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41. Solothurner Literaturtage bleiben knapp unter Vorjahresrekord

Den Schlusspunkt unter die 41. Ausgabe der Solothurner Literaturtage haben am Sonntag Thomas Hürlimann, Tabea Steiner und Rolf Hermann sowie der Spoken-Word-Künstler Dalibor Markovic gesetzt.

Agentur
sda
Sonntag, 02. Juni 2019, 18:40 Uhr Solothurn
Reto Müller liest auf einer Aussenbühne während einer Vorlesung bei den Solothurner Literaturtagen, am Sonntag, 2. Juni 2019, in Solothurn.
Reto Müller liest auf einer Aussenbühne während einer Vorlesung bei den Solothurner Literaturtagen, am Sonntag, 2. Juni 2019, in Solothurn.
KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Für die drei Tage des Festivals sind in diesem Jahr leicht weniger Literaturfans nach Solothurn gereist als im vergangenen Jubiläumsjahr.

«Die Atmosphäre war ausgelassen und kollegial», so resümiert Reina Gehrig, Geschäftsführerin der Solothurner Literaturtage, die Rückmeldungen, die sie von den Autorinnen, Übersetzern, Spoken-Word-Künstlerinnen und Branchenvertretern erhalten hat. Insgesamt mehr als 70 Künstlerinnen und Künstler standen auf dem Programm.

Hochgerechnet 17'800 Besucherinnen und Besucher haben vom 31. Mai bis 2. Juni die rund 200 Veranstaltungen im Rahmen der Solothurner Literaturtage besucht. Das waren rund 200 Besucher weniger als im letzten Jahr; 2018 hatte das Literaturfestival sein 40. Jubiläum gefeiert und deshalb rekordhohe Publikumszahlen vermeldet.

Nicht eingerechnet in diese Zahlen ist das so genannte «Literarische Flanieren». Abends konnten Literaturfans durch Solothurns Altstadt und Gastroszene ziehen; geboten wurden literarische, musikalische und interaktive Veranstaltungen. «Da hatten wir in diesem Jahr mehr Publikum als im Vorjahr», sagte Gehrig gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Allerdings hat es das Wetter während des ganzen Festivals auch besonders gut gemeint. Und so war denn auch die Literaturtage-Disco am späten Samstagabend ein besonderes Highlight für Gehrig: «Alle Autoren am Tanzen, das war schön.»

Besonders lange Publikumsschlangen haben sich vor der Veranstaltung mit dem deutschen Starautor Ferdinand von Schirach gebildet, der mit seinen autobiografischen Erinnerungen «Kaffee und Zigaretten» nach Solothurn gekommen war. «Publikumsrenner waren darüber hinaus die Lesungen von Angelika Overath, von Julia von Lucadou und von Martin R. Dean», sagte Gehrig.

Und: «Uns wurde klar, dass der ganze Bereich Spoken Word im nächsten Jahr sicher mehr Platz braucht.» Auch hier sei der Andrang riesig gewesen. Darüber hinaus hätten sich Lyriker, die normalerweise vor kleinem und Kleinstpublikum lesen, begeistert, «dass sie hier für einmal vor hundert Leuten lesen konnten», sagte Gehrig.

Für 2020 Sibylle Berg vorgesehen

Im Vorfeld der Literaturtage hatte die Programm-Kommission das literarische Schaffen, das in Solothurn präsentiert werden sollte, als «weiblicher und häufig dystopisch» charakterisiert. Beide Merkmale wurden an eigenen Podien diskutiert. Vor allem die düsteren Zukunftsentwürfe mit einer kritischen Sicht auf die Gegenwart seien mehreren Autorinnen und Autoren ein Anliegen gewesen. «Dystopien treiben die Autoren um und mussten deshalb verhandelt werden», so Gehrig.

Auf dem Podium am Samstag sassen dann neben der deutschen Autorin Karen Duve und dem Literaturprofessor Philipp Theisohn die Autorin Julia von Lucadou und der Autor Heinz Helle. Ihre beiden Romane «Die Hochhausspringerin» (von Lucadou) und «Die Überwindung der Schwerkraft» (Helle) waren im letzten Jahr bereits für den Schweizer Buchpreis nominiert und zählen somit eher zu den älteren und bereits breit diskutierten Werken im Programm.

Kein Thema war indes eine Neuerscheinung aus diesem Jahr: Sibylle Berg mit «GRM. Brainfuck». «Es gehört zu unserem Konzept, dass wir jedes Buch lesen, bevor wir auswählen, was dann aufs Programm kommt», sagte Gehrig.

Für die aktuelle Ausgabe der Solothurner Literaturtage hatte die Programm-Kommission 300 Bücher auf dem Tisch; kurz nach Weihnachten war klar, welche Autorinnen und Autoren eingeladen werden. Wegen dieser Langfristigkeit, sei es «für Berg noch in diesem Jahr einfach zu spät» gewesen. «Für nächstes Jahr wird sie gelesen,» so Gehrig. Welche Werke darüber hinaus für das nächste Jahr zur Debatte stehen, lässt sie offen. «Wir beginnen jetzt, das Herbstprogramm zu bearbeiten.»

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