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Kunstmuseum Luzern blickt auf umwälzende Gründungsjahre zurück

Das Kunstmuseum Luzern blickt zum 200. Geburtsjahr auf die Jahre vor und nach 1819 zurück: Die Ausstellung «Und die alten Formen stürzen ein» zeigt anhand von Werken aus der Sammlung, wie sich der gesellschaftliche Wandel der damaligen Zeit in der Kunst spiegelte.

Agentur
sda
Freitag, 08. März 2019, 14:38 Uhr Luzern
Die Kinder de Bauffremont sind auf dem gleichnamigen Gemälde aus dem Jahre 1782 mit Attributen des hochadeligen Standes ausgestattet.
Die Kinder de Bauffremont sind auf dem gleichnamigen Gemälde aus dem Jahre 1782 mit Attributen des hochadeligen Standes ausgestattet.
Kunstmuseum Luzern

Die Kunstgesellschaft Luzern, die rechtliche Trägerin des Kunstmuseums, war vor 200 Jahren selbst ein Kind des gesellschaftlichen Umbruchs, zu dem es nach der Französischen Revolution gekommen war. Trotz konservativer Reaktion hielten sich die neuen Ideale. Die aufkommende Zivilgesellschaft gründete Vereine und Kulturinstitutionen - in Luzern 1819 neben der Kunstgesellschaft auch die Maskenliebhabergesellschaft oder die Stadtmusik.

Die Kunstgesellschaft war als Künstlergesellschaft gegründet worden. Ihre Mitglieder malten selbst, es wurden auch Archive der Werke angelegt. Gleichzeitig sei die Gesellschaft aber auch sehr gesellig gewesen, sagte Museumsdirektorin Fanny Fetzer anlässlich der Vernissage vom Freitag.

Das Kunstmuseum nimmt das Jubiläumsjahr zum Anlass, auf die Jahrzehnte vor und nach der Gründung der Kunstgesellschaft zurückzublicken. Der Vergleich der älteren und der neueren Werke zeigt, wie fundamental sich die Gesellschaft verändert hat.

Sich den Perücken entledigt

Gut sichtbar ist dies etwa bei der Porträtmalerei. Auf den Porträts vor der Französischen Revolution stellen die Abgebildeten demonstrativ ihre kostbare Bekleidung und ihren Schmuck zur Schau. In der folgenden Epoche fehlt die adelige Opulenz: Inszenierte Nüchternheit und Bescheidenheit sollen nun bürgerliches Verantwortungsbewusstsein ausdrücken. Später nimmt das Bürgertum aber auch wieder die repräsentative Formen der Adelsporträts auf.

So malte 1786 Johann Melchior Wyrsch den Luzerner Patrizier und späteren Revolutionär Maurus Meyer von Schauensee im opulenten Stil auf einem steigenden Pferd. Auf einem Bild von Josef Reinhard lagert Joseph Fouché, Polizeiminister Napoleons, lässig in bürgerlichen Beinkleidern auf dem Boden in der freien Natur.

Rousseaus Einfluss

Auch bei den Kinderporträts lässt sich der gesellschaftliche Wandel und etwa der Einfluss von Jean-Jacques Rousseau ablesen. In Wyrschs Porträt der Kinder de Bauffremont von 1782 zeigt die Kinder als kleine Erwachsene und Hochadelige. In Reinhards Porträt einer bürgerlichen Familie aus Neuenburg von 1799 schmiegen sich die Kinder an die Eltern.

Vor 200 Jahren wurde die Schweiz auch als Land der Freiheit populär. Bilder mit Idyllen und erhabenen Bergen zeugen vom aufkommenden Schweizer Nationalbewusstsein, aber auch von der touristischen Vermarktung. Ein weiteres Thema der Ausstellung ist Italien, das als Sehnsuchtsland, als Land des ungezwungenen Lebens, von den Nordeuropäern entdeckt wurde.

Weitere Jubiläumsausstellungen

Die Ausstellung «Und die alten Formen stürzen ein» ist bis am 17. November zu sehen. Sie wird vom Juli bis Oktober mit einer Ausstellung von Werken J. M. W. Turners ergänzt werden. Der britische Landschaftsmaler hatte vor rund 200 Jahren die Schweiz mehrmals bereist und auch Luzern besucht.

Eine zweite aktuelle Ausstellung, «News!», die bis am 16. Juni zu sehen ist, befasst sich mit einem der Ziele, der sich die Kunstgesellschaft vor 200 Jahren verschrieben hatte: dem Sammeln. Sie zeigt Neuerwerbungen im Kontext mit Werken, die sich schon länger in der Sammlung befinden.

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