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Zehn Liebesreisen durch Graubünden

In dieser Serie erzählten Menschen aus Graubünden, wie Liebe wächst, trägt und bleibt. Dieser Überblick führt durch alle zehn Folgen der «Herzensgschichta us Graubünda».

Karin
Hobi
01.12.25 - 17:48 Uhr
Graubünden
Gesammelt
«Herzensgschichta us Graubünda»: Menschen, die zeigen, wie vielfältig Liebe sein kann.
Grafik: Rico Kehl, Bilder: Olivia Aebli-Item und Corinne Thöny

In diesen zehn Begegnungen erzählen Paare, wie sie sich fanden, was sie zusammenhielt, wie Beziehung sich über die Jahre verändert, oder wie man mit Verlust und Abschied umgeht. Ihre Geschichten sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Und doch tragen sie alle die gleiche Essenz: dass Liebe nicht perfekt sein muss, um stark zu bleiben.

Else und Markus Schmid: Ein gemeinsames Leben voller Musik, Familie und unerschütterlicher Verbundenheit

«Für mich war Aufgeben nie eine Option.»

Else Schmid
Else und Markus Schmid: Ein Leben in der Musik und im Herzen verbunden.
Bild Olivia Aebli-Item

In ihrem Zuhause in Chur: Markus Schmid sitzt am Klavier, vertieft in sein Spiel. Neben ihm seine Frau Else Schmid, ihre Augen auf ihn gerichtet, während sie ihm aufmerksam lauscht.

Als sich Else und Markus Schmid 1970 in Köln begegneten, rechnete keiner der beiden mit einer lebenslangen Liebe. Doch sie erkannten: Diese Geschichte hat Tiefe. Sie heirateten und gemeinsam zogen sie in die Schweiz und bauten ein Familienleben auf.

Die Jahre in Köln, dann der Umzug in die Schweiz, der Aufbau eines neuen Berufslebens, die Geburt zweier Kinder: All das forderte sie heraus. Doch immer wieder fand die Familie neuen Halt: durch Zusammenhalt und die Bereitschaft, sich aufeinander zuzubewegen. Die Liebe blieb, getragen von Toleranz und dem Mut, einander Raum zu geben.

Heute ist Markus Schmid an einer Form von Demenz erkrankt. Seine Frau begleitet ihn mit Geduld und grosser Zuneigung. Heute teilen sie schöne Spaziergänge, ein Stück Kuchen im Café und viele gemeinsame Erinnerungen. Aus der Verliebtheit von damals wurde eine stille, tiefe Dankbarkeit für ein gemeinsames Leben.

Res Lütschg und Marion Neumann: Zwischen Natur, Krankheit, Neuanfang und einem Felssturz, der alles veränderte

«Die Liebe ist sozusagen mitgewachsen»

Res Lütschg
Marion Neumann und Res Lütschg: Verbunden in der Natur.
Bild: Corinne Thöni

In ihrem rot-weissen Camper am Rhein in Chur, während Regen auf das Dach trommelt, erzählen Marion Neumann und Res Lütschg von ihrer Liebe. Sie: die frühere «Medientussi in Highheels» aus Hamburg. Er: der naturverbundene Glarner Bergler.

Aus einem Blind Date wurde eine Beziehung. Diese wurde von einem dramatischen Erlebnis geprägt. Beim gemeinsamen Bergsteigen in Pakistan, wurde Res Lütschg beinahe von einem Felsbrocken erschlagen. Das löste bei seiner Partnerin grosse Verlustängste aus und veränderte ihre Prioritäten: Sie kündigte ihre leitende Position, zog zu ihm nach Glarus und widmete sich ihrer Praxis für integrative Schmerztherapie. Für beide hat das Ereignis ihre Perspektive auf Leben, Sicherheit und Sinn nachhaltig geprägt.

Vieles lösen sie in ihrem Alltag mit Spontanität, Humor und Ruhe: weniger über Worte, mehr über Nähe und Vertrauen. Körperliche Wärme, gemeinsame Naturmomente und gegenseitige Grosszügigkeit prägen ihre Beziehung heute mehr als grosse Gesten. Ihre Liebe ist gereift, ruhiger geworden, aber lebendig wie eh und je.

Patrizia und Rico Gwerder: Eine Teenagerliebe, die erwachsen wurde und blieb

«Wenn wir uns wirklich einmal trennen müssten, wären wir wahrscheinlich trotzdem beste Freunde.»

Patrizia und Rico Gwerder
Patricia und Rico Gwerder: Seit Teenagerzeiten ein Team.
Bild: Corinne Thöni

Im «Süsswinkel» in Chur, zwischen Kaffeeduft und vertrauten Blicken, erzählen Patricia und Rico Gwerder ihre 32-jährige Liebesgeschichte. Er: Chefkoch, ruhig, spontan. Sie: Macherin mit italienischem Temperament. Kennengelernt haben sie sich als Teenager auf dem Autoscooter: Ein Blick, ein spontanes Mitfahren, und aus jugendlichem Knistern wurde eine Partnerschaft, die Jahrzehnte überstand.

Mit 19 zogen sie zusammen, später kamen zwei Söhne. Unterschiedliche Arbeitszeiten bedeuteten oft wenig Paarzeit, doch sie meisterten alles mit Pragmatismus, Humor und der Gewissheit, dass sie zusammengehören.

Sie ist die Leidenschaftliche, er der Ruhige. Wenn es kracht, geht man sich lieber kurz aus dem Weg, bis es wieder gut ist. Trotz unterschiedlicher Charaktere und gelegentlichen Diskussionen bleibt ihre Beziehung ein Ort von Respekt und Akzeptanz.

Die Schmetterlinge sind leiser geworden, sagen sie, dafür ist Vertrauen, Nähe und Verlässlichkeit geblieben. Kleine Gesten und gemeinsamer Humor zeigen, dass Liebe manchmal im Alltäglichen steckt. Und jetzt, wo die Kinder grösser sind, entdecken sie ihre gemeinsame Zeit neu.

Danja Kleis und Charly Gurt: Ein Schwanenfoto, das zwei Leben veränderte

«Mit ihr zu sein bedeutet, dass für mich immer die Sonne scheint. Da kann es noch so viele Wolken am Himmel haben.»

Charly Gurt
Charly Gurt und Danja Kleis: Sie sind verlobt und immer noch sehr verliebt.
Bild: Corinne Thöni

Als Danja Kleis vor sieben Jahren auf Facebook scrollte, blieb sie an einem Bild hängen: ein Schwan mit seinem Küken. «Da muss ein feinfühliger Mensch hinter der Kamera stehen», dachte sie. Sie sollte recht behalten.

Beim ersten Treffen wartet Charly Gurt mit einer roten Rose. Er macht ihr Komplimente und sie spürt etwas, das sie lange vermisst hat: wieder ganz Frau zu sein.

Beide lebten damals noch mit ihren Ex-Partnern zusammen. Der Weg in ein neues Leben war kein leichter. «Es brauchte unglaublich viel Mut und Kraft», sagt Danja Kleis heute. Doch gleichzeitig war da dieses unerschütterliche Gefühl, dass hier etwas Grosses entsteht.

Noch heute wohnen sie getrennt, doch kaum wachen sie auf, greifen sie zum Telefon. Sehen sie sich einen Tag nicht, reden sie stundenlang. Ins Bett gehen sie niemals, ohne sich Gute Nacht zu wünschen. Konflikte? Kaum. Sie lassen einander so sein, wie sie sind.

Sie lacht heute viel mehr als früher: «Ich darf geniessen. Mich anlehnen. Charly trägt mich wirklich auf Händen.» Und er strahlt, wenn er von ihr spricht. Mit Danja, sagt er, fühle er sich angekommen.





Nineke und Richard Zanolari-de Gruijter: Liebe über Ländergrenzen, Altersunterschiede und Lebensentwürfe hinweg

«Wenn es die Richtige ist, verändert sich alles.»

Richard Zanolari
Nineke Zanolari-de Grujiter und Richard Zanolari: Sie sind seit neun Jahren verheiratet und haben zwei Kinder.
Bild: Olivia Aebli-Item

An einem sonnigen Tag in der Wohnung von Nineke und Richard Zanolari-de Gruijter in Felsberg: Kinderlachen, bunte Zeichnungen und der entspannte Familienhund Ivy füllen den Raum. Doch die Geschichte des Liebespaars begann alles andere als alltäglich.

Vor 17 Jahren begegneten sie sich in einer kleinen Bar im Skigebiet Churwalden. Nineke Zanolari-de Gruijter aus Holland, damals als Wintersaisonniererin in den Bergen, wusste sofort: «Oh! Der gehört zu mir!» Die Überraschung über den Altersunterschied von 19 Jahren war gross, doch das Gefühl stärker als jede gesellschaftliche Norm.

Nach drei Jahren zog Nineke Zanolari-de Gruijter wegen ihres Studiums nach Holland. Nur alle fünf Wochen sahen sie sich. «Wir haben uns sehr vermisst. Aber unsere Beziehung war stark genug, das durchzustehen», erinnert sich Richard Zanolari.

Er, einst skeptisch gegenüber Ehe und Familie, fand in ihr seine grosse Liebe: «Mit ihr war auf einmal alles anders.» Sie: «Ich wusste, er ist der Richtige. Mit ihm wollte ich das Leben teilen.»

Sie: «Ich bin sicher die Quirligere von uns. Er der Ruhigere. Wir ergänzen uns perfekt.» Heute ist ihre Liebe ruhiger, tiefer und ein Gefühl von Zuhause. Gespräche, Vertrauen und gegenseitiger Respekt bilden das Rückgrat ihrer Beziehung. «Man muss gewisse Dinge einfach respektieren und darf nicht erwarten, dass ein Mensch alles erfüllen kann», sagt sie.

Michelle und Kaj Gnos: Eine musikalische Liebesgeschichte mit eigener Familienband

«Gemeinsam etwas zu schaffen, an etwas zu arbeiten und etwas zu erreichen, das hat für mich viel mit Liebe zu tun.»

Kaj Gnos
Michelle und Kaj Gnos aus Untervaz: Sie sind mit ihren drei Kindern als Familienband unterwegs.
Bild: Olivia Aebli-Item

In ihrem Garten in Untervaz, zwischen blühenden Beeten und unter der sommerlichen Sonne, sitzen Michelle und Kaj Gnos vor ihrer Villa Kunterbund. Er hält schon die Gitarre bereit. Ihr Hund Jessy döst zufrieden im Schatten.

Vor 17 Jahren begann ihre Geschichte während einer Zugfahrt. Michelle Gnos setzt sich einfach zu ihm. Ein Hund, ein Didgeridoo, ein gemeinsames Video der Kelly Family: Und sofort war da diese Verbindung. Zwei Jahre später heirateten sie. Spontan, aus dem Moment heraus, ohne grosse Pläne, aber mit klarem Weg: Musik machen, selbstständig sein, ein Leben voller Einfachheit und Freiheit führen.

Ob Schafe ins Tal treiben, zusammen singen oder Holz hacken: Kaj und Michelle Gnos leben, musizieren und arbeiten zusammen. Und sie haben mit ihren drei Kindern eine Familienband. Sie teilen Verantwortung, schaffen gerne etwas gemeinsam, und genau das, sagen sie, ist für sie auch Liebe. Über die Jahre ist ihre Liebe gewachsen, tiefer und stärker geworden. Und alles andere als selbstverständlich oder langweilig.

Patricia Leu und Anita: Eine Liebesgeschichte, die selbst der Tod nicht beenden kann

«Anita war mein Zuhause. Jetzt bin ich, trotz meiner Liebe zu Chur, irgendwie heimatlos.»

Patricia Leu
Patricia Leu aus Chur: Sie erinnert sich jeden Tag an all die schönen Momente mit ihrer grossen Liebe Anita.
Bild: Olivia Aebli-Item

Patricia Leu öffnet die Tür zu ihrer Wohnung in Chur, und sofort spürt man ihre Lebensfreude – trotz ihres grossen Verlusts. Anita, ihre Ehefrau, ist vor rund einem Jahr nach schwerer Krankheit gestorben. Was bleibt, ist eine Urne aus Holz, unzählige Fotos, Erinnerungen – und eine Liebe, die weiterlebt.

Patricia Leu lernte Anita vor 21 Jahren nach jeweils gescheiterten Ehen auf einer Single-Plattform kennen. Bereits nach drei Monaten zog Patricia Leu von Schaffhausen zu Anita nach Chur. Gemeinsames Lachen, Reisen, Interessen teilen: Das machte ihre Verbindung aus. Streit gab es auch, doch ihre offene Kommunikation war stärker.

Als erstes gleichgeschlechtliches Paar in Chur heirateten sie 2022, kurz nachdem die Ehe für alle ermöglicht wurde. Privat waren sie innig: kuscheln, umarmen, einfach zusammen sein, während sie in der Öffentlichkeit oft nur wie beste Freundinnen wirkten um neugierige Blicke und Kommentare zu vermeiden.

Als Anita schwer krank wurde, hielten sie stark zusammen. «Wir sassen draussen, sie im Rollstuhl. Ein Tag vor unserem Hochzeitstag. Zwei Tage später ist sie gestorben», erinnert sich Patricia Leu. Doch sie trägt ihre Liebe weiter und geht immer wieder an ihren gemeinsamen Platz im Wald, wo sie jeweils zusammen Pilze sammelten.

Zuzana und Manfred Vinzens: Liebe zwischen Cupcakes und Lebensfreude

«Es stört mich nicht, dass er nicht viel redet. Mir sind Taten und Verlässlichkeit wichtiger als Worte oder Geschenke.»

Zuzana Vinzens
Zuzana und Manfred Vinzens: Sie sind seit zehn Jahren verheiratet.
Bild: Olivia Aebli-Item

Feierabend im Cupcake-Laden in Chur: Zuzana und Manfred Vinzens räumen Hand in Hand die Küche auf, lachen, scherzen und geniessen den Moment. Sie, die bunte Wilde; er, der ruhige Fels. Gemeinsame Arbeit im Laden, kleine Alltagsrituale und gegenseitige Unterstützung prägen ihren Alltag.

Sie zog kurz nach dem Kennenlernen aus Zürich nach Chur zu ihm. Und bereits ein Jahr später heirateten sie. Manfred Vinzens' Antrag war schlicht und witzig: ein Zettel mit zwei Strichmännchen, eines kniend, mit der Frage: «Willst du mich heiraten?»

Wenn Zuzana Vinzens' Temperament hochkocht, sorgt Manfred für eine Pause. Konflikte werden nicht ausgetragen, sondern ruhen gelassen. Körperliche Nähe ist heute weniger Feuerwerk als früher, doch das Gefühl von Verlässlichkeit, Verbundenheit und jemandem, der immer da ist, macht ihre Liebe stark.

Winfried Slembeck und Marianne: Eine Verbindung, die ein Leben lang hielt

„Ich vermisse sie sehr. Ihre Nähe. Ihre Antworten auf Fragen. Einfach die Gespräche."

Winfried Slembeck
Winfried Slembeck: Er erzählt besonders gerne über die Hochzeitsreise mit seiner verstorbenen Frau Marianne.
Bild: Corinne Thöni

Heute lebt der 91-jährige Winfried allein in Haldenstein, doch die Liebe zu Marianne ist spürbar in jedem Detail seiner Wohnung: Das grosse Porträt, sorgfältig geordnete Familienaufzeichnungen und seine Geschichten von gemeinsamen Abenteuern.

Winfried und Marianne Slembeck kannten sich seit der Jugend. Sie teilten denselben Humor, lachten viel und genossen das Leben. Nach der kirchlichen Hochzeit kündigten sie ihre Jobs für drei Monate «Ferien ihres Lebens» in Griechenland. Später zog das Paar berufsbedingt in die Schweiz, bekam einen Sohn und blieb unaufhörlich unternehmungslustig: Tanzen, reisen, zusammen lachen.

«Für eine lange Partnerschaft muss man kontinuierlich daran arbeiten, füreinander sorgen und Verantwortung übernehmen. Und immer wieder nachfragen, wie es dem anderen geht», sagt Winfried Slembeck. Meinungsverschiedenheiten? Gehörten dazu. «Bei uns reichte oft reichte eine Nacht Schlaf, und die Welt sah wieder besser aus.»

Ilona La Ferrara und Adrian Eggenberger: Herzklopfen und Liebesbriefe zwischen Chur und Davos

«Loyalität ist uns wichtig. Wir wollen nie schlecht übereinander reden, auch wenn es mal nicht so läuft.»

Adrian Eggenberger
Ilona La Ferrara aus Chur und Adrian Eggenberger aus Davos: Sie sind seit 2,5 Jahren ein Liebespaar.
Bild: Olivia Aebli-Item

An einem goldenen Herbsttag in Chur stehen Ilona La Ferrara und Adrian Eggenberger im Garten, lachen und schauen sich tief in die Augen. Zwei Menschen, zwei Wohnungen und doch eine gemeinsame Welt, die sie mit jeder Berührung, jedem Gespräch und jedem Lachen bauen.

Seit zweieinhalb Jahren gehen die beiden ihren Weg, Wochenendbeziehung inklusive. Jeden Tag telefonieren sie, fiebern jedem Wiedersehen entgegen und unterstützen sich gegenseitig: Sie stärkt seine Sport- und Eishockeyträume, er bewundert ihre Einfühlsamkeit. Streitereien gehören dazu, doch sie klären nachher immer alles und gehen nie mit ungelösten Konflikten schlafen.

Er schreibt ihr handgeschriebene Liebesbriefe und beide überraschen sich gerne mit Aufmerksamkeiten. Für beide sind Loyalität und Respekt essenziell. Und sie träumen miteinander von einer gemeinsamen Wohnung, vielen Reisen, Heirat und Kindern.

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