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Chur würdigt kulturelle Arbeit

Fünf Kulturschaffende hat die Stadt Chur am Freitagabend mit Anerkennungs- und Förderpreisen beglückt. Duri Bischoff, der sechste Preisträger, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Feier teilnehmen.

Valerio
Gerstlauer
Samstag, 18. Mai 2019, 04:30 Uhr Anerkennungs- und Förderpreis
Die Auserwählten: Ivo Bärtsch, Anita Jehli, Daniel Rohner, Ursina Trautmann und Adina Andres (von oben) dürfen sich freuen.
OLIVIA ITEM

Mit einem Blick in die Vergangenheit begann am Freitagabend der Reigen der Laudationes im Churer Rathaus. Die Gäste der diesjährigen Kulturpreisfeier der Stadt Chur reisten in Gedanken ins Jahr 1993. Dort nämlich verortete die Laudatorin Martina Mutzner den Beginn von Duri Bischoffs Karriere als Bühnenbildner. «Brigitte und Mathias Balzer hatten gerade das Churer Theater Alpodrom gegründet und suchten noch einen Bühnenbildner», erzählte Mutzner. «Duri behauptete, er könne das, und Mathias Balzer meinte, ja gut.» Dies sei ganz wichtig gewesen für alles, was danach gekommen sei.

Um die Jahrtausendwende wurde Bischoff Bühnenbildassistent am Zürcher Schauspielhaus. Bereits nach kurzer Zeit realisierte er sein erstes eigenes Bühnenbild. Das Stück erhielt verschiedene Auszeichnungen und wurde ans Berliner Theatertreffen eingeladen, wie Mutzner zu berichten wusste. «Dies war der Startschuss für seine folgenden Arbeiten als Bühnenbildner an den grossen deutschen Theaterhäusern.»

Seine national wie international erfolgreiche Arbeit als Bühnenbildner brachte Bischoff nun einen mit 4000 Franken dotierten Anerkennungspreis der Stadt Chur ein. Aus gesundheitlichen Gründen war Bischoff gestern Abend nicht in der Lage, die Auszeichnung persönlich entgegenzunehmen.

Voll des Lobes

Vier weitere Anerkennungspreise konnte Stadtrat Patrik Degiacomi anschliessend überreichen. Die Dirigentin und Cellistin Anita Jehli erhielt einen solchen insbesondere für ihr Engagement für die Orchestrina Chur. Rhetorisch fragte Laudatorin Karin Punzi, was eine gute Dirigentin für Qualitäten brauche. «Schlagtechnik, gutes Gehör, klare musikalische Vorstellung und das nötige Wissen, diese umzusetzen, Führungsqualitäten und Organisationstalent», antwortete Punzi gleich selbst. «All dies und noch viel mehr bringt Anita Jehli mit.» Sie hole alle da ab, wo sie stünden, einfühlsam und geduldig, streng und doch mit der nötigen Prise Humor.

Einblick in ihre langjährige Freundschaft gab Laudatorin Menga Dolf, als sie vom Leben und Schaffen des Fotografen Daniel Rohner berichtete. Dabei erfuhren die Anwesenden unter anderem, dass Rohner die zweitbesten Spaghetti Vongole der Welt kocht. Die besten gibt es laut Dolf in einer kleinen Trattoria in San Lorenzo, im Quartier hinter dem Bahnhof in Rom. Dort lebte Rohner von 1983 bis 1985. «Daniel Rohner ist nicht nur ein meisterlicher Koch und Insiderkenner von Rom: Er bekommt den Anerkennungspreis der Stadt Chur für seine künstlerische Arbeit, die er nebst all seinen vielfältigen Tätigkeiten immer kontinuierlich verfolgt hat», resümierte Dolf.

Gut als Minimalistin

Nach einem musikalischen Intermezzo durch die Jazz Friends Four kam die Theaterschaffende und Autorin Ursina Trautmann zu Ehren. Ihre Sprache sei klar, reduziert, sehr direkt, und es dürfe ruhig auch mal etwas provozieren, meinte Laudator Heinz Caflisch. «Darin ist sie Minimalistin, und darin ist sie gut.» In der Komplexität ihrer Überlegungen zu Raum und Zeit aber sei sie eine Asketin. «Eine, die sich stets selbst schult und die Ansprüche an sich immer höher setzt.»

Auf das vielseitige Schaffen des Tänzers, Choreografen und Regisseurs Ivo Bärtsch kam Laudator Ervin Janz zu sprechen. Er erklärte, wie stark das Tanztheater in Nürnberg Bärtsch geprägt hat und was ihm die Offenheit dort in Sachen Tanz und Theater bedeutet. Eine Einstellung, die Bärtsch als Leiter des Theaters am Lyceum Alpinum in Zuoz vermittelt. Die Anwesenden erfuhren ausserdem, dass Bärtsch an einem neuen Stück arbeitet. «Tredeschin Retg», ein altes Märchen aus dem Engadin, wird demnächst in Zuoz uraufgeführt. «Dann sind es also gar nicht Pirouetten, die dich am meisten fordern?», fragte Janz ebenfalls rhetorisch. Für Bärtsch sei die Schwierigkeit beim Tanz vielmehr, eine Geschichte zu erzählen. «Aber genau das interessiert ihn, und genau das kann Ivo Bärtsch.»

Förderpreis für Adina Andres

Den einzigen, ebenfalls mit 4000 Franken dotierten Förderpreis erhielt zum Abschluss der Feier die junge Grafikerin und Autorin Adina Andres, deren Erstpublikation «Harte Zeiten für Träumer» der städtischen Kulturkommission positiv aufgefallen war. Laudatorin Franca Caspani Menghini strich hervor, dass das Buch Andres geholfen habe, einen Teil ihrer inneren Schwere abzulegen. «Das Buch war ein Begleiter auf dem Weg der neu gewonnenen Leichtigkeit.» In den nächsten Tagen erscheint «Harte Zeiten für Träumer» in einem neuen Verlag. Aus diesem Anlass liest Andres am 28. Mai in der Buchhandlung Karlihof in Chur.

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