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Frauen schnuppern Landluft

Die Autorin Daniela Schwegler hat in der Stadtbibliothek Rapperswil aus ihrem Buch «Landluft» gelesen und so am Tag der Frau einen Einblick in das Leben verschiedener Bergbäuerinnen ermöglicht.

Südostschweiz
Sonntag, 11. März 2018, 04:30 Uhr Tag der Frau
Während Daniela Schwegler liest, zaubern Stephan Böschs Bilder Landluft in die Stadtbibliothek.
BARBARA SCHIRMER

«Ich nehme sie mit in eine Welt voller Landluft», versprach die Autorin, in den Räumlichkeiten der Alten Fabrik, umgeben von der Literatur der Stadtbibliothek Rapperswil, und begann zu erzählen. Da war Sandra Böhm aus dem Appenzellerland. Die Lehrerin, welche heute Bio-Gemüse nach Demeterrichtlinien anpflanzt, von Hand, fast wie zu Gotthelfs Zeiten. Aber auch Morena Kotay, die einer Walliser Siedlung wieder Leben einhauchte. Ohne fliessendes Wasser im Haus gilt für sie das elektrische Licht am Abend als grösster Luxus und Kaffee mit einem Stückchen Schokolade als Krönung. Ebenfalls einen Halt machte Schwegler bei Ulrike Stober aus dem Bündnerland, die als überzeugte Veganerin keine Rinder züchtet, dafür auf stolzen 1300 Höhenmetern Bio-Gemüse anpflanzt.

Die Reise der Bäuerinnen im Buch «Landluft» führte unter anderem durch das Bleniotal in den Berner und Solothurner Jura nach Ebnat-Kappel und ins Wallis. Kurz: überall dahin, wo es in der Schweiz Bergbäuerinnen gibt. Während Daniela Schwegler las, zeigten Fotografien von Stephan Bösch einige Ausschnitte aus dem Leben dieser Bäuerinnen. Da standen sie, mitten im Gemüsebeet oder umgeben von einer Herde munterer Ziegen. Die Bilder alleine sprachen für sich, zeugten von einem arbeitsreichen Leben und zauberten auch visuell eine Prise Landluft in die Stadtbibliothek.

Vorhänge im Hühnerstall

An zwei Bäuerinnen widmete Schwegler bei ihrer Lesung mehr Zeit. Eine davon war Luzia Biber, wohnhaft am Arnisee im Kanton Uri. Diese Bäuerin sei ziemlich eigen, warnte Schwegler vor. Tatsächlich zeigte sich schon bald, was die Autorin gemeint hatte. Luzia Biber war in ihrem Leben schon Weinbäuerin, Zirkusangestellte, Bardame und Sterbebegleiterin, bis sie bei ihrem Toni hoch über dem Urner Reusstal auf dem Bergbauernbetrieb sesshaft wurde. Als sie das Haus – damals sei sie 49 Jahre alt gewesen – zum ersten Mal sah, sei ihr der Gedanke durch den Kopf geschossen «Luzia rette dich! Hau einfach ab, solange es noch geht». Es sei eine ganze Menge Arbeit gewesen, bis sie alles so eingerichtet hatte, wie es ihr gefiel.

Dann galt es die Jäger einzufuchsen, damit diese das Wild nicht vor ihrer Haustüre erlegten. Nachdem der freundlich gestimmte Versuch mit Kaffee und Schnaps gescheitert war, folgte die resolute Variante. Ein deftiger Wortschwall zeigte offensichtlich Wirkung, denn jetzt hatte Luzia Biber Ruhe und konnte sich ganz ihren Hühnern widmen. An Tierliebe scheint es ihr nicht zu mangeln, denn an ihrem früheren Wohnort im Bernbiet hatte sie dem Federvieh gar Vorhänge in den Stall gehängt.

Zum Zeitpunkt, als Daniela Schwegler bei Luzia Biber war, galt es, das achtjährige Huhn «Füessli» zu versorgen. Obwohl es gemäss Biber schwer krank gewesen war und gotterbärmlich ausgesehen hatte, umsorgte sie es liebevoll. Das Huhn wolle noch etwas leben, behauptete sie. Und so starb das «Füessli» dann, wohlbehütet unter der Wärmelampe, im Haus.

Nah bei den Bäuerinnen

Um möglichst nah am Puls der Bäuerinnen zu sein, lebte Daniela Schwegler jeweils eine Zeit lang bei ihnen auf dem Hof. Sie sei dabei fast ein Teil der Familie geworden. Bewusst habe sie Bäuerinnen mit speziellen Lebensgeschichten unterschiedlichen Alters ausgelesen. Die Jüngste war 18, die älteste 87 Jahre alt.

Für diese geballte Ladung Landluft, die sich aus Geschichten zu besonderen Bäuerinnen zusammensetzte, hatten die Stadtbibliothek Rapperswil und die Gebert-Stiftung anlässlich des Tages der Frau gesorgt.

Um möglichst nah am Puls der Bäuerinnen zu sein, lebte Daniela Schwegler jeweils eine Zeit lang bei ihnen.

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