie sagen, Polizisten hätten Traoré zu Boden gedrückt und ihm die Luft abgeschnitten. Gutachten der Justiz machen eine Herzerkrankung für den Tod verantwortlich.

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