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Geplante Erweiterung der Kirche führt zum Rededuell

An der Versammlung der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona führte die geplante Erweiterung beinahe zum Eklat: Viele Kirchgänger sprachen sich vehement gegen das Projekt aus – die Rückweisung des Antrags drohte.

Jérôme
Stern
Dienstag, 27. März 2018, 04:30 Uhr Viel Gegenwind für Kirchen-Projekt
Nicht für alle perfekt: Die geplante Erweiterung der Kirche an der Zürcherstrasse gefällt nicht allen.
JÉRÔME STERN

Zunächst schien alles in schönster Harmonie zu verlaufen: Am Montagabend lud die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Rapperswil-Jona zur Jahresversammlung ins Kirchenzentrum ein. Zunächst nahm Pfarrer Heinz Fäh in würdigen Worten Abschied von überraschend verstorbenen Vorstandspräsidenten Peter Bosshard. Anschliessend genehmigten die Kirchbürger die Jahresrechnung 2017 wie auch den Voranschlag fürs laufende Jahr ohne jegliche Gegenstimme. Auch die Wahl der Delegierten in die kantonale Kirchensynode geschah einstimmig. Ebenso ohne Gegenstimme erfolgte die Wahl von Beatrix Bock, bislang fürs Ressort Personal zuständig, zur neuen Präsidentin des Vorstands.

Eine Frau an der Spitze

Damit war jedoch Schluss mit Harmonie: Kaum hatte Bock die 105 Anwesenden über den Stand der geplanten Erweiterung informiert, meldeten sich zahlreiche Einsprecher. Zuerst monierte Johanna Krapf, dass sie angesichts der veranschlagten Projektkosten von 3,8 Millionen Franken auch ein neues Konzept zum Gottesdienst erwarte. «Bevor wir jetzt einen weiteren Projektierungskredit von 300'000 Franken zur Detailplanung genehmigen, möchte ich wissen, ob diese Erweiterung überhaupt notwendig ist», so die Kirchbürgerin. Auch wolle sie wissen, nach welchem Konzept die Gottesdienste in der umgebauten Kirche ablaufen würden.

Damit war Krapf keineswegs allein. Im Gegenteil, es meldeten sich immer mehr Kirchbürger mit Bedenken. So fand beispielsweise auch Christoph Leser, es sei völlig ungerechtfertigt, insgesamt fast vier Millionen Franken in die Erweiterung zu investieren. «Solange es in der Welt so viele notleidende Menschen gibt, sollten wir das Geld für Nothilfe verwenden», fand Leser. Zumal er sich in der Kirche stets wohlgefühlt habe. «Es ist eine schöne Kirche mit wunderbarer Akustik. Doch mit dem Anbau einer Glasfront wirkt der Bau wie ein Kaufhaus», so Leser. Wobei er einräumte, dass die WC-Anlage in der Tat saniert werden müsse.

Eine veritable Redeschlacht

Immer mehr Hände reckten sich in die Höhe, Votanten verlangten nach dem Mikrofon – und befürworteten eine Rückweisung des Projektierungskredits. Das wollte Pfarrer Heinz Fäh nicht hinnehmen. Er sei gerne Pfarrer der Kirchgemeinde, so Fäh. «Aber so viel Mutlosigkeit wie heute Abend habe ich noch nie erlebt. Eure Väter und Mütter hatten Mut, als sie diese Kirche erbauten, und sie hatten Mut, als sie das Kirchenzentrum erstellten», sagte der Pfarrer. Dass nun einige Anwesende vehement gegen eine Modernisierung der Kirche wetterten, fände er traurig.

Natürlich hätten sich die Mitglieder der Projektkommission Gedanken über ein neues Konzept für die Gottesdienste gemacht, betonte Fäh. «Und dafür brauchen wir eine flexiblere Raumnutzung, wie wir sie mit dem Projekt anstreben.»

Jedes Argument zählt

Für die neue Vorstandspräsidentin Bock war es Zeit für sachkundige Argumente: Sie liess den Architekten des Projekts, Ernst Strebel, vors Publikum treten. Dieser erläuterte mit ruhiger Stimme die Vorzüge der Erweiterung. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass eine Sanierung von Heizung, Toiletten und Raumtechnik sowieso dringend notwendig sei. So wogte eine veritable Redeschlacht hin und her. Schliesslich schritt man zur Abstimmung über die 300'000 Franken.

Bloss 18 Kirchbürger unterstützen letztlich den Antrag zur Rückweisung des Kredits. Trotzdem gabs für die Zweifler einen Teilerfolg. Denn die Kirchgemeinde befürwortete einen Antrag, wonach über den Baukredit von 3,8 Millionen Franken schriftlich abgestimmt werden muss. Im Herbst dieses Jahres gibts dafür eine ausserordentliche Kirchbürgerversammlung.

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