×

Sommerbühne: «Summertime and the livin’ is easy»

Gestern ist die 12. Sommerbühne im Volksgarten in Glarus zu Ende gegangen. Rund 2500 Besucherinnen und Besucher haben während fünf Abenden das Volksfest mit Live-Bands und Filmen im Volksgarten genossen.

Claudia
Kock Marti
Montag, 07. August 2017, 05:00 Uhr Bilanz
Die Sommerbühne ist zu Ende.
CLAUDIA KOCK MARTi

Seid lieb miteinander. Liebe, Respekt, Frieden braucht die Welt.» Zum Reggae-Groove schlägt sich Sänger Michael Dreier aus Niederurnen mit der Hand aufs Herz. Das nächste selbstgeschriebene Lied widmet er den Kindern dieser Welt. Vor der Bühne tanzen ein paar süsse Zwerge.

Elsa Wild sitzt zuvorderst unter dem Zeltdach in ihrem Rollator. Mit 96 Jahren ist sie wohl die älteste Zuschauerin, die zur Musik von Sümetrix klatscht. Sie ist die Grossmutter des Sängers und hat sichtlich Freude an ihrem Enkel. Zu ihm auf die Bühne gehe sie in ihrem Alter aber nicht mehr, meint sie lächelnd.

Auch bei jugendlichen Zuhörern, die eher zur Zielgruppe der Band zählen, kommt die Gruppe an, die erstmals in dieser Formation vor grossem Publikum auftritt. Nicht Perfektion zählt, sondern das Authentische, das Beste zu geben.

Gute Mischung von Musikstilen

Freunde, Verwandte, Bekannte, Glarner und Auswärtige, Jung und Alt schätzen die Somerbühne. Darunter gibt es «Stammgäste», die fast jeden Abend dabei sind, unabhängig vom Programm und Wetter. Andere kommen gezielt, um «nur» einen Film der drei Filme zu schauen: «Unerhört jenisch», der Film um Stephan Eicher und jenische Musikerfamilien aus Obervaz begeistert unüberhörbar. Der Musik-Dokumentarfilm wird in Glarus wie an einer Filmpremiere beklatscht.

Hans Aebli aus Ennenda geniesst am Sonntagnachmittag die böhmisch-mährische Marschmusik der Blaskapelle Glarnerland. Am Mittwoch war er zusammen mit Tochter, Sohn und drei Enkelkindern an der Eröfnung. «Die jüngste ist 12 Jahre alt. Sie ist bis am Schluss des Filmes geblieben», erzählt der 79-jährige. Er überlegt. Die Mischung des Publikums gefalle ihm. Aber auch die Mischung des Musikprogramms. Ihm als immer noch aktiven Blasmusikanten gefällt persönlich Unterhaltungsmusik am besten, aber auch eine gewisse Dynamik mit leiseren Tönen zwischendrin.

Schon wird es wieder lauter. Die Kapelle spielt ihr nächstes Stück.

Überraschende Premieren

Fast jeder aus der Band bekommt seinen Solopart. «Die haben sich aber gesteigert», kommentiert jemand aus dem Publikum den Auftritt von No Limits am Donnerstag. Die über 20-köpfige Big Band, die in Niederurnen probt, bringt den milden Sommerabend mit bekannten Funk- und Rockstücken in Schwung. Mit «Son of a Preacherman», zieht Sängerin Lea Giger in ihren Bann. Oder mit «Welcome to the Jungle» von Guns N’ Roses, und als Zugabe «What a wonderful world» von Louis Armstrong.

Die Musikgruppen mit Glarner Bezug, die auf der Sommerbühne auftreten, haben noch keine goldene CDs eingespielt. Einheizen können sie nichtsdestotrotz. So auch In-N-Out, Jackmacdave oder die Nashville Rebels, die am Freitag und Samstag mit fadengradem Rock, Blues, Country und Rock’n’Roll begeistern.

Jackmacdave etwa ist ein spezielles Familienprojekt der Kamm-Familie. Ihr Auftritt stellt sogar eine Premiere dar. Wobei Köbi Kamm nicht mit Ländler am Akkordeon brilliert, sondern am E-Bass und zusammen mit seinen Söhnen Dave und Köbi junior, Dave Bärtsch und Markus Schrepfer Rock und Blues auf die Bühne bringt. Der Altersunterschied zwischem Jüngsten und Ältesten auf der Bühne beträgt 33 Jahre. Und auch der heftige Regenguss zu Beginn des Konzertes kann der guten Stimmung nichts anhaben, die manchen in die Tanzbeine einfährt.

Das Wetter spielt dieses Jahr auch besser als in anderen Jahren mit – zumindest bis am Samstag, freut sich das Publikum über T-Shirt-Wetter, Mondschein und Sternenhimmel.

Gegen kühle Temperaturen kann man sich indes anziehen. Das beweist das treue und auch neue Publikum am Sonntag. Und so spielen die Blaskapelle Glarnerland, die Glaronia Pipes & Drums, die Harmonica Slim & the Biscuit Boy um Martin Lehmann und die Band Dopa Vida vor ebenfalls vollen Bänken.

Rund 2500 Besucher haben das kleine Sommerfestival im Volksgarten in den fünf Tagen besucht, schätzt Kaspar Marti von der Organisation Glarus Service, die die Sommerbühne organisiert. Grösser zu werden sei aber kein Ziel, sondern so familiär weiterzumachen.

«Summertime and the livin’ is easy», das bekannte Lied, das Annick Langlotz von der Band Long Couleur als Zugabe am Eröffnungsabend sang, klingt weiter nach. Schön ist der Sommer noch nicht zu Ende.

Kommentar schreiben

Kommentar senden