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«Unsere ganze Energie ist da reingeflossen»

Die Bündner Rapgruppe Breitbild feiert ihr 20-Jahr-Jubiläum am kommenden Samstag mit einem Konzert in der Churer Stadthalle. Erwartet werden rund 6000 Besucher.

Valerio
Gerstlauer
Dienstag, 05. November 2019, 04:30 Uhr 20 Jahre Breitbild
Die Breitbild-Crew: Claudio Candinas, Valerio Priuli, Andri Perl und Thom Businger (von links) posieren auf dem Mühleturm in Chur.
CHRISTIAN RITZ

Sie alle waren ungefähr 15 Jahre alt, als sie 1999 Breitbild gründeten: die über ein Dutzend Churer Jugendlichen, die sich dem Schweizer Mundart-Rap verschrieben hatten. Bald darauf kristallisierte sich die Breitbild-Formation heraus, die bis heute in dieser Konstellation existiert.

Am Samstag laden die Rapper Claudio Candinas, Andri Perl, Valerio Priuli und Thom Businger zum Jubiläumskonzert in die Churer Stadthalle. Im Interview blickt Candinas auf die Geschichte der Gruppe zurück und verrät Details zum grossen Auftritt.

Herr Candinas, Sie feiern heuer zusammen mit Ihren drei Rapkollegen Andri Perl, Valerio Priuli und Thom Businger das 20-Jahr-Jubiläum von Breitbild. Woraus besteht der Kitt, der Sie vier zusammenhält?

Claudio Candinas: Das fragen wir uns ab und zu auch. Bei uns ist es so, dass aus einer Freundschaft heraus eine Band gewachsen ist. Ich denke, das ist der Grund, dass unsere Gruppe noch immer besteht. Breitbild war nie eine Zweckgemeinschaft. Diese Freundschaft macht uns aus – das sagen auch Musiker aus unserem Umfeld. Wir waren immer Freunde, auch in den sechs Jahren, als wir vor dem letzten Album musikalisch kaum aktiv waren. In dieser Zeit waren wir trotzdem immer zusammen unterwegs.

Was hat diese Freundschaft beziehungsweise den Zusammenhalt der Gruppe am stärksten auf die Probe gestellt?

Nach unserer Ausbildung wurden wir zu Arbeitnehmern, Selbstständigen und Familienvätern: Das birgt automatisch Herausforderungen. Ausserdem hatte für uns alle die Familie stets Vorrang. Darunter leidet logischerweise die Zeit, die uns für Breitbild zur Verfügung steht. Ich würde also sagen, dass die Zeit für uns immer die grösste Herausforderung war. Auch jetzt bei der Vorbereitung aufs Jubiläumskonzert. Wir mussten bereits vor einem Jahr die Probedaten festlegen, damit wir genügend Termine finden.

Können Sie sich erklären, weshalb Breitbild nach wie vor grosse Erfolge verbuchen kann – zuletzt mit dem 2016 erschienenen Album «Breitbild», das auf Platz 1 der Schweizer Hitparade landete?

Wir machten uns immer rar. Unser Geheimrezept ist, dass wir uns nicht zu Tode spielen. Wenn wir in Erscheinung treten, gibt es immer etwas Neues für die Hörer. Daran haben sich die Leute gewöhnt. Wir machten zudem in jeder Lebensphase die Musik, die zu uns gepasst hat, die unsere Lebenswelt gespiegelt hat. Die Hörer sind in dieser ganzen Zeit mit uns mitgewachsen und konnten sich jeweils auch mit unserem Sound identifizieren.

Wie zuversichtlich dürfen die Breitbild-Fans sein, Sie auch weiterhin auf Ihrem Lebensweg begleiten zu können? Liegen weitere Alben im Bereich des Möglichen?

Wir haben noch nie grosse Ankündigungen gemacht, was die Musik betrifft. Im zurückliegenden Jahr hat uns die Planung des Jubiläumskonzerts extrem in Anspruch genommen. Unsere ganze Energie ist da reingeflossen. Was danach kommt, steht wie eigentlich immer in den Sternen. Aber hätten wir nicht weiterhin Freude an der Musik, würden wir auch nicht das Jubiläumskonzert ausrichten.

Können Sie erzählen, wie Breitbild Ende der Neunzigerjahre in Chur entstanden ist?

Es fing relativ simpel an: Andri Perl und ich gingen in der Bündner Kantonsschule in die gleiche Klasse, und Valerio Priuli besuchte die Parallelklasse. Unser gemeinsamer Nenner war Rapmusik aus der Schweiz und Deutschland. An einem Kanti-Fest lernten wir dann Thom Businger kennen, der damals auf einer Bank in Chur gearbeitet hat. Thom hatte eine eigene Gruppe: die Swiss Crew. Diese trafen wir in deren Übungsraum und in unserem eigenen «Rüümli», wo wir Platten und Mixtapes hörten. Irgendwann fanden wir, dass der Mundart-Rap genau unser Ding ist und wir selber damit anfangen sollten. Durch den Zusammenschluss freestylten so anfangs jeweils rund 15 Jungs miteinander. Gimma holte uns dann 2002 erstmals ins Studio und prophezeite uns, dass wir nie und nimmer so viele Rapper bleiben würden. Er behielt recht: Rasch kristallisierte sich Breitbild in der heutigen Form heraus, denn nicht alle konnten oder wollten so viel Zeit in die Gruppe investieren.

Kommen wir zum Jubiläumskonzert in der Churer Stadthalle, das seit Juni ausverkauft ist. Erwartet werden knapp 6000 Zuschauer. Sind das mittlerweile Fans aus zwei Generationen?

Schwierig zu sagen – aber wir wissen, in welchen Regionen die Tickets gekauft wurden. Der Grossteil der Karten ging in der ersten Verkaufswelle vor allem an Leute in Zürich, Aargau, Luzern, Bern sowie im Tessin. Später sicherten sich die Bündner ihre Plätze. Als sich abzeichnete, dass die Tickets schnell weggehen, griffen dann auch die Churer zu (lacht). Ob darunter viele Junge sind, sehen wir dann am Konzert.

Etliche Fans dürften leer ausgegangen sein. Wird für sie das Konzert aufgezeichnet?

Wir haben ein Kamerateam vor Ort, um das Konzert live auf unserer Facebook-Site und unserer Website zu streamen. Ausserdem werden verschiedene Radiosender wie SRF 3 und RTR das Konzert in den kommenden Wochen ausstrahlen.

Was können Sie zum Ablauf der Show verraten?

Es gibt eine Show, die die Leute noch nie so von uns gesehen haben. Wir haben uns einiges überlegt. Jedoch werden wir die Leute nicht vor den Kopf stossen. Ich bin sicher, dass sich das Publikum rasch wohlfühlen wird. Es bleibt eine Breitbild-Show, denn es hätte wenig gebracht, alles auf den Kopf zu stellen. Die Leute haben uns auch zu verstehen gegeben, dass sie an unserem Jubiläum mit uns darauf anstossen wollen. Wir nehmen die Zuhörer also mit auf eine Art Zeitreise, die einige Überraschungen bereithält. So entsteht die grösste Show, die wir je gegeben haben.

Als Vorgruppe wird der Churer Singer-Songwriter Kaufmann auftreten. Weshalb er?

Alle Mitglieder von Breitbild sind riesige Fans von Kaufmann. Er ist ein grossartiger Charakter, macht hervorragende Musik und passt einfach zu Chur. Uns war zudem klar, dass wir keinen Rapmarathon veranstalten wollen. Mit der Pop-Rock-Band Plasma als Vorgruppe machten wir auf unserer vorletzten Tour gute Erfahrungen – das war schon damals ein Stilbruch.

Wie heftig wird bei Breitbild die After-Show-Party nach dem Jubiläumskonzert ausfallen?

Mein Gott (lacht). Wir haben sicher vor zu feiern, denn unsere Familien und viele Leute, die wir schon lange nicht mehr gesehen haben, werden dort sein. Entweder wird die Feier unglaublich brutal, oder wir gehen alle direkt ins Bett (lacht). Aber wie es eben so ist: Man feiert mit Mitte 30 nicht mehr ganz so exzessiv wie mit Anfang 20 – das ist aber auch völlig in Ordnung so.

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