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Spiel mit der Perspektive: Künstler Markus Raetz ist gestorben

Der renommierte Berner Gegenwartskünstler Markus Raetz ist mit fast 79 Jahren gestorben. Der Maler, Zeichner und Objektkünstler hat in seinem umfangreichen Werk immer wieder die gewohnte Wahrnehmung unterlaufen.

Agentur
sda
Mittwoch, 15. April 2020, 16:00 Uhr Bern
Der Schweizer Gegenwartskünstler Markus Raetz war ein Meister im Spiel mit der Wahrnehmung. Jetzt ist er fast 79-jährig gestorben. (Archivbild)
Der Schweizer Gegenwartskünstler Markus Raetz war ein Meister im Spiel mit der Wahrnehmung. Jetzt ist er fast 79-jährig gestorben. (Archivbild)
Keystone/ALESSANDRO DELLA BELLA

Am Dienstag ist der am 6. Juni 1941 in Büren an der Aare geborene Künstler gestorben. Ein naher Mitarbeiter von Raetz bestätigte am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA eine Meldung von SRF 2 Kultur.

Für Raetz stand nicht das Dargestellte an sich, sondern die Art der Wahrnehmung im Vordergrund. So sind seine Skulpturen oder Installationen nicht statisch, sondern sie verändern sich, etwa indem sie mit einem Motor in Bewegung gesetzt sind oder indem sich die Perspektive ändert, wenn der Betrachter sie umrundet.

So sieht man beispielsweise in Raetz' «Hasenspiegel», einem Objekt aus Draht mit einem Spiegel, auf den ersten Blick einen Hasen; verändert die Betrachterin ihren Standpunkt, dann erscheint unversehens ein Mann mit Hut.

International bekannt ist Raetz indes nicht nur mit seinen Objekten, sondern auch mit seinen Druckgrafiken. Auch hier spielt er mit wechselnden Formen. Dass für Raetz beides, Objekt und Druckgrafik, zusammengehört, zeigte etwa eine grosse Ausstellung im Kunstmuseum Bern im Jahr 2014.

«Mit Markus Raetz verliert die Schweiz einen der wichtigsten Gegenwartskünstler», würdigt denn auch Bundesrat Alain Berset den Verstorbenen. Raetz habe vor Augen geführt, «wie fragil unsere Gewissheiten sein können. Seine Kunst treibt ein kreatives und zugleich ernsthaftes Spiel mit der Art, wie wir die Welt wahrnehmen», so Berset.

Einzelausstellungen weltweit

Markus Raetz arbeitete seit 1963 als freischaffender Künstler, nachdem er bei Biel als Primarlehrer gearbeitet hatte. Unter anderem prägend für ihn war in den 1960er Jahren der Kontakt zur Kunsthalle Bern, damals unter der Leitung von Harald Szeemann und dessen Assistenten Jean-Christophe Ammann. 1969 war Raetz in Szeemanns wichtiger Ausstellung «When Attitudes Become Form» in der Kunsthalle Bern vertreten. Bereits 1968 hat er erstmals an der Dokumenta in Kassel teilgenommen.

Museen in der Schweiz und weltweit widmeten Raetz Einzelausstellungen, so beispielsweise 1972 das Kunstmuseum Basel, 1977 das Bienal de São Paulo, 1979 das Stedelijk Museum Amsterdam, in den frühen 1980er Jahren das Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris oder der Frankfurter Kunstverein. Es folgten Einzelausstellungen in Stockholm, in New York, San Diego oder London. 2016 mit der Ausstellung im Museo d’Arte della Svizzera italiana (MASI) in Lugano waren seine Werke erstmals südlich der Alpen zu sehen.

Werke von Raetz befinden sich etwa im Kunstmuseum Bern, im Kunstmuseum Basel oder im Kunstmuseum Solothurn, aber auch im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt oder im Museum of Modern Art in New York.

2004 wurde Raetz mit dem Gerhard-Altenbourg-Preis und 2006 mit dem Meret-Oppenheim-Preis ausgezeichnet.

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