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Turbulente Zeiten für Churer Zeitungen

Die Bündner Kantonsbibliothek zeigt zurzeit eine Ausstellung über die Churer Pressegeschichte. Zu sehen sind Zeitungen vergangener Jahrhunderte. Unser Fotograf mit den Impressionen der Ausstellungseröffnung:

Daria
Joos
Dienstag, 07. Mai 2019, 04:30 Uhr 220 Jahre Churer Presse

Die Churer Pressegeschichte begann im Jahr 1799 mit der Erstausgabe der «Churer Zeitung». In den darauffolgenden 220 Jahren erschienen in der Stadt Chur insgesamt 22 deutschsprachige Pressetitel. Die Erstausgaben dieser Zeitungen sind zurzeit in der Bündner Kantonsbibliothek ausgestellt. Gestern Abend wurde die Ausstellung über die Churer Pressegeschichte von Kurator Hansmartin Schmid eröffnet.

Der Historiker und Journalist kennt die Geschichte hinter den Zeitungen. So sagte Schmid gestern kurz vor der Vernissage gegenüber Radio Südostschweiz: «Die erste Churer Zeitung hat der Buchdrucker Bernhard Otto aus Lindau herausgegeben.» Laut Schmid waren die Inhalte weniger politisch, sondern sie glichen anfangs mehr einem Amtsblatt: «Es wurde etwa über Marktberichte oder Fleischschatzungen berichtet.»

Nur für die politische Elite

Nach und nach sei die «Churer Zeitung» aber politischer geworden. «Es war eine sehr konservative, österreichfreundliche Zeitung», so Schmid. 1830 traten dann die liberalen Zeitungen auf den Platz, die sich für eine neue Verfassung und die Zuwendung zur Eidgenossenschaft einsetzten. Anders als Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dann auch vermehrt über Nachrichten im Inland oder den Kanton berichtet.

Drucker, Setzer, Redaktor und Verleger war vor 200 Jahren oftmals die gleiche Person, wie Schmid erklärte. «Diese Person hat sich vor allem politisch engagiert und wollte ihre Ideen vorantreiben.» Die Zeitung war nicht für die breite Bevölkerung gedacht: «Damals hat nur die politische Elite Zeitung gelesen.» Laut Schmid war die Geschichte der Churer Zeitungen stark mit dem politischen Zeitgeschehen verknüpft. «Oftmals wurden die Zeitungen zu Organen der Parteien – und dies bis 1970.» Danach lösten sie sich von den Parteien und wurden zu Forumszeitungen.

Schmid hat bei seinen Forschungen festgestellt: «Bündner waren berühmte Politiker, Juristen, Romanisten, Journalisten – aber weniger Naturwissenschaftler und teilweise schlechte Geschäftsleute.» So seien von den 22 seit 1977 erschienenen Zeitungen viele schnell in Konkurs gegangen.

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