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Gelungener Start ins neue Bündner Volksmusikjahr

Breit gefächertes Unterhaltungsprogramm auf hohem Niveau am 54. Bündner Ländlerkapellentreffen vom vergangenen Samstag im Forum im Ried in Landquart.

Südostschweiz
Montag, 08. Januar 2018, 04:30 Uhr Volksmusik
Das 54. Bündner Ländlerkapellentreffen in Landquart zeigt einmal mehr einen guten Querschnitt durch die aktuelle Volksmusik.
MARCO HARTMANN

Zu spüren war die typisch lockere und fröhliche Ländlermusikstimmung am vergangenen Samstag im Forum im Ried in Landquart schon lange vor 20 Uhr, dem offiziellen Beginn des 54. Ländlerkapellentreffens. In der Eingangshalle vor dem grossen Saal musizierte die Kapelle «Berner Örgeliplausch» bereits fleissig, und viele Freunde der Volksmusik trafen sich zu angeregten Wiedersehensgesprächen. Volksmusikveranstaltungen dieser Grössenordnung gibt es schliesslich in Graubünden – Insider reden gar von gesamtschweizerisch – nur einmal im Jahr, eben das Bündner Ländlerkapellentreffen Anfang Januar in Landquart. Radio RTR strahlt das Treffen 2018 am Donnerstag, 25. Januar, um 19.00 Uhr aus.

Volksmusik ist Tradition

Traditionen müssen weitergelebt werden. Dazu bekennen sich namhafte Musiker verschiedenster Stilrichtungen, so beispielsweise der österreichische Komponist, Sänger und Entertainer Udo Jürgens (1934–2014). In seiner von Lisbeth Bischoff verfassten Biografie mahnt er mit deutlichen Worten: «Wenn Menschen aufhören, ihre Traditionen zu pflegen, schneiden sie sich ihre eigenen Wurzeln ab.»

Dass dem so ist, wissen natürlich auch die Verantwortlichen der Sektion Graubünden des Verbandes Schweizer Volksmusik (VSV) mit ihrem Präsidenten Christian Kessler, und so präsentierten sie am Bündner Ländlerkapellentreffen 2018 in Landquart ein reich befrachtetes, abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm auf hohem Niveau mit 14 Volksmusikformationen aus Graubünden, der Schweiz und aus Österreich.

Nach einer kurzen Begrüssung durch Christian Kessler übernahm Beat Tschümperlin von Radio SRF gewohnt humorvoll und sachkundig die Moderation. Einen starken Auftritt hatte die Jodlerin Hany Küttel aus Chur mit ihrer Tochter Andrea, ebenfalls Jodlerin, und ihrem Sohn Mario am Akkordeon. Auf die anspruchsvollen Kompositionen angesprochen, bestätigte Küttel: «Ja, es sind schwierige und etwas spezielle Jodellieder, aber es ist schön, in dieser Form mit meinen Kindern zu musizieren.»

Für eine weitere Attraktion sorgten die Geschwister Fässler aus Appenzell Innerrhoden mit Martin als Hackbrettsolist. Gleich drei Generationen deckte die «Chapella Erni» ab in der Besetzung Querflöte, Geige, Trompete, zwei Klarinetten, zwei Schwyzerörgeli und Kontrabass. Mit einigen seiner ehemaligen Schüler trat der Volksmusiker Oswald Schaub aus Landquart als «Wänteleschieber» in Aktion – eine Formation von acht Schwyzerörgeli und einem Kontrabass.

Aus dem österreichischen Salzburgerland reiste Norbert Brandtner an mit «Volksgefühl». Er selber spielte die Steirische Ziehharmonika, dazu kamen Johanna Holzner (Harfe) und Manuel Haitzmann (Tuba) – eine sehr spezielle Volksmusikformation.

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, und musikalisch unterschiedlicher hätten die zwei sich auf der Bühne bereitmachenden Formationen kaum sein können. Da sassen auf der einen Seite «Ils Janischs» mit Geige, Cello, Akkordeon und Gitarre. Sie präsentierten filigrane und sehr dynamische Engadiner Melodien. Wie der Name entstanden ist? Die vier jugendlichen Musiker sind zwei Janetts und zwei Caflischs.

Auf der andern Seite der Bühne platzierte sich «Willis Wyberkapelle», eine Volksmusikformation des Toggenburger Akkordeonisten Willi Valotti. Ihre Stärke ist die akrobatische Fingertechnik wie auch das kompakte Zusammenspiel. Nicht weniger eindrucksvoll zeigte sich zum Schluss der Einzeldarbietungen die Kapelle Oberalp mit ihrer immer wieder beeindruckenden Dynamik.

Klares Nein zur No-Billag-Initiative

Aufmerksame Zuhörer waren auch Regierungsrat Martin Jäger und der Zentralpräsident des VSV, Cipriano de Cardenas, und de Cardenas richtete denn auch noch einige eindringliche Worte an die Anwesenden. Ein Anliegen sei es ihm, die No-Billag-Initiative an der Urne abzulehnen: «Kein Radio SRF mehr am Bündner Ländlerkapellentreffen, keine ‘Musikwelle’ mehr, keine ‘Potz Musig’-Sendung mehr und so weiter, das alles wäre bei einer Annahme fragwürdig.» Da kann man sich gut und gerne fragen: Wo bleibt die Kultur?

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