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Künstlerin schmilzt Glas und entfacht ein Feuer, das ansteckt

Barbara Schaaf führt ein Atelier für Glasbearbeitung in Weesen. Mit grosser Hitze schmilzt sie Glas in diversen Farben und erschafft daraus kleine Kunstwerke. In Kursen steckt sie andere mit ihrer Kreativität an.

Südostschweiz
Donnerstag, 11. Januar 2018, 04:30 Uhr Feuer und Flamme

Am Anfang steht bei Barbara Schaaf immer die Neugierde, etwas zu entdecken. Glasperlen selber herstellen, das war für die ausgebildete Werklehrerin eine Herausforderung, der sie sich gerne stellte. Ein Kurs im Ballenberg sollte es richten. Doch was tun, wenn die geforderte Personenzahl nicht erreicht wird und die herbeigesehnte Weiterbildung in weite Ferne rückt?

Für Barbara Schaaf sind das alles nur Peanuts. Sie organisierte ganz einfach kurzerhand einige Freunde und belegte mit ihnen zusammen den Kurs. So stand ihrem Wissensdurst nichts mehr im Wege.

Auch Männer kommen vorbei und schaffen das Geschenk für die Liebste selber.

Was sie dann sah, veränderte ihr künftiges Leben. «Ich habe richtig Feuer gefangen», erzählt sie. Ihre Begeisterung für die Materie Glas ist bis heute geblieben. In ihrem Atelier in Weesen stehen acht Tische, mit Zweigasbrennern ausgestattet, bereit. Hier erteilt sie Kurse und gibt ihr Wissen gerne an Leute weiter, die ihren eigenen Glasschmuck kreieren möchten. Viele Frauen würden das Angebot nutzen. Aber auch Männer kommen vorbei und schaffen das Geschenk für die Liebste selber, und manchmal hilft sie Hochzeitspaaren oder Verliebten, ein Herz aus Glas herzustellen.

«Katastrophenperle» solls richten

Ein wahres Farbenmeer an Glasstäben, welche als Rohlinge dienen, steht zur Auswahl bereit. Die über 80 verschiedenen Blau-, Rot-, Grün- und Gelbtöne sind allein schon eine Augenweide. In die Flamme gehalten, schmelzen die Stäbe, welche aus edlem Muranoglas sind, bei 1200 Grad.

Mit normalem Feuer wären diese Temperaturen nicht zu erreichen. Daher muss Sauerstoff beigemischt werden. Das flüssige Glas wird nun über ein Metallstäbchen gedreht, das mit einem Trennmittel bestrichen ist. Sonst würde das alles aneinander kleben, verrät die Fachfrau. Mit einer anderen Glasfarbe können Punkte auf die noch glühenden Rohlinge gesetzt werden. Ist das Resultat nicht zufriedenstellend, wird eine «Katastrophenperle» daraus fabriziert, beruhigt die Künstlerin.

Ganze Aquarien zaubert Barbara Schaaf ins Innere einer durchsichtigen Kugel.

«Katastrophenperlen» seien immer sehr beliebt. Bereichert mit weiteren Farben, noch einmal eingeschmolzen und neu aufgedreht, erhalten sie eine Marmorierung, die bestechend schön aussieht. Es gebe Frauen, die wollten ihren Schmuck nur mit dieser Technik herstellen. Entspricht die Kugel den Vorstellungen der Erschaffer, wird sie in einem Topf mit Vermiculit, einem Isolationsmaterial, ausgekühlt.

Was dann folgt, hat mit der eigentlichen Glasperlenherstellung bereits nichts mehr zu tun. Denn jetzt wird das Kunststück vollendet. Sauber aufgereiht, als Kette oder Schlüsselanhänger, als Armband oder Dekorationsartikel, finden die Kugeln zu guter Letzt ihre Endbestimmung.

Als Freelancerin auf dem Bau

Die Glaskreationen von Barbara Schaaf gehen längst über die normale Perlenherstellung hinaus. Ganze Aquarien zaubert sie ins Innere einer durchsichtigen Kugel. Zu ihrer Passion gehört auch das Upcycling, also die Wiederverwertung ausgedienter Glasflaschen. Hier kann die Künstlerin ebenfalls ihrem gestalterischen Talent freien Lauf lassen, kreiert Lampen, Aufbewahrungsdosen und Trinkgläser.

Ist sie nicht in ihrem Atelier, trifft man sie, entgegen allen Erwartungen, als Freelancerin auf Baustellen an. Da hilft sie einen Dachstuhl aufrichten, dort müssen Wände mit Gips verputzt werden. Gegensätzlicher könnten Tätigkeiten wohl kaum sein. Doch Barbara Schaaf relativiert: «Ich bin an beiden Orten kreativ.» Ob auf dem Dach beim Ziegeldecken oder im Atelier bei der Herstellung von Glaskunst – mit Feuer und Flamme am Werk ist die vielseitig talentierte Frau in all ihren Arbeitsbereichen.

Feuer und Flamme erhellen den Winter: In loser Folge veröffentlicht die «Südostschweiz» eine fünfteilige Serie, in der es – mitten in der kalten Jahreszeit – um «Heisses» in der Region geht. Um Berufe, Hobbys und ein Tier, die allesamt mit Feuer und Flamme zu tun haben. Im heutigen Beitrag steht die kreative Bearbeitung von Glas im Mittelpunkt, wofür es sehr viel Feuer braucht.

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