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Sinnliches Klangbad an der Seepromenade

Das Blues’n’Jazz Rapperswil-Jona lieferte auch am zweiten Abend vollumfänglich ab. Auf, vor und neben den drei Bühnen war die Stimmung wolkenlos. Sonnengeflutet heizten die Künstler den Zuschauern mächtig ein, und am Ende, in der lauen Sommernacht, holte ihnen Candy Dulfer die Sterne vom Himmel.

Südostschweiz
Montag, 18. Juni 2018, 04:30 Uhr Bilanz
UELI FREY

Die Bandbreite des 20. Jubiläums-Blues’n’Jazz am vergangenen Samstag war gross. Von melodiösen Klängen über musikalischen Schalk, harte Töne bis zu sexy Sound war alles dabei, was des Blues’n’Jazz-Fans Herz begehrt.

Es lohnte sich, trotz Menschenmassen, zwischen Fischmarktplatz, Curtiplatz und Kapuzinerzipfel zu zirkulieren, um so die verschiedenen musikalischen Farben des Events zum bunten Gesamtbild zusammenzufügen. Man wünschte sich temporäre Superkräfte, um auch Leckerbissen wie Band goes Wild, Dana Fuchs oder The Two nicht zu verpassen.

Zuweilen bedurfte es schon etwas Sportlichkeit, um einen Blick auf die Künstler erhaschen zu können. Köpfe-recken und Zehenspitzenstehen war kollektive Festival-Gymnastik. Wer aber einmal seine zwanzig Zentimeter Stehplatz gefunden hatte, der badete im Sound seiner Sehnsüchte und feierte einfach den Moment.

Blues Max ganz «easy»

Was für ein Abend an der Seepromenade in Rapperswil! Augen blinzelten hinter Sonnenbrillen hervor, die Ohrläppchen der Damen wurden von riesigen Kreolen lang gezogen, Flip-Flops tänzelten über den Kiesboden, und überall war Musik. Bereits zum Auftakt startete Linda Valori auf dem Fischmarktplatz ihre Blues-Offensive und tunkte das Publikum mit ihrer phänomenalen Stimme in ein klangliches Wohlgefühl. Losgeschickt mit einem Halleluja wurde man mit der Welle der Massenbewegung an den Curtiplatz gespült, wo Big Daddy Wilson mit den Begeisterten kraftvoll auf Adlers Schwingen davonflog.

Viele wollten aber unbedingt den Blues Max hören. Dieser knackte am Kapuzinerzipfel einmal mehr die Ecke und schüttete ins cremige Bluestöpfchen die knusprigen Humorstückchen rein. Der Mann mit Hut, dessen Herzschlag eindeutig langsamer schlägt als gewöhnlich und der singt und spielt, als würde er in Trance im Sandkasten buddeln, klinkte auch das Publikum in den Meditationsmodus ein. Am Ende sang eine Hundertschaft «easy Amelie» mit und sog selig gechillt am Aperol oder am Caipi.

Nicht nur der Gesang überzeugte am Blues’n’Jazz. Es waren dieses Jahr besonders auch die Ausnahme-Instrumentalisten, welche das Kopfsteinpflaster des Fischmarktplatzes samt Fussgängern drauf zum Explodieren brachten.

Gitarre und Saxofon

Allen voran war es Walter Trout, der Gitarrenvirtuose, der die Zuhörer fesselte. Sein Bluesrock der härteren Gangart war tosendes Kontrastprogramm zum Auftritt von Joyce E. Yuille, die mit geschmeidigem Soul den Sonnenuntergang am Kapuzinerzipfel begleitete.

Absoluter Kracher war aber unbestritten am Ende des Abends Candy Dulfer. Ihr und ihrem Saxofon gehörte die grosse Bühne. Sie in Rot, die Band jung und knackig, die Lichtshow knallig und der Sound zum Abheben. Alte und neue Hits hoben den Sax-Sound in höhere Sphären. Ja, mit Dulfer hatte man Lust, bis zum Mond zu fliegen. Es war ihr eine Ehre, wieder hier in Rapperswil spielen zu dürfen, meinte die Musikerin. «Es war uns eine Ehre, dir zuzuhören, Candy!»

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