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Chur im Zeichen der alpinen Sagen und Märchen

Von Freitagabend bis Sonntagmorgen konnten sich Interessierte in Chur mit alpinen Sagen und Märchen beschäftigen. Im Rahmen der Alpensagen- und Märchentage wurden Vorlesungen, Stadtrundgänge, musikalische Darbietungen und vieles mehr geboten.

Südostschweiz
Montag, 25. September 2017, 09:00 Uhr Sagen und Märchen
Alpensagen Märchentage
So sah die Bühne bei der Eröffnungsgala der Alpensagen- und Märchentage im Theater Chur aus.
YANIK BUERKLI

Was die Besucher der Alpensagen- und Märchentage in Chur erwartete, blieb bis zu diesem Wochenende ungewiss. Die Organisatoren der dreitägigen Veranstaltung wollten nicht zu viel verraten. Auch auf der Webseite des Anlasses waren kaum Informationen zu finden. Das aber gehört nun mal zur Welt der Sagen und Märchen: Man muss ihnen auf oft verschlungenen Pfaden nachgehen.

Musik, Poesie, Wissenschaft und brillante Erzählkunst

Einmal angekommen aber eröffnete sich dem Publikum am Freitagabend im Stadttheater eine faszinierende Welt rund die Tradition und die Kunst des Erzählens: Die hohen Erwartungen, die an das beachtliche Aufgebot von Prominenz aus Kunst und Kultur gestellt waren, konnten an diesem Abend mehr als erfüllt werden.

Die Bündner Liedermacherin Corin Curschellas, der Sänger Linard Bardill, der Schauspieler und Regisseur René Schnoz sowie die „Fränzlis da Tschlin“ führten in gelungener poetischer Manier musikalisch durch den Abend, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. Einmal musizierend, ein anderes Mal erzählend, liessen sie alte Sagen- und Märchenstoffe respektvoll zu neuem Leben erwachen, während der Bündner Publizist und Sprachwissenschaftler Iso Camartin kompetent in die kulturgeschichtliche Bedeutung der Sagen- und Märchen einführte.

Zur kulturhistorischen Entwicklung der Sage äusserte sich auch die Südtiroler Volkskundlerin und Professorin Ulrike Kindl die den Wegen der heiligen Margarethe von Graubünden in die Dolomiten nachspürte. Ihr in abwechselnd Ladinisch und Deutsch gehaltener Vortrag vermochte Fachpublikum und Laien zugleich zu begeistern. Ebenso beeindruckend war auch die fulminante und sinnliche Erzählkunst der Bozener Erzählerin und Flötistin Heike Vigl, die zusammen mit Corin Curschellas die rätoramisch-italienisch-deutsche Musik-Erzählung „Canzun da Sontga Margriata und die verjagte Viviana“ auf die Bühne brachte. Durch den Abend führte René Schnoz, der sich im Verlaufe des Geschehens als hervorragender Erzähler, aber auch als hie und da etwas gar schwungvoller Moderator entpuppte.

Ein gelungener Mix

Am Samstagmorgen ging es mit Wanderungen und Stadtrundgängen mit René Schnoz und dem Bündner Künstler Remo Albert Alig weiter. Wer aber noch schwere Beine hatte, der konnte sich getrost niedersetzen und in der Klibühni der Erzählerin Therese Bachmann lauschen. Wissenschaftlicher ging es der Stadtgalerie zu und her, wo sich die Freiburger Professorin Sabine Wienker Piepoph in einem fundierten und amüsanten Vortrag zum Thema „Ruf der Berge“ äusserte. In der Kantonsbibliothek wiederum referierte Mutabor-Preisträgerin Ursula Brunold-Bigler zur Thematik „Märchen kennen keine Grenzen“. Auch die Kinder kamen nicht zu kurz. Sie konnten unter anderem in der Werkstatt den von Katharina Ritter szenisch inszenierten Erzählungen folgen.

Und wer sie Vorabend erlebt hatte, liess es sich mit Sicherheit nicht nehmen, noch einmal die Erzählkunst von Heike Vigl zu geniessen, die das Publikum mit ihrem Programm „Ötzi allein im Schnee- oder doch nicht“ in der Postremise auf eine poetische Reise durch die Zeiten entführte.

Der bunte und gutbesuchte Reigen aus Erzählungen, Vorträgen, musikalischen Darbietungen und Ausstellungen setzte sich bis in die späteren Abendstunden fort, worauf am Sonntagnachmittag die märchenhaften Worte und Klänge in der Stadt langsam verstummten.

Hochgesteckte Erwartungen erfüllt

In der Summe konnten die Veranstalter und die Teilnehmenden Kulturschaffenden und Wissenschaftler die hohen Erwartungen, die an die ersten Alpensagen- und Märchentage gestellt wurden mehr als erfüllen. Die spannungsvolle und gelungene Mischung aus wissenschaftlichem Zugang und realem Erlebnis sowie das reichhaltige Kinderprogramm lassen Vorfreude auf die nächsten Alpensagen- und Märchentage, die vom 23.11 bis zum 25.11.2018 in Chur stattfinden. Ein positives Fazit zieht auch Alexandra Furler, die sich mit «viel Enthusiasmus, einer faszinierenden Erfahrung voller positiver Begegnungen aber auch dem einen oder anderen Lehrstück im Gepäck» in die Vorbereitungen auf das kommende Jahr stürzt.

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