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«Am Anfang fühlte ich mich richtig nackt»

Er ist gleich in beiden BMA-Kategorien vorgeschlagen: Der Bündner Musiker Reto Kaufmann. In der Kategorie «Musiker des Jahres 2018» ist er für sein Album «König vu dr Nacht» nominiert, mit «Lisa» für den «Song des Jahres 2018».

Kristina
Schmid
Samstag, 05. Januar 2019, 04:30 Uhr Bündner Music Award 2018
Bild Yanik Bürkli

Es hört sich an wie der Anfang einer Märchen-Karriere in der Musikbranche: 2017 gewinnt Reto Kaufmann, der unter dem Namen Kaufmann Musik macht, den «BandXOst»-Contest. Daraufhin nimmt ihn der renommierte Schweizer Zytglogge-Verlag in den Vertrieb. 2018 bringt er sein erstes Album «König vu dr Nacht» auf den Markt und gibt im selben Jahr rund 70 Konzerte.

Kaufmann erlebt zurzeit einen Höhenflug. «Das ist schon verrückt», sagt der 27-jährige Churer. «Ich hätte nie damit gerechnet, dass meine Musik so stark Anklang findet», gibt Kaufmann zu. Und das tut sie, obschon er Musik auf Mundart macht. Etwas, das Experten oft als «kommerziellen Suizid» bezeichnen.

Er singt, wie er spricht

Auf Mundart singen – bei Kaufmann funktionierts. «Ich habe angefangen Mundart zu schreiben, weil ich mich so einfach besser ausdrücken konnte», sagt er. Und beim Zuhören seiner Songs merkt man das sofort: Kaufmann hat ein Sprachgefühl für Normalität. Er erzählt Geschichten aus seinem Lebensumfeld in der Sprache seines Lebensumfelds – so geschehen bei «Lisa».

«Lisa i weisses doch genau. Du chusch nia meh wieder zrugg zu miar. I schiaba Krisa. I has versaut.» Jedes Wort ist ein Wort aus dem gebrauchten und bekannten Wortschatz. Keine Silbe ist zu viel. Und genau da liegt die Stärke seines Albums: Die Songs klingen so, wie unsere Sprache normalerweise klingt.

Mit dem Song «Lisa» feiert Kaufmann grossen Erfolg. Mit der echten Lisa nicht: «Jeder kennts doch: Du bist verliebt, doch Deine Gefühle werden nicht erwidert. Man hat Liebeskummer, fühlt sich mies», sagt Kaufmann. Und genau in dieser Stimmung ist «Lisa» entstanden. Als er nach einer durchzechten Nacht Zuhause ankam, schrieb er nieder, was er in diesem Moment fühlte. «Dazu komponierte ich eine unendlich traurige Melodie», sagt Kaufmann. 

Noch in der gleichen Nacht nahm er das Stück auf. «Als ich es mir am nächsten Morgen ausgeschlafen anhörte, dachte ich: ‹Nein. Das kannst Du so nicht bringen›», sagt der er und lacht. Er komponierte daraufhin eine neue Melodie. Eine glückliche. Entstanden ist der Song, den wir heute kennen.

«Weisst Du», erklärt Kaufmann, «vor zehn Jahren hätte ich das nie gemacht. Ich fand Mundart voll uncool».

Reto Kaufmann im Interview. VIDEO CORINNE RAGUTH TSCHARNER

Kaufmann wird an der Award-Show des «Bündner Music Award» spielen. Gemeinsam mit weiteren Bündner Musikern wird er am Freitag, 25. Januar, im «Loucy» auf der Bühne stehen. Und Ihr könnt live dabei sein. Tickets für den Anlass findet Ihr hier.

Ab dem 15. Januar startet das Voting. Dann könnt Ihr Kaufmann Eure Stimme geben – wenn Ihr wollt, dass er einen oder beide Awards abräumt. Er selber würde seine Stimme übrigens Me+Marie geben. Wie er verrät, ist er ein grosser Fan der beiden Musiker. Aber: Pssst! 

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