Notfall: Wenn das Haustier in den Ferien plötzlich leidet
Die Ferien sind zum Erholen und Erleben da. Doch was ist, wenn es dem Haustier plötzlich nicht mehr gut geht und ein Tierarzt aufgesucht werden muss? So könnt ihr eurem Tier im Notfall helfen.
Die Ferien sind zum Erholen und Erleben da. Doch was ist, wenn es dem Haustier plötzlich nicht mehr gut geht und ein Tierarzt aufgesucht werden muss? So könnt ihr eurem Tier im Notfall helfen.
Ob Katze oder Hund, ein gesundheitlicher Notfall bei einem Haustier hinterlässt im ersten Moment immer einen Schreck. Bei noch nicht ganz erfahrenen Tierbesitzenden kann dann auch schon einmal Panik aufkommen, wenn das eigene Tier vor Schmerzen fiept, hinkt, stark blutet oder einfach kraftlos in der Ecke liegt. In solchen Momenten ist schnelles Handeln und oftmals Erste Hilfe gefragt.
Wenn zu Hause eine Krankheit oder Verletzung beim geliebten Tier eintritt, stellt der Gang zur Tierklinik des Vertrauens im besten Fall keine grosse Hürde dar. Falls jede Minute zählt, kann aber auch plötzlich der Weg zur tiermedizinischen Versorgung ein grosses Hindernis darstellen. An einem unbekannten Ferienort ist es dann meist umso schwieriger. Aus diesem Grund ist eine Erstversorgung wichtig, «damit der Notfall nicht zur Tragödie wird», rät die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz.
Das sollte jede Person über ihre Katze und ihren Hund wissen
Laut der Stiftung liegt die Körpertemperatur bei Katzen zwischen 38 und 39 Grad. Bei Hunden zwischen 37,5 und 39 Grad. Eine höhere Temperatur weise somit auf Fieber beim Tier hin.
Bei einer gesunden Katze liegt der Puls zwischen 110 bis 140 Schlägen pro Minute. Die Pulswerte des Hundes richten sich nach der Grösse. Somit weisen grosse ausgewachsene Hunde 70 bis 100, mittlere 80 bis 130 und kleine Hunde sowie Welpen 90 bis 160 Schläge pro Minute auf.
Auch die Atemfrequenz sei zu berücksichtigen. Laut Stiftung machen Katzen 25 bis 40 Atemzüge pro Minute, grosse Hunde 20 bis 30 und kleine Hunde sowie Welpen 15 bis 50 Atemzüge pro Minute.
Achtung: «Maulatmung und Hecheln ist bei Katzen (anders als bei Hunden) nicht normal, sondern auffällig», warnt die Stiftung für Tierschutz.
So könnt ihr den Puls fühlen
«Der Puls lässt sich an der Oberschenkelinnenseite, an der Zungenunterseite, im Bereich der Aussenwölbung der Ohrmuschel oder an der Schwanzunterseite fühlen», erklärt die Stiftung weiter. Beim Erfühlen sollte nicht nur auf die Frequenz, sondern auch auf die Regelmässigkeit und die Qualität des tastbaren Blutflusses geachtet werden.
Dieses Video zeigt euch, wir ihr den Puls beim Hund fühlen könnt:
So überprüft ihr die Werte bei einer Katze:
Der Hitzekollaps oder Hitzschlag bei Katzen und Hunden
Gerade im Sommer und am Reiseziel erwarten die Tiere oftmals höhere Temperaturen als gewohnt. Da Hunde und Katzen nicht schwitzen können, können sie bei körperlicher Anstrengung und höheren Temperaturen oder auch im heissen Auto wesentlich schneller einen lebensgefährlichen Hitzschlag erleiden, heisst es in der herausgegebenen Broschüre von Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz.
Katzen und Hunde weisen bei einem Hitzschlag Symptome auf wie: starkes Hecheln bei heraushängender Zunge, Nervosität, erhöhte Körpertemperatur, Taumeln, rasender Puls, Atemnot, Tier ist nicht mehr ansprechbar, Bewusstlosigkeit.
Diese Schritte sollten dann laut dem Ratgeber rasch erfolgen:
1. Das Tier sofort an einen kühlen Ort bringen (raus aus dem Auto) beziehungsweise in den Schatten.
2. Wasser zum Trinken anbieten.
3. Kühlung mit Wasser, dabei an den Gliedmassen beginnen (wenn möglich Beine ins Wasser stellen) – intensives Zufächeln von Luft, mindestens 15 Minuten lang kühlen.
Achtung:Laut der Stiftung sind nasse Tücher zur Kühlung ungeeignet – sie können die Temperatur nicht ausreichend schnell senken, sondern stauen zusätzlich Wärme.
Bissverletzungen beim Hund und der Katze
Gerade bei kleinen Hunden seien Verletzungen im Bereich des Brustraumes gefährlich. «Dies kann im schlimmsten Fall durch die entstandene Einbusse der Lungenfunktion zum Tod durch Ersticken führen», warnt die Stiftung. Nach einer Beisserei würden sich die Wunden oftmals entzünden und würden deshalb eine tierärztliche Versorgung benötigen.
Aber auch bei Katzen können nach einem Kampf untereinander durch die Eckzähne kleine Wunden entstehen. «Diese können nach zwei bis drei Tagen zu schmerzhaften eitrigen Abszessen führen», so die Stiftung. Die Katze reagiere dann meist mit Fieber und aufgeplatzten Abszessen, wodurch «riesige, klaffende, oberflächliche Wunden» entstehen, die auch tierärztlich versorgt werden sollten.
Somit gilt: Bei einer Bisswunde sollten ein Hund und eine Katze schnellstmöglich von einer Tierärztin oder einem Tierarzt versorgt werden.
Stark äusserlich blutende Wunden bei Katzen und Hunden
«Starke Blutungen hören nicht von alleine auf, sondern müssen versorgt werden, bis eine tierärztliche Behandlung erfolgt», wie aus der Broschüre der Susy Utzinger Stiftung hervorgeht.
Das solltet ihr in diesem Fall tun:
1. Anlegen eines Druckverbandes: Dabei wird der Verband mehrere Male über die Wunde gewickelt. Danach wird ein Gegenstand in Grösse der Wunde auf die Stelle gelegt und mit eingewickelt. Damit wird Druck ausgeübt und die Blutung gestillt.
2. Abbinden der Gliedmassen bei schweren Blutungen, wenn diese durch einen Druckverband nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden können, aber nie länger als zehn Minuten.
3. Falls alle Massnahmen nicht helfen, mit den Fingern, der Hand oder der Faust das zuführende Gefäss bis zum Eintreffen des tiermedizinischen Fachpersonals zupressen.
So macht ihr einen Druckverband:
Die Broschüre von der Susy Utzinger der Stiftung für Tierschutz enthält noch viele weitere Erste-Hilfe-Massnahmen, die den Tieren mehr Zeit bei einer Verletzung, Vergiftung oder den heissen Temperaturen verschaffen können.
Die Stiftung für Tierschutz hält fest: «Es ist wichtig, dass es sich lediglich um eine Erste Hilfe handelt. Verletzte Tiere müssen auf jeden Fall so schnell wie möglich zum Tierarzt gebracht werden.»
Vergiftung bei der Katze und beim Hund
«Gift kann auf verschiedene Arten in den Körper des Tieres gelangen», heisst es in der Broschüre. Aus diesem Grund würden sich dann auch die Erste-Hilfe-Massnahmen unterschieden.
Durch Essen und Trinken:
«Verschwendet keine wertvolle Zeit, indem ihr versucht, das Tier zum Erbrechen zu bringen. Je nach Giftart könnte das dem Tier sogar schaden», warnt die Stiftung.
Durchs Einatmen:
Das Tier sollte schnellstmöglich in einen anderen Raum oder an die frische Luft gebracht werden.
Über die Haut:
Die betroffenen Stellen sollten mit klarem Wasser gründlich ausgespült werden.
Telefon 145
Beim Tox-Zentrum erhalten Tierhaltende rund um die Uhr kostenlos ärztliche Hilfe bei Vergiftungsfällen und Vergiftungsverdacht.
Je nach Gift können laut Stiftung Symptome wie Magen-Darm-Störungen, Erbrechen, Durchfall, Muskelkrämpfe, gestörte Reflexe, Bewusstseinsstörungen, vibrierende Tasthaare, Bewusstlosigkeit und Verätzungen auftreten. Treten diese Symptome auf, sucht umgehend eine Tierarztpraxis auf. Dasselbe auch, wenn ihr euch unsicher seid, ob euer Hund etwas Giftiges eingefressen hat. In allen Fällen gilt: Lieber einmal mehr zum Tierarzt, bevor es zu spät ist.
Tipps für die Ferien aus der Redaktion:
Der erste Punkt ist, eine gute Reiseapotheke für das Tier mit in die Ferien zu nehmen und diese griffbereit zu haben, wenn sie im Ernstfall benötigt wird. Ausserdem ist ratsam, schon im Vorfeld Adressen von Tierkliniken im Ferienort zu recherchieren. So kann in einer brenzlichen Situation ohne grossen Zeitverlust und Hektik gehandelt werden. Bei Sprachbarrieren ist es gut, wenn das Smartphone zur Hand ist. Oftmals können Übersetzungstools eine grosse Hilfe bei der Abklärung des Alters, des Unfallhergangs und der Verletzung sowie Erkrankung sein.
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