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Geschlossene Grenzen bedrohen St. Galler Festspiele

Trotz des Abbruchs der regulären Saison wegen der Corona-Krise hofft das Theater St. Gallen weiter auf die Rettung der Festspiele. Bleiben die Grenzen geschlossen, droht aber die vollständige Absage und ein finanzielles Loch.

Agentur
sda
Mittwoch, 06. Mai 2020, 09:04 Uhr St. Gallen
Szenenbild aus der Verdi-Oper "Il trovatore", aufgenommen im Juni 2019 auf dem St. Galler Klosterplatz. Diesen Sommer gibt es in St. Gallen wegen der Corona-Pandemie sicher keine Open-air-Festspiele. Das Theater St. Gallen hat die Oper ins Theater…
Szenenbild aus der Verdi-Oper "Il trovatore", aufgenommen im Juni 2019 auf dem St. Galler Klosterplatz. Diesen Sommer gibt es in St. Gallen wegen der Corona-Pandemie sicher keine Open-air-Festspiele. Das Theater St. Gallen hat die Oper ins Theater…
KEYSTONE/EDDY RISCH

Nach dem Lockdown des Bundesrates vom 13. März zur Eindämmung des Coronavirus sagten Konzert und Theater St. Gallen sämtliche Theatervorstellungen und Konzerte ab. Mit einer Ausnahme: «Wir wollen uns nach dem Abbruch der regulären Saison die Festspiele als letzte Option so lange als möglich offenhalten», sagt Werner Signer, geschäftsführender Direktor Konzert und Theater St. Gallen, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die 15. St. Galler Festspiele sollen vom 26. Juni bis zum 10. Juli stattfinden; neben der Oper sind das Tanzstück «Gegen den Strom» und verschiedene Konzerte geplant. Die Oper «Stiffelio» von Giuseppe Verdi wird sicher nicht auf dem Klosterplatz aufgeführt. Statt dessen soll «Stiffelio» in einer szenischen Aufführung im Theater gesungen werden. «Mit der Verlegung konnten wir die Festspieloper sichern, weil das Theater deutlich weniger Plätze als die Festspieltribüne hat», so Signer.

Keine Abstriche

Das künstlerische Niveau der Oper werde im Theater genau gleich sein, betont Werner Signer: «Von Abstrichen kann nicht die Rede sein.» Es würden die gleichen namhaften Künstlerinnen und Künstler auftreten, und das Leitungsteam sei seit März daran, Lösungen für die Umsetzung im Haus zu finden.

Ab dem 8. Juni darf grundsätzlich wieder Theater gespielt werden. «Wir hätten uns gewünscht, dass der Bundesrat auch für den Kulturbereich konkretere Angaben gemacht hätte», sagt Signer. Unklar bleibe jedoch, wie viele Besucher zugelassen sind. Es heisse lediglich, bis auf weiteres seien auch Veranstaltungen mit unter 1000 Besuchern verboten.

Der Schweizerische Bühnenverband und orchester.ch haben gemeinsam eine Arbeitsgruppe gebildet, in der auch Konzert und Theater St. Gallen vertreten ist. Die Arbeitsgruppe soll abklären, unter welchen Bedingungen der Theater- und Konzertbetrieb wieder möglich ist. Erste Resultate erwartet Signer bis Anfang nächster Woche: «Im Hinblick auf den Bau des Bühnenbildes und auf die Probenarbeit müssen wir spätestens bis Mitte Mai entscheiden, ob die Festspiele stattfinden können oder nicht.»

Ticketverkauf läuft weiter

Entscheidend ist, ob die Künstlerinnen und Künstler einreisen können. Für den Stiffelio-Hauptdarsteller Dimitris Paksoglou aus Griechenland beispielsweise sei die Möglichkeit der Anreise alles andere als gesichert. «Wenn die Grenzen geschlossen bleiben, können wir die Festspiele nicht durchführen, selbst wenn wir offiziell spielen dürften», sagt Signer weiter. Bei einer vollständigen Absage müssten die Gagen teilweise ausbezahlt werden.

Der Ticketverkauf für die Festspiele läuft weiter. Zahlreiche Festspielfreunde, die nicht schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie gebucht haben, hätten angesichts der Ungewissheit der letzten zwei Monate zugewartet. Müssten alle drei Pfeiler der St. Galler Festspiele - also die Oper, der Tanz und die Konzerte - abgesagt werden, geht der Theater-Direktor von einem Ausfall in einem «tiefen siebenstelligen Betrag» aus.

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