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Auf den Spuren eines Wandermalers

Das Davoser Heimatmuseum ehrt den Wandermaler, Chronisten und Schulmeister Hans Ardüser mit einem «Ardüserstübli». Am Sonntag ist Vernissage.

Südostschweiz
Freitag, 03. Januar 2020, 04:30 Uhr Davoser Heimatmuseum
Bilder und Fakten: Kurator Peter Dalbert präsentiert das «Ardüserstübli» im Heimatmuseum in Davos.
OLIVIA AEBLI-ITEM

«Iquidebit es qui noObis alit, ces qasdsd uptate.»

Vor etwa zwei Jahren sei er angefragt worden, ob er Interesse an einer Sonderausstellung zum in Davos geborenen Wandermaler Hans Ardüser habe, erzählt der Kurator des Heimatmuseums Davos, Peter Dalbert. «Thema war eine permanente Ausstellung.» Im Frühling 2019 nahm Dalbert das Projekt in Angriff und richtete mit zwei grossen Bildtafeln und Publikationen zu den Werken des Malers das «Ardüserstübli» im Museum ein. Am kommenden Sonntag wird es nun dem Publikum präsentiert.

Schulmeister und Maler

Wo genau in Davos das Geburtshaus des wandernden Malers, Schulmeisters und Chronisten Hans Ardüser (1557–1617) stand, ist nicht bekannt. «Vermutlich war es der Hof Ardüsch in Davos-Glaris», erklärt Dalbert. Er habe mit dem Initiator der Ausstellung, dem Ardüser-Forscher Walter Müller, nach Spuren gesucht, aber leider keine mehr gefunden. Auch in seiner Biografie, der «Rätischen Chronik», schreibe Ardüser nichts über seine Jugend. Sicher ist aber, dass er in einer kinderreichen Familie aufwuchs. Sein Vater, Hans Ardüser der Ältere, war Baumeister. Dessen handwerkliches Meisterwerk, die «Grosse Stube» im Rathaus in Davos, ist heute noch erhalten. Es war auch sein Vater, der den späteren Wandermaler schon früh in die Lateinschule nach Chur schickte. Eine schwere Zeit sei es gewesen, hielt der Sohn später fest.

Nach einem anschliessenden kurzen Studienaufenthalt in Zürich kehrte Ardüser nach Graubünden zurück und trat in Maienfeld seine erste Stelle als Schulmeister an. Er beschloss dann aber, seiner Neigung zum Malen nachzugehen und liess sich erst in Feldkirch, später als Geselle des Fassadenmalers Franz Appenzöller ausbilden.

Zu Fuss durch den Kanton

Als selbstständiger Maler arbeitete Ardüser im Winter als Schulmeister, im Sommer zog er zusammen mit seiner Frau Menga Malet aus Lantsch, die er im Jahr 1583 geheiratet hatte, zu Fuss durch den Kanton Graubünden. Die beiden führten ein ärmliches Leben voller Entbehrungen. Arbeit gab es oft wenig. Aufträge und Ausgaben hielt Ardüser minutiös in seiner Chronik fest. Im Jahr 1594 notierte er: «… wandlet uberal … unnd han nit mehr als 45 Guldi gwunnen.»

Zwischen 1583 und 1586 wohnte das Paar in Thusis. In dieser Zeit bemalte Ardüser die Fassade des Hauses Tscharner in Rothenbrunnen, wo er neben das Tscharnerwappen den heiligen Georg als Sieger im Kampf gegen einen schwungvoll dargestellten Drachen platzierte. Im Jahr 1597 konnte er als Reformierter die katholische Kirche St. Maria Krönung in Tomils mit Wandmalereien ausstatten.

Rund 20 Fresken sind erhalten

Rund 150 Häuser und Kirchen schmückte der Wandermaler zu Lebzeiten im Kanton Graubünden mit Fresken. Etwa 20 davon sind noch erhalten. So zum Beispiel ein Wohnhaus in Filisur, ein Doppelwohnhaus in Alvaschein, in Andeer das bekannte Haus Capol und das Haus Gees in Scharans. Ardüser war aber auch in der Surselva und im Prättigau unterwegs. Zeugen seiner Arbeit sind Malereien in Pigniu oder in der Kirche Sogn Glieci in Siat.

Schlösser und Herrenhäuser gehörten ebenfalls zu Ardüsers Arbeitsplätzen. Im Schlössli Parpan verewigte er den Hausherren Oberst Hartmann von Hartmannis und das Festmahl des Herodes. Im Schloss Rhäzüns verzierte er den Rittersaal mit Rankenwerk und Familienwappen. Vereinzelt sind auch Werke im Prättigau von ihm zu finden. So wurden ihm zugeschriebene Fresken in Luzein im Jahr 1969 mit Unterstützung der Denkmalpflege restauriert.

Die Motive für seine Malereien übernahm das vielseitige Talent Ardüser oft aus Chroniken, Tierbüchern und religiösen Schriften. Er interpretierte sie in Form von bunten, unbekümmerten und naiven Darstellungen. Räumliche Perspektiven schienen ihm wenig vertraut. Auch menschliche Proportionen gab er oft nicht korrekt wieder. Sein Werk wurde deshalb auch lange kritisch beurteilt.

Dem hielt der Literaturwissenschafter Paul Emanuel Müller im Jahr 2012 in der «Terra Grischuna» entgegen: «Seine Grösse besteht darin, nicht gross, sondern Hans Ardüser zu sein.» Diesem Menschen und Maler widmet das Heimatmuseum Davos nun das «Ardüserstübli».

Eröffnung «Ardüserstübli»: Sonntag, 5. Januar, 15 Uhr, Heimatmuseum Davos, Museumsstrasse 1, Davos-Dorf. Weitere Informationen unter www.heimatmuseum-davos.ch.

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