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Zwei grosse Namen zu ungewohnter Zeit

Ausserplanmässig ist die Galerie Monica de Cardenas in Zuoz bereits im Mai geöffnet und zeigt Arbeiten von Alex Katz und Francesca Gabbiani.

Südostschweiz
Donnerstag, 21. Mai 2020, 04:30 Uhr Galerie
Die Galeristin Monica de Cardenas

Spezielle Umstände erfordern spezielle Massnahmen und so hat sich die in Zuoz und Mailand beheimatete Galeristin Monica de Cardenas entschlossen, ihre Galerie diesmal auch im Mai und Juni regulär zu öffnen. Andere Galerien wie Karsten Greve in St. Moritz und Tschudi in Zuoz hingegen begrüssen Besucher vorerst nur nach Vereinbarung.

Im Gegensatz zum Unterland dürfte aber der Shutdown für die Mehrzahl der Galerien im Tal kein allzu grosses Problem gewesen sein. Im Engadin schliessen diese in der Regel in der auslaufenden Wintersaison oder eben spätestens nach Ostern, um erst wieder für die Sommersaison Ende Juni/Anfang Juli neue Ausstellungen zu präsentieren.

Spontaner Entschluss

«Ich denke in diesem speziellen Jahr gerade auch an einheimische Besucher, die ihre Ferien im Tal verbringen und sich im Mai und Juni vielleicht über ein kulturelles Angebot freuen», erklärt de Cardenas bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung ihren Entschluss, bereits im Mai zu öffnen und eine spezielle Ausstellung zu zeigen. Vermutlich wäre die Kombination Alex Katz und Francesca Gabbiani unter normalen Umständen nicht zustande gekommen. Aber gerade durch die Verschiedenartigkeit der beiden Künstler entsteht ein interessantes Spannungsfeld, welcher den Blick schärft für das jeweils andere und dessen spezifische Qualitäten.

Gewalt des Feuers

Francesca Gabbiani, geboren 1965 in Montreal, lebt in Los Angeles und studierte in Genf. Sie wurde dreimal in Folge mit dem Eidgenössischen Kunstpreis ausgezeichnet. Ihre Werke werden weltweit ausgestellt und sind in bedeutenden Sammlungen vertreten. In Zuoz sind Arbeiten aus ihrem neuesten Werkkomplex zu sehen, der von den Waldbränden ihrer Heimat Kalifornien inspiriert ist und ihr beim Verarbeiten dieser Naturkatastrophe in unmittelbarer Nähe geholfen hat. Leicht abstrahiert stellt sie die Gewalt des Feuers und die dadurch entstehenden Verwandlungen in der Natur mit farbiger Tusche, Airbrush-Technik und Papier dar.

Auf den ersten Blick ist man von der Ausdrucksstärke der Arbeiten begeistert und erst bei näherer Betrachtung entdeckt man die Mixed-Media-Technik mit ihren verschiedenen Schichten, die den Bildern Dreidimensionalität und eruptive Kraft verleihen. Der Künstlerin geht es um fragiles Gleichgewicht, um Veränderung, Verletzlichkeit und Zerstörung. Diese Anliegen vermittelt sie eindringlich und intensiv, ebenso dekorativ, wie verstörend.

Der Altmeister

Alex Katz, der weltberühmte Altmeister mit Jahrgang 1927, fasziniert immer wieder mit seinem eigenen unvergleichlichen Stil, durch den es ihm gelang, Abstraktion und Realismus der amerikanischen Nachkriegskunst zu verbinden. Seine plakativ wirkenden, meist grossformatigen Arbeiten beschränken sich auf das Wesentliche, bestechen durch Farbe und einfache dominierende Motive, bei denen es sich oft um starke Frauen mit Charakter und Persönlichkeit handelt.

Diese wirken auf den ersten Blick seltsam distanziert und kühl, entwickeln aber bei näherer Betrachtung intensive Aussagen und ermöglichen, ja erfordern emotionalen Austausch. Gut lässt sich das bei dem Porträt von Ada, der Ehefrau von Katz, im Eingangsbereich der Galerie nachprüfen, aber auch bei «CK 13», das eine junge Frau im BH mit einem herausfordernden Blick der Überlegenheit zeigt.

Eindrücklich vermittelt die Ausstellung die Arbeitsweise von Katz. Er beginnt mit einer Zeichnung direkt vom Modell, malt dann einen «Oil-Sketch», ein kleines Ölbild, und überträgt den Entwurf wiederum auf Papier. De Cardenas zeigt zwei dieser sogenannten «Cartoons». Wie schon Raffael bei seinen Fresken nutzt Katz diese Cartoons zum Übertragen auf die Leinwand, indem er die Umrisse perforiert und Farbe durchdrückt. Anschliessend malt er in Öl in der «Nass-in-Nass-Technik» das endgültige Bild während eines einzigen Tages.

Ausstellung Francesca Gabbiani und Alex Katz: zu sehen bis zum 20. Juli. Galerie Monica de Cardenas, Chesa Albertini, Zuoz. www.monicadecardenas.com

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