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Historischer Kinofilm trifft den Nerv der Zeit

Luther-Filme gibt es schon 19. Nun ist «Zwingli», der erste historische Spielfilm über den Zürcher Reformator, in den Schweizer Kinos angelaufen. Bei der Vorführung im Uzner Kino Rex waren Protagonisten des Films anwesend.

Linth-Zeitung
21.01.19 - 18:03 Uhr
Kultur
Informationen aus erster Hand: Produzentin Anne Walser, Regisseur Stefan Haupt und Hauptdarsteller Maximilian Simonischek (von links) beantworten dem Uzner Kinopublikum Fragen zu «Zwingli».
Informationen aus erster Hand: Produzentin Anne Walser, Regisseur Stefan Haupt und Hauptdarsteller Maximilian Simonischek (von links) beantworten dem Uzner Kinopublikum Fragen zu «Zwingli».
Bild Alexandra Greeff

Von Alexandra Greeff

«Viele wollen Gewissheit zurück, aber ich weiss, es bleibt uns nichts anderes übrig, als auf der Suche zu sein.» Dies sind die Schlussworte im historischen Spielfilm «Zwingli», der seit wenigen Tagen über die Schweizer Kinoleinwände flimmert. Der Film versetzt den Zuschauer ins Jahr 1519 zurück und berührt mit seinem demokratischen Grundthema trotzdem den Nerv der heutigen Zeit – und einen wichtigen Aspekt des schweizerischen Selbstverständnisses.

Im Eingangsbereich zum Uzner Kino Rex standen am Sonntag spontane Kinobesucher in einer langen Warteschlange und hofften darauf, noch ein Ticket ergattern zu können. Nachdem auch der letzte Zuschauer seinen Platz eingenommen hatte, konnte Nadine Crotti, Kinobesitzerin, 127 Besucher begrüssen: «Wir haben ‘full house’», resümierte sie stolz, um dann mit Augenzwinkern eine weniger erbauliche Vorwarnung nachzuschieben: «Sie bleiben jetzt 124 Minuten ohne Pause sitzen, bis der Film fertig ist. Wenn der Film fertig ist, bleiben Sie weiter sitzen.» Dann werde nämlich die Filmcrew auf die Bühne kommen und Fragen aus dem Publikum beantworten.

«Ein riesengrosser Kraftakt»

Die 124 Minuten waren jedoch im Flug vorbei. Schon die erste Minute des Spielfilms zog die Zuschauer in seinen Bann und versetzte sie zurück ins historische Zürich von 1519. Es ist die Zeit, in der der Zürcher Reformator Huldrych Zwingli für Aufruhr sorgt und mit seinen revolutionären Ideen fast einen Bürgerkrieg auslöst. In nur wenigen Jahren stellt Zwingli die ganze Stadt Zürich sowie fest verankerte religiöse Traditionen und Werte auf den Kopf.

«Das Zürcher Grosmünster musste für den Film eine Zeitreise von 500 Jahren mitmachen.»
Filmproduzentin Anne Walser

Rund 5,7 Millionen Franken kostete der «Zwingli»-Film. Damit ist er einer der teuersten Schweizer Filme: «Ein riesengrosser Kraftakt, der nur mithilfe von vielen, auch privaten Unterstützern gestemmt werden konnte», sagt die bekannte Filmproduzentin Anne Walser. Für einen historischen Film sei das Budget jedoch bescheiden, erklärt sie weiter. «Immerhin musste das Zürcher Grossmünster für den Dreh eine Zeitreise von 500 Jahren mitmachen.»

Die Gunst für Fragen genutzt

Anne Walser (Produzentin der Filmproduktionsfirma C-Films AG), Stefan Haupt (Regisseur), Maximilian Simonischek (Hauptdarsteller) und Pfarrerin Susanne Hug-Maag (Evangelische Kirchgemeinde Uznach und Umgebung) standen am Sonntag im Anschluss an den Film Rede und Antwort.

Die vielen Fragen der Zuschauer sprachen dafür, wie tief diese in die Historie abgetaucht waren. «Wie konnten Sie das Switchen zwischen der historischen Zwingli-Figur und ihrem eigenen Leben bewältigen?», wollte zum Beispiel ein Zuschauer vom jungen Zwingli-Darsteller Simonischek wissen. Dieser winkte jedoch ab: «Das war nicht so romantisch oder dramatisch, wie Sie es sich vielleicht vorstellen.» Die Dreharbeiten hätten schliesslich von sechs Uhr morgens bis 20 Uhr gedauert. «Nachher musste ich mich dann wieder resozialisieren.»

Ein Zürich-Kenner war von der historischen Verwandlung des Grossmünsters beeindruckt: «Wie habt Ihr es bloss geschafft, dass Zürich so alt aussieht?» Eine Frau sprach schliesslich allen Zuschauern aus dem Herzen: «Der Film ist einfach grossartig. Herzliche Gratulation und ‘danggä viuviumau’». Ein letzter langer und tosender Applaus – dann hiess es «Anstossen und Feiern» beim Apéro – gesponsert von der Evangelischen Kirchgemeinde.

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